2
dichtete. Denn ebenſo heißt der Rinderhirt des Geryon, der in wenig veränderter Namensſorm Orion iſt (wie ſchon Movers annimmt); ferner heißt ſo der Kentaur, der dem Pirithous die Hippodame raubt und dadurch den Lapithenkampf veranlaßt, und ein Kentaur Eurytion macht auch dem Herakles die Deianira ſtreitig(Jacobi v. Dexamenos). Eurytus iſt ein Gigant und ein als Bogenſchütz gerühmter König von Ochalia(vgl. Hakel), den Herakles erſchlägt. Wir werden annehmen können, daß ältere Sage den Eurytion durch den Eber ſelbſt umkommen ließ, und daß die Lanze auch hier die Stelle des Hauers ver⸗ tritt wie bei Atys. Man beachte noch die Übereinſtimmung: Peleus iſt Mörder ſeines Bruders wie Adra⸗ ſtus und tödtet ſeinen Gaſtfreund wie dieſer den Sohn des Gaſtfreundes aus Verſehen auf der Eberjagd.
Eine nur bei dem ſpäten Natalis Comes V. 13 p. 497 vorkommende Angabe darf hier nicht mit Schweigen übergangen werden. Es heißt nämlich dort, Karmon, ein Sohn des Dionyſus und der Alexiräa, ſei auf der Jagd von einem Eber getödtet worden. Zu Alexiräa vgl. n. 92; Karmon könnte mit Irmin, Hermes, Harmonia, Hermione u. a. verwandt ſein.
Häufiger begegnet uns in griechiſchen Sagen der Stich in den Fuß ohne den Eber. Chixon läßt, während er die Pfeile des Herakles betrachtet, einen davon ſich in den Fuß fallen, oder im Gefechte des Herakles mit den Kentauren trifft ihn ein Pfeil desſelben von ungefähr ins Knie, und die Wunde iſt un⸗ heilbar wegen des lernäiſchen Giftes. Von dem ebenfalls in dieſen Kreis gehörigen Philoktet erzählt Servius: Er hatte dem Herakles eidlich verſprochen nicht zu ſagen, wo ſein Grab ſei; als man aber in ihn drang, zeigte er es mit dem Fuße; zur Strafe fiel ihm einer der vergifteten Heraklespfeile in den Fuß und verurſachte die böſe Wunde. Der Stich iſt auch in der gewöhnlichen Sage gewahrt, nur daß er einer Schlange zugeſchrieben wird wie bei Oleg(n. 11). Ebenſo in der argiviſchen Sage von der Einſetzung der nemeiſchen Spiele, wie ſie Apollodor I. 6, 4 berichtet:„Adraſtos kam mit den Helden auf dem Zuge gegen Theben nach Nemea, wo Lykurgos herſchte. Als ſie Waßer ſuchten, zeigte ihnen die Wärterin des Opheltes, eines Sohnes von Lykurgos und Eurydike ³⁰⁹), eine Quelle. Das allein ge⸗ laßene Kind wurde durch den Stich einer Schlange getödtet; man beſtattete es und ſtiftete ihm zu Ehren das Trauerfeſt der Nemeen.“ Lykurgos, den viele Züge als Orion erweiſen, haut ſich mit dem Beile den Fuß ab. Deutlichen Bezug auf die Hundstage verrät folgender Mythus bei Pauſanias XIII. 28, 3: „Zwiſchen dem arkadiſchen Heerführer Teuthis und Agamemnon entſtand in Aulis Streit. Athene in Geſtalt des Melas ſuchte den Teuthis zu beſänftigen, er verwundete ſie aber mit der Lanze und zog mit ſeinen Kriegern heim. Hier erſchien ihm die Göttin und zeigte ihm die Wunde am Schenkel. Teuthis verfiel nun in eine tödtliche Krankheit, und ſein Land trug keine Frucht mehr. Einem Orakel zufolge errichteten die Einwohner der Göttin ein Standbild mit verwundetem Schenkel.“ Teuthis ſcheint derſelbe Name zu ſein wie Tydeus, der einen Eber im Schilde führt ³¹). Talos, der kretiſche Rieſe (bei Pauſanias VII. 4, 6 ein Sohn des Onopion), wird durch Pöas mit einem Pfeil an der Ferſe
30) So wird auch der Tod der Eurydike durch den Stich einer Schlange in den Fuß hierher gehören. Das Lied, wo⸗ mit ihr Gatte Orpheus alles rührt, iſt das Linoslied. Daß die Nemeen auf die Hundstage Bezug hatten, ergibt ſich ſchon aus dem geſuchten Waßer, beſonders aber aus der Zeit der Feier(ſ. unten).
31) Ich wage folgende Zuſammenſtellung: Thoth oder Taate(Taautes), dem der erſte Monat des ägyptiſchen Jahres (ſ. p. 4) geweiht war, der die Zeiten regelt, den Kopf des Hundsaffen trägt und zu den unterweltlichen Göttern gehört(Duncker Geſch. d. Alt. I. p. 65), der Rieſe Tityus, Titias(ſ. Jacobi), Tydeus, Teuthis, Dido, der römiſche Todtenherſcher Dis(Vvielleicht ſogar Tatius), der deutſche Thedel mit ſchwarzem Teufelroſs, das glü⸗


