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Chriſtlicher Einwirkung mag es zuzuſchreiben ſein, daß das Kreuz und die Kreuzwege zu einem Hemmnis wurden, ihre urſprüngliche Bedeutung ſcheint eine andere geweſen zu ſein. Man betrachte nämlich den Orion genau: die beiden Sterne erſter Größe, Beteigeuze und Rigel, bilden mit den drei Sternen des Gürtels ein ganz vollkommenes helles Kreuz. Das Kreuz wird alſo eine Andeutung der gefürchteten Macht, ein Zeichen der Verehrung, das ſie günſtig ſtimmen ſollte, geweſen ſein und der Kreuzweg grade als ihr Lieblingsaufenthalt gegolten haben, wie bei Hekate 25). So haben wir nicht nötig die Wichtig⸗ keit der Kreuzwege erſt auf die alte Benennung Dreiweg(lat. trivium, ahd. driwikki) zurückzuführen, wenn auch die Dreizahl in dieſem Sagengebiete nicht ſelten bedeutungsvoll hervortritt 2*), was wieder zum Orion ſtimmt, der ſich nicht bloß in den Gürtelſternen, ſondern auch im Ganzen dreifach— zeigt, indem ſich die neun hellen Sterne allemal zu dreien gruppiren.
Endlich ſind die Anklänge an griechiſche Mythen vom Orion, welche Simrock p. 245 und 247 zu finden glaubt, nicht außer Acht zu laßen.„Von Odhr(Odhin) ſagt die Edda, er zog fort auf ferne Wege und Freyja weint ihm goldene Thränen nach. Eos wird als Orions Geliebte genannt und von dieſer erzählt, daß ſie jeden Morgen, bevor ſie ihren Tageslauf begann, Thränen der Sehnſucht um ihn weinte, die wie Diamanten glänzten. Dieſe diamantenen Thränen ſind der Thau, und ſo laßen ſich auch Freyjas goldene Thränen deuten. Wenn es von Kedalion, dem wunderbaren Kinde, heißt, daß es auf Orions Schultern ſitze, ſo findet ſich das bei Wate wieder, der ſeinen Sohn Wieland auf die Schultern hebt, um ihn durch den Sund zu tragen, wie Thorr den Oerwandil durch die urweltlichen Eisſtröme. Nun fällt aber Wate, dem wieder Chriſtophorus nahe ſteht, ſchon dem Namen nach mit Wuotan zuſam⸗ men, der wie Orion auf dem Meere wandelt. Man ſieht wie ſich Odhin und Thorr als Gewittergötter auch in den Mythen berühren.“ Dazu ließe ſich noch eine Sage ſtellen, die J. Grimm p. 133 anführt: „Der blinde Greis faßt ſeinen Schützling in den Mantel und trägt ihn durch die Lüfte, Hading aus einem Loche des Mantels ſchauend, gewahrt, daß das Pferd über die Wellen ſchreitet.“ Alſo auch die Blindheit wie bei Orion.
Wie das germaniſche Altertum dazu kam, aus demſelben Geſtirn eine männliche ſowol wie eine weib⸗ liche Gottheit zu ſchaffen, das bleibt eins der ſchwierigſten Rätſel der Mythologie. Wir finden in grie⸗ chiſchen Sagen und in aſiatiſchen Culten gleichen Übergang des männlichen in das weibliche Weſen, ja ſogar eine bewußte Vermengung beider Geſchlechter. Man nimmt an, im Orient ſei ſolche Zuſammenzie⸗ hung ein Bild der Einheit und höchſten Kraft des göttlichen Weſens. In den deutſchen Sagenkreiſen
25)„Die Hexen finden ſich gern auf Wegſcheiden zuſammen; der Teufel iſt auf Wegſcheiden zu errufen“(J. Grimm p. 1028). Duncker Geſch. d. Alt. 11 p. 79 ſagt:„Der Brahmane ſoll ſich ſtets ſo ſtellen, daß zu ſeiner Rechten eine Erhöhung der Erde, eine Kuh, ein Buttergefäß, ein Kreuzweg oder ein heiliger Baum iſt.“
26) Dem Wuotan und der Frau Gaue läßt man drei Büſchel auf dem Acker ſtehen(J. Grimm p. 403). Im Franken⸗ walde bleiben drei Hände voll Flachs im Felde liegen für die an Holdas Stelle getretenen Holzweibel, und drei Kreuze werden für ſie in den abgeſägten Stamm gehauen, daß ſie ſich darauf ſetzen können(derſ. P. 8814). Zu Neu⸗ brunn im Würzburgiſchen zog das wütende Heer immer durch drei Häuſer, in welchen drei Thüren grade hinter ein⸗ ander waren(derſ. p. 886). Wo drei Lichter im Zimmer ſind, hat die Hexe Gewalt(derſ. p. 1028); vor einer Hexe Haus wird dreimal ausgeſpuckt, desgleichen in Schweden bei nächtlichem Überſchreiten eines unheimlichen Waßers (derſ. p. 1056). Der Werwolf(der einen Gürtel anhat) wird Nachts ein dreibeiniger Hund(derſ. p. 1050); Hel die Todesgöttin reitet auf einem dreibeinigen Pferde(derſ. p. 804). Der Dreifuß ſteht in alter Heiligkeit(derſ.. 996).


