Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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vom Teufel geholt zu werden. Wenn oft angeraten wird, man ſolle mitten im Wege bleiben, ſo läßt ſich ein Grund darin finden, daß Orion nicht gradeswegs, ſondern ſchräg am ſüdlichen Himmel hin nach Weſten geht. Ferner ſtimmt es ganz zum Geſtirn, wenn es bei J. Grimm p. 887 heißt:einer lag auf ein Rad gebunden, das ſich von ſelbſt bewegte, wenn der wilde Jäger in alle Ewigkeit jagt, und wenn er der Weltjäger genannt wird(Simrock p. 245). Übermut und trotzige Keckheit wird dem Orion beigelegt wie dem wilden Jäger. Wenn erzählt wird, dieſer habe keinen Kopf(J. Grimm p. 887), trage den Kopf in der Hand oder unter dem Arm oder das Geſicht im Nacken, ſo ſollen ſolche Gebilde offen bar das Grauſige der Erſcheinung erhöhen, möglich bleibt aber immer, daß der Anblick des Geſtirns zu derartiger Dichtung mit beitrug. Der bekannte Hexenritt auf einem Stock, woraus dann ein Beſen oder eine Ofengabel wurde ²³), erklärt ſich ebenfalls aus dem Ausſehen des Orion. Die Deutſchen ſcheinen denſelben vorzugsweiſe als Reiter genommen zu haben, welche Vorſtellung auch bei Betrachtung des Orion leicht wieder zu gewinnen iſt. Der Tod holt zu Pferd ab(J. Grimm p. 803 f., vgl. auch p. 1002), und der Teufel hat einen Pferdefuß. Viele Sagen erwähnen den wilden Jäger als einen weißen oder grauen Mann auf einem Schimmel, wie auch Eckhart mit einem weißen Stab vorangeht und der ſchwä⸗ biſche Berchtold weiße Hunde am Strick hat(Simrock p. 241), und dieſe helle Farbe weiſt auf das Licht des Himmels. Weiß waren die Sonnenroſſe, weiß die Mondkuh Jo und weiß die Roſſe der Dioskuren. Die Sage vom Ritter Tils erinnert an die im Meer untergehenden Sterne, und der durch den Tiſch ge⸗ wachſene Bart iſt wol die Milchſtraße, die in der norwegiſchen Sage von Guroryſſe zu einem langen Schwanz wurde. Die vorausfliegende Tutoſel könnte die Hyaden bedeuten, die ganz das Ausſehen von zwei ausgebreiteten Flügeln haben ²⁴).

Ein ſehr wichtiger Punct aber iſt dieſer. Die Volksſage gibt den Kreuzwegen beſondere Bedeutung. Wods Hunde bellen dort in finſterer Nacht(J. Grimm p. 876). Wenn Frau Gauden ſich auf einen Kreuzweg verirrt, zerbricht ſie etwas an ihrem Wagen(derſ. p. 878), ebenſo Perchtha(derſ. p. 252); der wilde Jäger meidet ordentliche Straßen, und wenn er zufällig auf einen Kreuzweg gerät, ſo ſtürzt er mit dem Pferde(derſ. p. 880, ſ. auch Schwartz p. 11). Dem Kreuz weicht er auf allen ſeinen Wegen aus.In die vier Winkel ſeines Ackers pflügt der Bauer ein Kreuz. An den Wiegen neugeborner Kin⸗ der, ſo lange die Taufe nicht erfolgt war, wurde das Kreuz nicht geſpart zur Sicherung gegen Elbe und Teuſel(J. Grimm p. 1057, vgl. oben n. 22). Drei Kreuze, die in den abgeſägten Baumſtamm gehauen werden, geben den vom wilden Jäger verfolgten Holzweibeln Schutz(J. Grimm p. 881). Im Schaum⸗ burgiſchen und anderen Weſergegenden macht man in der Walpurgisnacht weiße Kreuze an die Thüren. Es iſt jetzt nur eine harmloſe Beluſtigung der Jugend, man weiß aber noch, daß die Kreuze vor den Hexen, die auf den Blocksberg ziehen, ſchützen ſollen. Die Verſuchung liegt nahe hierin chriſtliche Ein⸗ flüße zu erblicken. Dem widerſtreitet aber ſchon die überall ſichtliche Thatſache, daß das Chriſtentum heidniſche Bräuche beſtehen ließ und nur in Namen und Bedeutung AÄnderungen brachte, daß namentlich unter dem alten Sachſenvolke heidniſche Vorſtellungen und heidniſche Sitten zäh hafteten, und mehr noch die Wichtigkeit, welche die Kreuzwege auch im Altertum hatten in dem ganz ähnlichen Culte der Hekate.

23) J. Grimm p. 1037 f., 1044 und 1030, wo beſonders die weiße Farbe zu beachten. 24⁴) Sollte die Eule der Athene dieſelbe ſein? Auch die Krähe war ihr geweiht, und der griechiſche Name der Krähe iſt derſelbe, den wir als eine Benennung der Hyaden oben kennen lernten. Vgl. n. 27.

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