Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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Ukermark ſoll ein Heidereuter Bärens(der zweite Theil des Namens Hackelbärend) ähnliches erlitten haben. Er hörte in zwei Nächten nach 12 Uhr eine Stimme, welche fragte:Iſt der Stumpfſchwanz da, der den Förſter Bärens zu Tode bringen ſoll? In der dritten Nacht hörte der Büchſenſpanner des Kurfürſten, der an Bärens Stelle im Forſte wachte, dasſelbe. Tags darauf war eine große Schweins⸗ jagd, und der Heidereuter blieb zu Hauſe. Als die Jagd zu Ende war, ritt er hinaus. Man wollte eben ein Schwein auf einen Wagen laden; er trat hinzu mit den Worten:Du ſollſt mir das Leben nehmen, und biſt eher todt als ich? und hielt das Schwein, während die andere Wagenleiter vorge⸗ ſchoben wurde, aber es fiel herunter und ſchlitzte ihm mit dem Hauer den Leib auf, ſo daß er, nachdem er ſich noch einige Male vor Schmerz im Kreiſe herumgeſchleppt hatte, ſeinen Geiſt aufgab.An jedem Punkte, ſagt Schwartz wo er im Todeskampfe niedergeſunken, hat man einen Stein geſetzt, welche nun einen förmlichen Kreis bilden. Dieſe Stelle heißt bis auf den heutigen Tag Bärens Kirchhof*), kein Menſch aber weiß zu ſagen, zu welcher Zeit und unter welchem Churfürſten dieſer Bärens gelebt hat. Schwartz führt dazu noch eine Köpnicker Sage an:Einem Junker von Schönfeld träumte, daß er durch einen Kempen ſeinen Tod finden würde. Auf Befehl des Churfürſten mußte er bei der am andern Tage ſtattfindenden Jagd zu Hauſe bleiben**). Als aber die Jäger des Abends heimgekehrt, haben ſie einen gewaltigen Eber erlegt, in dem der Junker den erkennt, welchen er im Traum geſehen. Wie er zerlegt wird, ſteht er dabei; da will einer das Thier wenden, und der Kopf gleitet vom Tiſche und fährt mit dem Hauer dem Junker ſo gewaltig in den Fuß, daß er ſchwer an der Wunde erkrankte und kurze Zeit darauf ſtarb. Trotz aller Moderniſirung alſo immer derſelbe weſentliche Zug, unabwendbarer Tod durch den todten Eber ¹⁷¹).

9) Wahrſcheinlich eine alte Cultusſtätte.Die Gewiſſenhaftigkeit, mit der das Volk Hakelbernds Grabſtätte nachzuweiſen ſucht, ſcheint mir einen heidniſchen Cultus, dem auch Steindenkmäler gewidmet waren, anzudeuten(J. Grimm p. 900). S. unten n. 60 u. 61.

10) Ich habe dieſes Daheimbleiben bei der Deutung unten nicht berückſichtigt, möchte aber zu erwägen geben, ob es nicht ein alter Zug iſt, der beim indiſchen Karna, bei Achilles und Meleager(in dem Mythus bei Homer Il. 1X) wiederkehrt.

11) Die Neigung des Volks, alte Mythen durch Anknüpfung an hiſtoriſche Perfonen lebendig zu erhalten, iſt öfter zu gewahren. So wird von Gundarich, Thaſſikos Sohn, erzählt, er ſei an einer Wunde geſtorben, die ihm ein Eber in die Wade verſetzte. J. Grimm, der dieſe Angabe als Beleg anführt p. 874, zieht p. 901 auch folgende Erzählung hinzu:Neſtor meldet, daß dem Oleg geweiſſagt war von ſeinem Pferde zu ſterben; er ließ es füttern, wollte es aber nicht wieder ſehen. Als er nach fünf Jahren danach fragte, ſagte man ihm, es ſei todt. Da lachte Oleg der Wahrſager und gieng in den Stall, wo das Gerippe und der Schädel des Pferdes lag. Als er auf den Schädel trat, fuhr eine Schlange daraus hervor und ſtach ihn in den Fuß; daran erkrankte und ſtarb er. Simrock deutſche Mythol. p. 246 knüpft daran zwei nicht minder beachtenswerte Sagen:In Italien träumte ein Ungenannter, er würde von einem marmornen Löwen, der in der Vorhalle der Kirche ſtand, tödtlich verwundet werden. Am Morgen gieng er nach der Kirche, ſteckte dem ſteinernen Löwen die Hand ſpottend in den Mund und ſprach:Nun beiß, du gewaltiger Feind, und ſo du kannſt, erwürge mich! Kaum hatte er ausgeſprochen, ſo ward er von einem Scorpion, der in des Löwen Mund verborgen war, geſtochen und tödtlich verwundet. So bindet in der Orkneyinga Sage Stgurd, der erſte Jarl, das Haupt des erſchlagenen Schottenfürſten an den Steigbuͤgel; ein reibender Zahn desſelben zieht ſeinem Fuß ein Geſchwulſt, ihm ſelber den Tod zu. Der gemeinſame Zug dieſer drei ſo ganz verſchiedenen Sagen, daß ein Todter durch Stich den Tod bringt, kommt ſonſt nicht vor als in der Sage vom wilden Jäger; ſie ſind daher als weitere Auswüchſe von dieſer zu betrachten, und da die italiſche(longobardiſche?) Erzählung ſich deut⸗