Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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alten Deutſchen in dem Zuge der Sterne ein großes Jagen ſahen, in Orion den verfolgenden Jäger, daß das erhabene Schauſpiel, ein Bild deſſen, worin ſie ihren Stolz ſetzten, ſie mächtig anzog und ihre Phantaſie kühn begeiſterte! Bei den Griechen fanden wir dieſelbe Vorſtellung, aber das Bild iſt bereits abgeblaßt. Bei den Deutſchen ſehen wir es lebensfriſch erhalten in der Sage vom wilden Jäger.

Die mannigfachen Volksſagen von dem ſpukhaften Jagen in der Luft gruppiren ſich am beſten nach den Namen des verwünſchten Jägers. Die erſte Stelle verdienen die Sagen des alten Sachſenlandes, die in den verſchiedenen Namensformen den Stamm hak aufweiſen. Gewöhnlich an eine halbhiſtoriſche Perſon angeknüpft ſcheint hier der Mythus von ſeiner urſprünglichen Geſtalt am meiſten bewahrt zu haben. Hackelbärend ſagt J. Grimm war ein Jäger, der auch Sonntags auf die Jagd zog dieſer Ent⸗ heiligung wegen wurde er nach ſeinem Tode in die Luft verwieſen, wo er mit ſeinem Hunde, ohne ſich auszuruhen, Tag und Nacht jagen muß. Nach Einigen jagt er nur in den zwölf Nächten von Weih⸗ nachten zu den heiligen drei Königen, nach Andern immer, wann der Sturmwind heult, wes⸗ halb ihn Einige den Joljäger nennen). Hackenberg oder Hackelberg jagte auch des Sonn⸗ tags und zwang alle Bauern ſeiner Gemeinde mitzugehen; eines Tags aber mußte er einem wilden Reiter folgen, deſſen Pferd Feuer ſprühte, und nun jagt er mit demſelben bis zum jüngſten Tage. Nach an⸗ derer Sage flehte Hackelberg auf dem Todbette, Gott möge ihn für ſein Theil Himmelreich bis zum jüng⸗ ſten Tage jagen laßen, und es geſchah ſo. Oder er wollte auf dem Sterbebett des Predigers Ermahnen nicht hören und ſagte, Gott möge der Himmel bleiben, wenn ihm nur ſeine Jagd bleibe, worauf der Prediger ſprach:So jage bis an den jüngſten Tag! was dann in Erfüllung gieng. Eingedrungene chriſtliche Elemente haben hier der Sage ihren eigentlichen Charakter benommen, und als einziger Reſt aus der heidniſchen Zeit iſt das ewige Jagen geblieben. Aber auch der uralte heidniſche Mythus iſt be⸗ wahrt in der Erzählung vom ſeltſamen Tode des Jägers.Hackelberg träumte, er würde durch einen wilden Eber ſeinen Tod finden. Da nun des andern Tages eine große Jagd angeſagt war, bat ihn ſeine Frau flehentlich, er möge doch nicht mit ausziehen, und das that er denn auch. Als aber die Jäger Abends nach Hauſe kamen, hatten ſie einen großen Eber geſchoſſen, und wie der ſo auf der Diele liegt, tritt der Hackelberg heran und ſagt:Na, nun wirſt du mir auch nichts mehr thun! und dabei faßt er dem Thier mit dem Finger in den Rüſſel und hebt den Kopf in die Höhe; der gleitet ihm aber aus der Hand, und der eine Hauer fährt ihm in's Bein. Hackelberg achtete die Wunde nicht weiter, aber ſie wurde ſo ſchlimm, daß der kalte Brand hinzutrat, und er daran ſtarb. Nach anderen Sagen geht Hackelberg mit auf die Jagd und trifft hier das Thier, welches er im Traume geſehen, und erlegt es nach hartem Kampfe. Aber in der Siegsfreude ſtößt er mit dem Fuß nach dem Eber und ruft:Hau nun, wenn du kannſt. Doch ſo heftig hat er geſtoßen, daß des Ebers ſcharfer Zahn durch den Stiefel dringt, und dies wird dann ſein Tod. Seit der Zeit nun, heißt es, jagt Hackelberg, gefolgt von vielen kleinen Hunden, oder wie Andere ſagen, mit zwei großen Leithunden, die er an langem Riemen führe, und zwar, fügt man hinzu, hat er ſich dazu verwünſcht; er habe nämlich gewünſcht, für ſein Theil Seligkeit ewig jagen zu dürfen. So ſagt Schwartz in dem lehrreichen Programm des Friedr. Werder⸗ ſchen Gymnaſiums: der heutige Volksglaube und das alte Heidenthum Berlin 1850 P. 21 f. In der

8) J. Grimm ſetzt hinzu:von jolen heulen, oder Julzeit? Mir ſcheint Jol ein alter Name des Gottes zu ſein, wonach das Weihnachtsfeſt Julfeſt und die heilige Zeit von da an Julzeit genannt wurde. 1