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ten aus demſelben Grunde wie Orion, dem ſie nur wenig vorausgehen. Wegen des Zuſammengehörens der beiden Geſtirne heißen ſie Töchter Orions. Der Name Koroniden bezeichnet ſie als Töchter des Ko⸗ ronos, und dieſer iſt kein anderer als Orion, der römiſche Quirinus(ſ. unten n. 43). Die Namen der Hyaden wechſeln bei den Schriftſtellern ebenſo wie ihre Zahl, aber faſt immer iſt eine Koronis dabei. Leos läßt ſich mit Leonteus zuſammenſtellen, den Homer II. II, 745 f. einen Sohn des Koronos nennt; der darin ſichtliche Stamm 16 Löwe wird auch in Leos enthalten ſein. Der Löwe, das Zeichen, worin die Sonne in den Hundstagen ſteht, dient zum Ausdruck der heißeſten Zeit wie Sirius, mit dem er auch nicht ſelten vermengt zu ſein ſcheint. Hyakinthos iſt wieder Orion ſelbſt. Töchter des Erechtheus aber heißen die Hyaden, nicht bloß die mythiſchen Jungfrauen, ſondern auch die wirklichen Hyaden, weil ſie aus dem Meer aufſteigen, denn Erechtheus iſt nur ein Beiname des Poſeidon. Warum man ihnen Ver⸗ ehrung zollte, geht aus der Angabe eines Scholiaſten zu Sophokles Oed. Col. 101 hervor, die Athener hätten den Töchtern des Erechtheus„„„.αμãlccaßerſpenden dargebracht. Sie waren die eigentlichen Mächte der Feuchte, von ihnen hoffte man Abhilfe gegen die Schwüle und Dürre der Hundstage, die in den Mythen zu einer Peſt oder Hungersnot wurde. Sie gehen dann des Morgens auf, und wahrſchein⸗ lich ſchrieb man ihrem Einfluß die Morgenkühle und den Thau zu. Ihr Opfertod iſt daraus zu erklären, daß ſie im Beginn des Sommers nicht ſichtbar ſind; auch wurden in der heißeſten Zeit vormals wirklich Menſchen geopfert. Es ſind die dem Moloch, dem Zeus Lykaios, dem Apollo u. a. gebrachten Menſchen⸗ opfer; die Sagen von Iphigenia, Sphinx, vom kinderfreßenden Kronos, Minotaurus u. v. a. finden darin ihre Erklärung. Von dem Weben, das in der Sage beſonders hervortritt, wird unten die Rede ſein(n. 15).
Die Hyaden alſo hätten einen Mythus von wirklich dichteriſchem Gehalt ergeben, bei dem ungleich wichtigeren Orion, der ſich zu einer allegoriſchen Geſtalt eignet wie kaum etwas Anderes in der Natur, wäre die ſo leicht erregte Phantaſie der vorgeſchichtlichen Zeit nicht weiter gegangen als zu einigen flüch⸗ tigen Andeutungen! Das müßte ſehr auffallen. Die vorzeitlichen Stämme, welche die Mythen ſchufen, lebten in und mit der Natur, ſie ſahen überall Leben, Wirken, Triebfedern und Schickſale nach Menſchen⸗ art; wo ſie mächtiges Eingreifen in den gewohnten Gang wahrnahmen, da mußte göttliche Macht walten; je ſtärker ihre Einwirkung war, um ſo mehr nahm ſie das religiöſe Gefuͤhl und die ſtaunenden Gedanken hin. Worein ſich aber das Gemüt des Naturmenſchen vertieft, da wird die Phantaſie rege mit Forſchen und Erklären; ſie findet Gründe und Zuſammenhang und hat für alles ein Vorbild in der nächſten Um⸗ gebung. Daß Orion, der die Aufmerkſamkeit der Alten ſo ſehr in Anſpruch nahm, auch ihre Phantaſie ungewöhnlich beſchäftigte, läßt ſich von vorn herein annehmen, und wenn ſein Mythenkreis ein geringer iſt, ſo weiſt das eben darauf hin, daß die ihn betreffenden Sagen anderswo zu ſuchen ſind als beim Na— men Orion. Weit entfernt in der Mythologie eine untergeordnete Stellung einzunehmen, nimmt er viel— mehr eine ſehr bedeutende ein; er iſt der Jagd⸗, Kriegs⸗ und Todesgott der Indogermanen, zugleich Zeitengott, Wettergott und Gott des Wachstums, ja, wenn nicht alles trügt, eine Götter- oder Heroen⸗ geſtalt, die noch über die indogermaniſche Zeit hinausreicht, d. h. ein Gemeingut der Indogermanen, Semiten und Hamiten. Dieſes nachzuweiſen, wenn in der wißenſchaftlichen Mythologie, die auf dem Wege der Combination an der Hand der Vermutung geht, von Nachweis überhaupt die Rede ſein kann, iſt die Aufgabe der vorliegenden Unterſuchung. Zunächſt ſoll uns Orion der Jäger beſchäftigen, weil dieß die Eigenſchaft iſt, die ihm, wenn nicht zuerſt, doch gewis unter den erſten gegeben wurde, und die auch


