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gefüllte Ochſenhaut gegeben, die er vergraben und erſt nach neun Monaten öffnen ſollte, er habe dann den Sohn darin gefunden und Urion oder Orion genannt, iſt eine etymologiſche Dichtung(0090» Harn), die zugleich die dreifache Theilung des Geſtirns erklären wollte und das demſelben vorausgehende Stern⸗ bild des Stiers hinzuzog, ſowie die Erfahrung, daß das eigentliche Walten des Orion drei Monate währt. In der Ilias XVIII, 486 heißt er der Starke, 69ον‿ Lieνos(ſo auch wiederholt bei Heſiod). Wenn von der Bärin gleich darauf geſagt iſt, ſie ſchaue nach dem Orion, ſo iſt dieß kein Mythus, ſondern bloß dichteriſche Ausſchmückung, worauf die Stellung der beiden Bilder und die ihnen geliehenen Eigen⸗ ſchaften leicht führen konnten. II. XXII, 26 ff. wird der Sirius kurz geſchildert als der am hellſten glänzende Stern, der im Sommer die unheilvolle Hitze bringt, mit dem Zuſatze: den man den Hund des Orion zu nennen pflegt. Odyss. XI, 572 jagt Orion als gewaltiger Rieſe in der Unterwelt mit ſeiner un⸗ zerbrechlichen Keule. Odyss. V, 121 ff. iſt er der Geliebte der Eos(XI. 310 wegen ſeiner Schönheit gerühmt), der auf der Inſel Ortygia von Artemis mit ſanftem Geſchoß erlegt wird. Orion geht nämlich im Sommer kurz vor der Sonne auf, kommt alſo mit der Morgenröte zuſammen; Ortygia(Delos), der Lieblingsſitz der Artemis, liegt für das nördliche Griechenland da, wo jener dann zu ſtehen ſcheint; die ſanften Geſchoße deuten das allmähliche ſachte Verſchwinden an. Spätere führten ſein Verhältnis zu der Mondgöttin Artemis weiter aus. Er wurde von ihr geliebt, Apollo aber zürnte darüber, und als Orion einſt ſeiner Gewohnheit nach durchs Meer watete, ſo daß nur ſein Kopf hervorragte, behauptete er, die Schweſter könne dieſes Ziel nicht treffen; ſie ſchoß und tödtete, ohne es zu wißen, den Geliebten. Oder ſie erſchoß ihn, weil er ſie zum Wettkampf mit dem Diskos, d. i. der leuchtenden Scheibe, herausforderte, oder weil er ihr nachſtellte, oder ſich an Upis, einer ihrer Begleiterinnen(urſprünglich eine Benennung der Artemis ſelbſt, wol eins mit der italiſchen Ops) vergriff. Die Wahrnehmung, daß der Skorpion im Oſten aufgeht, wenn Orion im Weſten untergeht, ergab die Dichtung, Artemis oder die Erde habe einen großen Skorpion geſchickt, der ihn in den Fuß ſtach und ſo tödtete. Weil die Plejaden vor dem Orion her nach Weſten ziehen, wurde gedichtet, dieſer habe die Pleione mit ihren Töchtern verfolgt, bis ſie in Tauben(εεεέααα]) verwandelt und an den Himmel verſetzt wurden ³⁴). Bloße dichteriſche Fictionen ohne mythiſchen Hintergrund ſind es, wenn Heſiod 29„. 616 die Plejaden vor der gewaltigen Stärke des Orion fliehen läßt, wenn Apollodor und Hygin ſagen, Poſeidon habe ihm die Gabe verliehen, auf dem Meere zu gehen, wenn ihn Virgil Aen. X, 763 ff. als einen Rieſen darſtellt, der mitten durchs Meer ſchreitend ſich den Weg bahnt und mit der Schulter über die Wellen ragt oder am Boden gehend mit dem Haupt in die Wolken reicht.
Als wirkliche Mythen mit Spuren hohen Alters ſtellen ſich nur zwei Erzählungen heraus.„Orion liebte die Tochter des Onopion auf Chios. Er reinigte die Inſel von wilden Thieren und brachte die Beute ſeiner Braut zum Geſchenke. Da aber Onopion die Vermählung immer aufſchob, brach Orion in der Trunkenheit gewaltſam in die Kammer der Jungfrau. Onopion rief deßhalb den Dionyſos an, der durch Satyrn den Orion in Schlummer bringen ließ, worin ihn Onopion blendete. Durch das Orakel belehrt, daß er ſein Augenlicht wieder erhalten werde, wenn er gen Morgen gehe und ſeine Augen den
3) Beſonders zu beachten iſt der von Pindar behandelte Mythus(Etyin. M. v. III2l⁴ς: Pleione ſei mit ihren Töchtern von Orion ſieben Jahre verfolgt, Zeus habe dann die Frauen ſamt dem Jäger an den Himmel verſetzt, daß ſie dort das Jahr abteilen ſollten. Die Wichtigkeit des Orion für die Zeitrechnung wird dadurch beſtätigt. Frauen verfolgt auch der deutſche wilde Jäger, und verwandt ſcheint der Mythus von Athamas, der die Ino verfolgt.


