Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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und ſeiner Einwirkung ſchrieb man die übermäßige Schwüle zu(Plin. h. n. II, 40). Die Agypter ³) hatten zu dieſer Zeit ihren Jahresanfang, ebenſo die Athener. Wenn Orion dagegen im Spätherbſte früh am Abend im Oſten erſcheint, bringt er die winterliche Zeit mit den für die Schiffahrt ſo gefährli⸗ chen Stuͤrmen(Heſiod 20. 621; Horaz Od. 1, 28, 21; Virgil Aen. I, 575; Preller griech. Mythol. I. p. 303).

Bei dem genannten Geſtirn trifft alſo alles zuſammen, um dasſelbe zum Gegenſtande vorwiegender Beachtung zu machen. Daß es zu den älteſten Sternbildern gehört, beweiſt Homer Il. XVIII, 486, wo außer Sonne und Mond die Plejaden, die Hyaden, Orion und der große Bär genannt werden. Odyss. V. 272 ff. kommt noch der Bootes hinzu. Heſiod hebt den Orion mit dem Sirius als beſonders wichtig hervor. Griechiſche und römiſche Dichter erwähnen ihn vielfach, gewöhnlich als ein gefürchtetes, immer als ein ſehr wichtiges Geſtirn. Die Bibel nennt ihn an mehreren Stellen(Hiob 9, 9 und 38, 31; Jeſaj. 13, 10; Amos 5, 8; J. Grimm Myth. p. 692). Die germaniſchen Stämme kannten ihn ebenſo gut wie die Lithauer und Slaven(J. Gr. Myth. p. 689 f.). Daß ihn die Agypter nicht unberückſichtigt ließen, iſt ſchon aus der Wichtigkeit, welche der Hundsſtern bei ihnen hatte, zu entnehmen; Plutarch ſagt zudem(de Iside et Osiride 21), ſie hätten ihn das Geſtirn des Horus genannt; Prokyon galt ihnen als Sitz des Anubis. b

Die Mythologie weiß von Orion wenig zu erzählen.Nach der Mythe der Perſer ſagt Movers Religion der Phönizier p. 472 war Nimrod der an den Himmel verſetzte Orion; das heilige Feuer aber, welches die Perſer verehrten, war auf das Gebet des Zoroaſter vom Orion herabgefallen und hatte jenen verbrannt, deſſen Aſche nun die Aſſyrer aufbewahrten und göttlich verehrten. Damit ſtimmt auch die jüngere morgenländiſche Mythe vollkommen überein, indem die Araber und Neuperſer den Nimrod den Helden, Rieſen, nennen, wie er ſchon Gen. 10, 8 ebenſo heißt, und auch die Rabbinen ihn mit Ur⸗ caſchdim, nach der Sage dem älteſten Sitze des Feuerdienſtes, in Zuſammenhang bringen; denn dort ſoll Nimrod König geweſen ſein. Ur⸗caſchdim ſcheint den heißen Süden zu bezeichnen, denn das ſemitiſche or heißt nach Movers Feuer(hebr. Licht) und kusch Süden(Duncker Geſchichte des Alterthums 1. Bd 2. Aufl. p. 110). Orion ſteht im Süden, und ſeine Verbindung mit dem Feuer erklärt ſich aus der Hundstagshitze.

Die Griechen und Römer erzählen zwar allerlei von dem Jäger oder dem Rieſen Orion, es ſind aber keine üppig wuchernden Mythen, ſondern dürftige Angaben, die den Bezug auf das Geſtirn größtenteils zu deutlich verraten, als daß ſie auf hohes Alter Anſpruch machen könnten. Er heißt ein Sohn des Poſei⸗ don und der Euryale(die Stellen ſ. bei Jacobi mythol. Wörterbuch), d. i. der weiten Meerflut, weil die Sterne nach der Anſchauung der Alten aus dem Meer hervorgehen, ein Sohn des Hyrieus, weil die böotiſche Stadt Hyria ſeinen Cultus pflegte(ſ. Preller Myth. I, p. 206), ein Erdgeborner, um ſein ur⸗ anfängliches Daſein zu bezeichnen. Die Erzählung, drei Götter hätten ſeinem Vater eine mit ihrem Harn

2) Nach dem Sirius benannten die AÄgypter ihre große Zeitperiode von 1461 Jahren. Dieſelbe gründet ſich auf die Wahrnehmung, daß das Sonnenjahr von 365 Tagen gegen das aſtronomiſche zu kurz iſt, daß der Unterſchied nach 1461 Jahren grade ein volles Jahr beträgt und ohne die Schalttage der Aufgang des Sirius erſt nach dieſer Zeit wieder mit dem Jahresanfang zuſammenfallen würde. Dividirt man 1461 durch 4, ſo ergibt ſich 365 ¼. Auch die Griechen ſcheinen ihre Zeitrechnung nach dem Sirius geregelt zu haben. Orion der Zeitengott verlangt eine beſondere (freilich ſehr ſchwierige) Unterſuchung. Einzelnes wird unten vorkommen.