Aufsatz 
a) Schule und Schulhygiene. b) Neuere Ermüdungsmessungen mit dem Aesthesiometer
Entstehung
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die Hörschärfe mit einer Taschenuhr geprüft, nachdem die Ohren auf ihren Zustand untersucht worden waren. Die Messungen erfolgten morgens vor den Examens- arbeiten, dann nach der ersten schwierigen Arbeit und wieder am Schlusse der Prüfungen des betreffenden Tages. Das Hautgefühl hatte besonders nach dem ersten schweren Fach beinahe ausnahmslos abgenommen; die Abnahme war bei begabten und fleissigen Schülern grösser als bei unbegabten und unfleissigen. Die örschärfe zeigte mit nur einer einzigen Ausnahme sich ebenfalls verringert; die grösste Ab- nahme fand Baur nach einem Aufsatze, für den 5 Stunden gewährt worden waren. Die Ausnahme, nämlich vergrösserte Hörschärfe, ergab sich bei einem tuberkulösen, nervös leicht erregbaren Schüler. Baur deutet dies als Reizerscheinung; zuerst tritt bei solchen Naturen grosse Aufregung ein, mit gesteigerter Sinnesschärfe, schliesslich aber folgt um so grössere Erschlaffung. Im allgemeinen dagegen scheint die Hör- schärfe ebenso wie die Tastschärfe mit der Ermüdung abzunehmen.

Ferner wurden Kandidaten des IJ. Staatsexamens untersucht; die flautprüfung ergab ähnliches wie vorher, nur blieb beim späteren Verlauf des Examens die Er- holung ganz aus. Bei unkleissigen Kandidaten fand sich wenig oder gar keine Abnahme des autgefühls Die Hörschärfe zeigte sich besonders bei den Begabten und Fleissigen, am wenigsten bei den Faulen, verringert.

Sodann untersuchte Baur Schüler des II. Seminarkurses; gemessen wurde am Anfang und Ende des Semesters; es ergab sich, dass am Ende des Semesters Tast- und Hörschärfe im allgemeinen verringert waren. Bei einem nervösen Schüler dagegen zeigte sich merkwürdigerweise das Tastgefühl gesteigert, die Hlörschärfe verringert; Baur erklärt die gesteigerte Tastschärfe wohl zutreffend aus Nervenüberreizung, die bei dem empfindlichen Gehör schon in das Stadium der Erschlaffung übergegangen war, bei dem Tastsinn dagegen noch nicht. Für nervöse reizbare Individuen wäre also die Hlörprobe vorzuziehen, weil das Tastgefühl sich hier erhöht oder verringert zeigen kann, je nachdem die anregende oder die lähmende Wirkung der Arbeitsleistung vorwiegt. Dumme und faule Schüler zeigten am Ende des Semesters keine sicheren Zeichen von Ermüdung

Baur untersuchte ferner während einer Schulprüfung seine eigenen Kinder auf Tastsinn, Hörschärfe, Gesichtsfeldweite und Pupillenreaktion. Er fand als Folge von Ermüdung die Tast- und Hörschärfe verringert, das Gesichtsfeld verengt, die Pupillenreaktion flatternd. Baur kommt zu dem Schluss, dass die Ermüdung an Auge und Ohr durch Abnahme ihrer Leistungsfähigkeit ebenso messbar sei, wie an der Haut. Wie bei dem Tastsinn, wirken auch hier Nervosität, Fleiss, Begabung usw. modiſicierend ein.

Es lässt sich nicht verkennen, dass die Uebereinstimmung, die sich im allgemeinen in der Aenderung der Hörschärfe einerseits, der Tastschärfe andrerseits gezeigt hat, als eine wichtige Bestätigung der ästhesiometrischen Methode gedeutet werden wird, und dass es nun Aufgabe weiterer Untersuchungen sein muss, eine allgemeine senso- metrische Methodik für Ermüdungsmessungen zu schaffen.

Wie sich aus den mitgeteilten Untersuchungen schon ergeben hat, muss bei ästhesiometrischen Messungen mit Rücksicht auf verschiedene Fehlerquellen grosse Vorsicht geübt werden. Einige dieser Fehler sollen hier besonders hervorgehoben werden.

1) Selbstverständlich darf der zu Untersuchende die Spitzen nicht sehen, da suggestive Einflüsse sonst zu Täuschungen führen können. Selbstmessungen sind also äusserst schwierig auszuführen und wohl kaum ganz einwanqdsfrei.