eine einfache Empfindung vorhanden wäre. Die Gegend der Stirn und Schläfe zeigte sich bei den Versuchen überraschend brauchbar in Bezug auf Schärfe und Schnellig- keit der Ergebnisse. Als besonders ermüdend ergaben sich schriftliche Arbeiten und Nachmittagsunterricht. Zeichnen, künstlerisches und geometrisches, ergab auch eine leichte Ermüdung, während Griesbach solche hier nicht gefunden hatte. Die zwei freien Mittagsstunden waren für Erholung ungenügend; nach ganz freien Nachmittagen war allmählich Erholung eingetreten. Alte Sprachen und Mathematik wirkten sehr er- müdend; als Reihenfolge ergab sich: Mathematik, Latein, Griechisch; neuere Sprachen wirkten viel weniger. Die Realschüler zeigten im allgemeinen etwas ausgesprochenere Ermüdung als die Gymnasiasten, was Vannod auf die zahlreicheren Mathematikstunden bezieht. Während die Tastempfindlichkeit durch Ermüdung abnahm, fand Vannod die Schmerzempfindlichkeit erhöht.
Blazek(Ermüdungsmessungen mit dem Federästhesiometer, Zeitschrift für pädagogische Psychologie, Berlin, Walther, 1800, Nr. 6) untersuchte Schüler des Franz- Josef-Gymnasiums zu Lemberg. Der von ihm konstruierte Apparat gestattet 5 bis 6 Messungen in 5 Minuten. Bei nervösen Individuen wurde eine grosse Irregularität der Empfindung festgestellt, es mussten die Spitzen sehr weit entfernt werden, bis die Doppelempfindung constant war; z. B. wurden empfunden bei 4 mm 2 Spitzen, bei 5 mm 1 und erst bei 9— 11 mm constant 2 Spitzen. An einer und derselben Person können die Versuche nicht lange fortgesetzt werden, da der Tastsinn zu leicht geübt und verfeinert wird; die Uebung wirkt dabei auf die symmetrische autstelle fast geradeso wie auf die direkt getroffene, was auf den zentralen Sitz der Uebung zu beziehen ist. Es ergab sich ferner, dass die Raumschwelle mit wachsendem Drucke wächst; sodann, dass es nicht gleichgültig ist, ob man die bewegliche Spitze longitu- dinal oder transversal zur Hauptachse des betreffenden Teiles entfernt. Man muss sich vor dem Versuch einen Punkt für die feste Spitze bezeichnen und eine Gerade für die Richtung, in der man die bewegliche Spitze entfernen will. Die Schwelle kann auf 3 Arten bestimmt werden: 1) Man beginnt mit einer Distanz von deutlich ein- facher Empfindung und entfernt die Spitzen continuirlich, bis ein doppelter Eindruck entsteht, 2) oder man verfährt umgekehrt, oder 3) man wechselt die Abstände.
Die von ihm erhaltenen Ermüdungskurven führt Blazek auf 3 Grundtypen zurück. Der erste Typus umfasst die Schüler von mässiger Begabung, grossem Fleiss und grosser Aufmerksamkeit. Die Ermüdung steigt langsam an bis zur dritten Stunde, erreicht hier das Maximum und nimmt dann nicht mehr zu oder sogar ab. Bei dem zweiten Typus wird die Ermüdung durch Erholung unterbrochen; die Ermüdungskurve steigt rasch an, sinkt sodann wieder und zeigt hierauf noch 2 oder 3 kleinere Erhebungen. Nach diesem Typus, Abwechselung von Anspannung und Ausruhen, sollen die meisten Schüler arbeiten. Bei dem dritten Typus stellt die Ermüdungskurve nahezu eine horizontale Linie dar. Dieser Typus umfasst die begabtesten Schüler, die keine grosse An- strengung nötig haben, um die Anforderungen zu erfüllen. Blazek fasst seine Er- gebnisse dahin zusammen, dass die Ermüdungskurve wesentlich von der Individualität des Schülers abhängt und nur noch quantitativ, aber nicht der Form nach, von Lehrer und Stoff bedingt werde. Die Zahl der aufmerksamen Schüler sei am grössten in der I., 3., 5. Stunde, am kleinsten in der 2. und 4., die zur Erholung benutzt werden; bei den meisten Schülern(63%) wechsele Anspannung mit Erholung. Bezüglich der Stoffe fand Blazek: Am meisten ermüdet Naturwissenschaft, dann folgen Griechisch, Latein, Mathematik, Geschichte, Deutsch, Religion.


