Neuere Ermüdungsmessungen mit dem Aesthesiometer.
Ermüdung, eine physiologische Verringerung der Leistungsfähigkeit, ist nach den Untersuchungen Mosso'’s ein Zustand, der das ganze Nervensystem, nicht nur den gerade tätig gewesenen Teil, betrifft. Wie Prof. Griesbach 1805 fand, nimmt 2. B. bei geistiger Ermüdung auch die hautempfindlichkeit ab, es sind also dann nicht nur die psychischen, sondern auch sensorische Centren des Hirns weniger leistungsfähig. Man kann hiernach vermuten, dass auch Gehörs- und Gesichtssinn durch Ermüdung eine Abnahme erleiden. Für die Hörschärfe und das Gesichtsfeld wurde dies neuer- dings von Dr. med. A. Baur festgestellt. Entsprechende Untersuchungen über die Seh- schärfe sind noch nicht vorgenommen worden, wären aber von grossem Ünteresse.
An der Realschule zu Quedlinburg wurde beobachtet, dass im Oktober die Sehschärfe grösser war, als am Ende des Winters, in einigen Fällen mehr als doppelt so gross. Die Refraktion zeigte dabei, wenn verändert, öfter Ab- als Zunahme.(Zeit- schrift für Schulgesundheitspflege 1902, Nr. 6, S. 330).
Aesthesiometrische Ermüdungsmessungen nach der Griesbach'schen Methode wurden neuerdings veröffentlicht von Vannod(1806), Blazek(1800), Heller(1890) und Bauer(1902); letzterer kontrollierte und erweiterte sie durch Prüfung der Hörschärfe.
Griesbach(Energetik und Hygiene des Nervensystems, München und Leipzig 1805) hatte u. a. gefunden, dass die alten Sprachen, Geschichte und Mathe- matik im allgemeinen die grösste Ermüdung erzeugten, dass ferner nach zweistündiger Mittagspause vielfach noch keine Ausgleichung der Ermüdung eingetreten war; viele Schüler schienen zu wenig Schlafzeit zu haben und kamen schon ermüdet zur Schule; nach Turnstunden zeigte sich öfters bedeutende Ermüdung, aber nicht Erholung.
Vannod(La fatigue intellectuelle et son influence sur la sensibilité cutanée. Revue médicale de la Suisse romande. Genève, Georg& Co. No. 12, 1896; No 1, 1807) Arzt in Bern, untersuchte Schüler des Gymnasiums und der Realschule daselbst und fand dabei eine auffallende Uebereinstimmung mit den Beobachtungen von Prof. Griesbach über Ermüdung und Tastsinn. In jeder Klasse wurden drei Schüler ge- messen, ein begabter und fleissiger, ferner ein mittelmässiger und schliesslich ein besonders wenig leistungsfähiger Schüler, und zwar um 8, 10, 12, 2, 4 bezw. 5 Uhr; die Messungen erfolgten bei geschlossenen Augen, da der Anblick des Instruments durch Suggestion das Gefühl von 2 Spitzen erzeugen kann, auch wo anderenfalls nur


