Aufsatz 
a) Schule und Schulhygiene. b) Neuere Ermüdungsmessungen mit dem Aesthesiometer
Entstehung
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führen; sie nimmt in den Schulen mit der Arbeitsleistung zu, ist selten in den Volks- schulen, häufiger in den höheren Schulen und am häufigsten auf den iochschulen. Innerhalb einer Schule wächst Häufigkeit und Grad der Kurzsichtigkeit mit der Dauer des Schulbesuchs. Die Entstehung von Kurzsichtigkeit wird hauptsächlich durch das Sehen in der Nähe bedingt, besonders bei vorgebeugter Kopfhaltung und Kleinheit des Drucks oder der Schrift. Kurzsichtige Schüler müssen nicht mehr wie nötig lesen, eine grosse landschrift schreiben, auf den vorderen Bänken und nach dem Fenster zu sitzen und sich eine geeignete Brille nach ärztlicher Vorschrift anschaffen. Beim Optiker ausgewählte Brillen sind meistens zu stark und können die Kurz- sichtigkeit noch steigern. In der Schule sollen Naharbeiten(Lesen, Schreiben, Zeichnen) nicht länger als 1 Stunde ohne Unterbrechung getrieben werden; bei künstlichem Licht soll Lesen und Schreiben möxglichst, Zeichnen aber ganz unterbleiben. Kleine Schriftzeichen sollen wenigstens 3 mm gross sein. Schädlich sind auch zu enge Linien. Lateinische Buchstaben schonen die Augen mehr als die deutschen. Der Schul- bücherdruck soll»Cicero« oder wenigstens»Garmond« sein.

Druckproben: Dieser Satz ist in»Cicero« gedruckt. Die vorliegende Abhandlung ist in»Garmond« gedruckt.

Der Druck von Büchern kann einfach geprüft werden, indem man eine Visitenkarte, aus der ein Loch von 1 qem ausgeschnitten ist, auf den Druck legt. Nur wenn nichts weiter als 2 Zeilen im Loche sichtbar sind, ist der Druck hygienisch zu- lässig. Diese Vorrichtung mit zugefügten Druckproben ist unter dem Namen Cohn'scher Zeilenzähler von der Buchhandlung Gsellius in Berlin, Mohrenstrasse, zu beziehen (oder von Mechanikus Tiessen, Breslau, Schmiedebrücke 32.) Für Schulbibliotheken sollten Bücher mit kleinerem Druck als»Borgis« nicht zugelassen werden. Schul- wandkarten sollen nicht mit Namen überladen sein. Beim Lesen und Schreiben muss vorgebeugte bialtung vermieden und das Auge mindestens 35 cm vom Buche entfernt gehalten werden. Sehen in die Ferne(Spazierengehen, Bewegungsspiele) wirkt für das Auge erholend. Arbeiten in der Dämmerung ist ganz besonders nachteilig. Das Licht soll wegen der Schattenbildung von links einfallen. Empfehlenswert sind Auer- und elektrisches Licht, besonders als indirekte Beleuchtung, unbrauchbar ist flackern- des Gaslicht, am besten immer das diffuse Tageslicht.

b. Ohrenleiden veranlassen häufig Unaufmerksamkeit und mangelhafte Leistungen. Da solche Leiden oft übersehen werden, ist in entsprechenden Fällen ärztliche Untersuchung angebracht. Im Schulzimmer müssen schwerhörige Kinder natürlich vorn sitzen. Eine vorläufige Prüfung kann mittelst Flüstersprache erfolgen, wobei der Schüler dem Lehrer den Rücken zukehrt und das Gehörte nachspricht oder an die Tafel schreibt. Das Hörvermögen wird als normal angenommen, wenn die Flüstersprache mindestens in 4 m Entfernung verstanden wird. Zerreissung des Trommelfelles kann durch eine Ohrfeige herbeigeführt werden, wenn dabei der Gehör- gang momentan verschlossen und die Luft in ihm zusammengepresst wird.

c. Nasenkrankheiten. Unaufmerksamkeit, verbunden mit häufigem Kopf- schmerz und Nasenbluten, kann durch einen chronischen Schnupfen verursacht sein. Wucherungen im Nasenrachenraum veranlassen öfters eine Erschwerung der Atmung, offenen Mund, schlechten Schlaf, Herabsetzung des Stoffwechsels und geistige Schwäche.