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unter freiem Himmel, eine große Zahl kommt von drüben aus der Transtiberina, wo viel Geſindel wohnt. Es ſind ekelhafte Geſtalten, die das Mitleid der Vorübergehenden anflehn, und wenn du ihnen was gibſt, ſo werfen ſie dir ein Kußhändchen nach. Hier drängt ſich wimmernd ein Judenknabe an dich heran, den die Mutter betteln gelehrt, dort kommt ein Schiffbruchbettler. Er trägt vor der Bruſt ein Gemälde, das die Geſchichte ſeines Schiffbruchs darſtellt, und erzählt bänkelſängeriſch ſein Unglück; das Haar hängt ungeſchoren von ſeinem Scheitel, er hat in der Gefahr den Göttern ein Gelübde gethan, und das Haar ſoll nicht eher fallen, als bis er das Gelübde gelöſet. Er wird noch lange betteln, ehe das Haar fällt.
Das Emporium iſt der Stapelplatz für alle den Tiber herauffommenden Waaren. Die Seeſchiffe haben die Waaren in dem Hafen von Oſtia ausgeladen, und von da werden ſie theils zu Land, theils auf dem Fluſſe in Schiffen, welche von Ochſen gezogen werden, der Stadt zugeführt. Das Emporium iſt mit Steinplatten gepflaſtert, und zum Fluß hinab ſind Treppen gelegt; Säulenhallen und große Magazine zum Ausſtellen und Aufbewahren der Kaufmannsgüter ſtehen umher. Hauptartikel, die hier in den Magazinen und Lagerplätzen aufgeſtapelt liegen, ſind ungeheure Maſſen von Getreide aus Afrika, Sicilien und Aegypten, Salz aus den Salinen von Oſtia und vielen andern Orten, Bauholz vom Ida und vom Pontus Euxinus, koſtbare fremde Hölzer für Möbel und Zimmerdecken, Marmorblöcke ver⸗ ſchiedenſter Farbe und Zeichnung aus Griechenland und Kleinaſien, aus Sidon und Tyrus, Aegypten und Numidien; an den Blöcken ſind die Nummern aufgeſchrieben und die Namen der Abſender. Hier werden ausgeladen dicke Ballen von Zeugen aus dem Orient, Ballen von roher Wolle aus Spanien, die neben der apuliſchen, der tarentiniſchen und mileſiſchen wegen ihrer ins Röthliche ſchimmernden Farbe ſehr geſchätzt wird, Maſſen von Thonwaaren aus Sagunt, Glaswaaren aus Aegypten, Feigen aus Syrien, eine kleine beliebte Art, heilſame Kräuter aus Sicilien und Afrika, Eſſig aus Aegypten, wo derſelbe in Maſſe aus dem dort wachſenden ſchlechten Weine bereitet wird. Ein ſehr wichtiger Handelsartikel iſt der Wein, der aus allen Ländern nach Rom gebracht wird, aus den verſchiedenen Theilen Italiens, Griechenlands und Kleinaſiens, aus Spanien und Gallien, Phönicien, Syrien und Arabien. Die beſten Sorten in Italien waren der von Alba in Latium, welcher dem Falerner gleich⸗ geſchätzt wurde, die Weine Campaniens, ganz beſonders der Falerner, der von Tarent, von Hadria; unter den ſehr guten Weinen der griechiſchen Inſeln haben den erſten Rang der von Chios und Lesbos. Ein Theil des römiſchen Hafens hieß der Weinhafen(portus vinarius), und es gab in der Nähe einen Weinmarkt(forum vinarium). Hier muß man ſich die großen Keller der Weinhändler denken. Die Weine lagerten nicht in hölzernen Fäſſern oder in ledernen Schläuchen, ſondern in großen Fäſſern von Thon(dolia), und aus dieſen wurden ſie, wenn ſie lange liegen ſollten, in Amphoren abgefüllt, die man mit Thonpfropfen verſchloß und mit Pech, Lehm oder Gyps verklebte; die Etikette(nota) war auf einem Zettel angebracht oder auf die Amphore ſelbſt geſchrieben und gab die Sorte, den Jahrgang, das Maß der Amphore und wohl auch die Firma des Lieferanten an.
Von dem römiſchen Emporium aus wurden viele Waaren wieder weiter in's innere Land gebracht, theils zu Wagen, theils auf dem Tiber, deſſen weiter oben einmündende Neben⸗ flüſſe Anio und Nar ebenfalls ſchiffbar waren. Mit dem ſehr einträglichen Großhandel beſchäftigten ſich auch viele römiſche Bürger, entweder unmittelbar oder inſofern, daß ſie ihre Gelder in demſelben anlegten, während der Kleinhandel oder die Krämerei als ein niedriges Geſchäft bekanntlich von ihnen gemieden wurde.


