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Die Macella(Fleiſch⸗ und Speiſemärkte) waren große, mit Säulenhallen und Buden⸗ reihen umgebene freie Plätze, in deren Mitte ſich ein Schlachthaus befand in Form eines Kuppelgebäudes. In den Buden und Hallen wurden alle möglichen friſchen Fleiſchſorten ver⸗ kauft; beſonders geſucht iſt das Fleiſch der zahmen und wilden Schweine, welche aus den verſchiedenſten Gegenden Italiens nach Rom gebracht wurden und bei großen Gaſtmählern ganz auf den Tiſch kamen, ferner kleine Böckchen, Haſen und ſonſtiges Wild, Geflügel aller Art, z. B. die Gans, deren Leber ſehr beliebt war, gemäſtet mit Feigen und Datteln, Reb⸗ und Haſelhühner, Kapaunen, Enten und Tauben u. ſ. w. Die Fiſche ſind in großer Menge vertreten; die geſalzenen und geräucherten kommen aus dem Pontus Euxinus, aus Aegypten, von der ſpaniſchen Küſte; unter den friſchen Seefiſchen ſind die leckerſten der Aſellus(Schell⸗ fiſch?), die Muräne(eine Art von Meeraal)— die vorzüglichſten ſind aus der ſiciliſchen Meerenge und aus Tarteſſus— der Rhombus(Butte), ein ſehr beliebter Fiſch, beſonders wenn er recht groß iſt, der Mullus(Seebarbe), deſſen Preis mit der Größe in's Unglaub⸗ liche wächſt. Ein Mullus von 6 Pfund wurde mit 8000 Seſterzen bezahlt, während die kleineren wenig galten. Die Flußfiſche, welche von der ſtädtiſchen Fiſcherzunft gefangen wurden, kamen nicht in den Macellen, ſondern auf dem Fiſchmarkte in der Nähe der Lautumiä zum Verkauf. Auch Gemüſe verſchiedener Art waren in den Macellen zu haben, und wer einen Koch miethen wollte, ging dorthin.
Der Campus Martius war ein Ort, wo ſich in den ſpäteren Nachmittagsſtunden, in der Zeit der Erholung eine Menge Menſchen einfand, es war der alltägliche Sammelplatz derer, die ſich müßig ergehen wollten oder ſich mit Ballſpiel, Radſchieben und gymnaſtiſchen Uebungen unterhielten oder dem Spiele zuſchauten. Vielbeſuchte Spaziergänge für Damen und Herrn waren die dortigen Säulenhallen und die Septa, in denen ſich zugleich eine Menge prächtiger Läden befand. Die Muſterung der koſtbaren Waaren kümmert uns wenig mehr; wir wollen lieber uns die Leute betrachten, welche ſich luſtwandelnd oder die Waaren beſehend und kaufend umhertreiben. Da ſehen wir den Mamurra, den wir durch Martial kennen gelernt haben; er ſchweift den langen Tag in den Septis herum und gibt ſich den Schein, als wollte er die ſchönſten und werthvollſten Sachen kaufen, und doch iſt er ein armer Schlucker. Er beſichtigt die jungen ſchönen Luxusſclaven, welche in geheimem Behältniß wohl verwahrt und nicht, wie auf dem Selavenmarkt die ordinären Sclaven, den Augen des Volkes bloßgeſtellt ſind, und verſchlingt ſie faſt mit ſeinen Blicken; iſt er das ſatt, ſo nimmt er von den fein gemaßerten runden Tiſchplatten aus Citrumholz vom Atlas die Decken weg und läßt ſich das Elfenbein, das für den koſtbaren Tiſch zum Fuße beſtimmt iſt, hoch oben von einem Repoſitorium herabholen. Er wird den Tiſch ſicherlich nicht kaufen, denn er hat einen ungeheuren Preis. Ein Tiſch der Art, welchen Aſinius Pollio beſaß, koſtete eine Mill. Seſterzen oder ungefähr 72,000 Thlr., ein Tiſch der Cetheger 1,400,000 Seſt. oder 101,000 Thlr. Darauf mißt der vornehme Herr ein mit Schildplatt ausgelegtes ſechsſitziges Sopha wohl viermal aus und bedauert zuletzt, daß es für ſeinen Citrumtiſch, den er ſchon zu Hauſe habe, nicht ausreicht. Dann unterſucht er auf's genaueſte das korinthiſche Erz einer Statue, ob es auch ächt iſt, und bekrittelt ein Meiſterwerk des Polyklet. Hier beklagt er, daß das Kryſtall eines Gefäßes einen Fehler habe, daß in der Mitte desſelben ſich ein trüber Fleck zeige, und darum zeichnet er ſich zehn murriniſche Gefäße aus und legt ſie zurück. Ein ſolches Gefäß aus ächter Murra, aus Flußſpath wahrſcheinlich, hatte einen Preis von etwa 70,000 Seſt. oder 5075 Thlr. bis zu 1 Mill. Seſt. oder 72,000 Thlr. Dann betrachtet er die alten


