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Im Vicus Tuscus hatten auch die Tuch⸗ und Kleiderhändler hauptſächlich ihren Stand. Dort kaufte die vornehme Welt die feinſten Kleiderſtoffe: wollene Purpurtücher verſchiedener Farbe— die beſten beſtehen aus mileſiſcher Purpurwolle, und ein Kleid dieſes Stoffes koſtet bis 10,000 Seſterzen, 725 Thlr.; bunte Baumwollenzeuge für Frauen, zum Theil direct aus Indien bezogen, zum Theil aus Syrien und Phönicien und andern Orten, wo man die rohe, aus Indien zugeführte Baumwolle verarbeitete. Berühmt waren die Fabriken feiner Baum⸗ wollenzeuge auf Malta und die bunten, geſtreiften, carrirten, beblümten Muſſeline Aegyptens, wo die Weberei ſchwunghaft betrieben wurde, auch in Tempeln. Die koſtbaren Seidenſtoffe kamen in der Regel nicht unmittelbar aus Indien und China nach Rom. In Aſſyrien und andern Ländern Vorderaſiens, in Griechenland trennte man die indiſchen Seidengewebe wieder auf, färbte und verwebte den Stoff zuſammen mit Leinen und Baumwolle zu leichter Halbſeide. Solche bunte durchſichtige Gewänder liebten zu Rom im erſten Jahrhundert n. Chr. Männer ſowohl wie Frauen; die ausgezeichnetſten waren die aus Cos. Auch ſieht man ſeidene Stoffe mit Gold durchwirkt. Die Leinenwaaren werden beſonders aus Aegypten bezogen, wo der Flachs am früheſten und immer am beſten cultivirt ward, aber auch aus Babylon, Judäa und Syrien, aus Spanien und Gallien. Italien lieferte nur grobes Leinenzeug, das zu Segeltuch u. dgl. gebraucht ward. Aus dem feinen Linnen machte man Kleider, beſonders Tuniken, aber auch Taſchentücher, Servietten und Tiſchtücher, Bettwäſche. Die feinſten leinenen Betttücher kamen aus dem ſüdlichen Gallien, ans Cadurcum. Alle dieſe feinen und koſtbaren Waaren ſind in dem Tuſkerviertel zu haben; aber man ſieht auch Läden mit grober, wohl⸗ feiler Waare für die nicberen Stände, ſo namentlich galliſche Wollengewebe, die bei den Atrebaten, Santonen, den Lingonen und Sequanern und anderwärts gewebt ſind und zu Kitteln und Capotröcken der Landleute, der Fiſcher und andern geringen Volkes verarbeitet werden. Zum Theil kommen dieſe Kleider ſchon fertig aus Gallien an und hängen ſo hier in den Läden aus.
Im Velabrum herrſcht beſonders der Victualienhandel vor. Man ſieht viele Oelver⸗ käufer und Käſehändler. Bei den Letzteren findet Jedermann ſeinen Lieblingskäſe. Da iſt in ſehr großen Stücken der Käſe von Luna, den man aber beſonders den Sclaven zu eſſen gibt, Ziegenkäſe aus Agrigent, der gelobt wird, ſein Geſchmack iſt durch Räucherung erhöht; noch mehr aber behagt den Meiſten der geräucherte Käſe, welcher in Rom ſelbſt gemacht wird, der velabriſche Rauchkäſe; nicht zu verachten iſt ferner der veſtiniſche und trebulaniſche Kuhkäſe, beide aus dem Sabinerlande, wo ſtarke Viehzucht iſt. Der beſte Käſe jedoch kommt aus Bithynien nnd Gallien und von den grajiſchen Alpen.— Dann iſt hier allerlei Backwerk zu haben. Gewöhnliches Brot, runde oder auch viereckige, nur etwa zwei Zoll dicke Stücke mit 6—8 Einſchnitten, daß man das Brot leicht brechen kann, aus Gerſte und Kleie für Selaven und arme Leute, aus Weizen für Wohlhabendere, iſt hier wie auch in den Bäckerläden der übrigen Stadt ausgeſtellt; daneben aber, in vielen andern Läden, iſt feineres Gebäck zu kaufen, kleine runde Brötchen und Kuchen aller Art, namentlich Honigkuchen in den verſchieden⸗ artigſten Formen und Figuren, gleich unſerm Confect. Der Feinſchmecker findet hier allerlei Delicateſſen in Fleiſch, phrygiſche Hühner und ſpaniſche Pfauen, den Kranich aus Melos, Faſanen und Krammetsvögel, Auſtern von Circeji und vom Lucrinerſee, ſogar aus Cyzieus und Britannien, Purpurſchnecken von Bajä u. ſ. w. Auch geſalzene und geräucherte Fiſche, geräucherte Schinken u. dgl. waren in den Tabernen des Velabrums feil; die meiſten Victu⸗ alien des täglichen Verbrauchs aber, namentlich das friſche Fleiſch, holte man in einem Ma⸗ cellum, deren es mehrere in der Stadt gab, z. B. auf dem Esquilinus, auf dem Cälius.


