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das erſte vollſtändig ausgegrabene der Vorſtadt, iſt eine mit einer Reihe von Kramläden ver⸗ bundene Schenke, welche den gewoͤhnlichen Bedürfniſſen der Reiſenden entſprach, und die wir vielleicht am treffendſten mit dem modernen Ausdruck als eine Fuhrmannseinkehr bezeichnen könnten. Zunächſt an der Straße liegt ein 1813 ausgegrabener Bogengang, der den Gäſten und Käufern Schutz gegen Sonne und Regen bot, hinter dieſem die Kramläden, deren geringe Bauart und rohe Malereien den wenig vornehmen Zweck der Anlage darthun. Innerhalb des Gebäudes, welches Ställe nebſt einer ſteinernen Tränke einſchließt, fand man außer dem Gerippe eines Mauleſels und den Fragmenten eines Karrens eine Fülle von Hausrath aller Art: bronzene Eimer, Mörſer aus Kalktuff, Flaſchen, Gläſer, Schüſſeln von Thon, Spindeln, Würfel, Wagen, Töpfe, Kaſſerolen. Zwei kleine Herde an der Straße, auf denen, wie noch heute in Neapel, für das gemeine Volk gekocht wurde, vollenden das Bild dieſer antiken Kneipe, welche im oberen Geſchoß Schlafzimmer enthielt.“ In der Nähe dieſes Gebäudes liegt ein ähnliches von gleicher Beſtimmung. Vor dem Bogengang desſelben ſtehen ſteinerne Bänke, und viereckige Löcher im Trottoir weiſen darauf hin, daß man dieſe Sitze durch ein Holzdach oder einen Laubgang zu beſchatten ſuchte.
Anſtändige Leute, welche die Schenkſtube nicht beſuchten, kamen in den Morgenſtunden zur Unterhaltung in die Buden der Barbiere(tonstrinae), in denen die müßigen Leute ſich zahlreich verſammelten und die Stadtneuigkeiten verhandelt wurden. Sie lagen in großer Zahl am Forum und in der Subura. Wer zu Hauſe keinen eigenen Sclaven hatte, der ihm die Cultur des Haares und des Bartes beſorgte, ging des Morgens in die Barbierſtube, ließ ſich den Bart über den Kamm mit der Scheere abſchneiden oder mit dem Meſſer raſiren und die Haupthaare friſiren oder auch durch Brennen kräuſeln. Auch das Nägelſchneiden wurde in den Tonſtrinen beſorgt. Andre Locale, in denen ſich zur Morgenzeit viele Leute einfanden, waren die Buden der Aerzte(medicinae, tabernae medicorum). Die erſte Taberne der Art, eine chirurgiſche Klinik, hatte im J. 219 v. Chr. der Peloponneſier Archagathos, der das Bürgerrecht erhielt, in Rom gegründet, und ſeitdem hatten ſich viele fremde Aerzte, aus Griechenland, aus Aſien und Aegypten, in der Hauptſtadt angeſiedelt, zumal da das Geſchäft in der Regel ſehr einträglich war. Geborne Römer widmeten ſich ſelten der Medicin.
Kranke, denen ihr Leiden das Ausgehen geſtattete, kamen in die Buden der Aerzte, holten ſich Rath und Medicamente, ließen ſich operiren. Beſonders häufig fanden ſich die Augenkranken (lippi) ein, um ſich die Augenlider mit einem Balſam einſalben zu laſſen. Feingebildete Leute beſuchten in der Kaiſerzeit gerne die Buchläden(tabernae librariae). Allerdings hatte mancher Buchhändler(bibliopola, librarius) ſeine Waare nur in einem Schrank, welcher an dem Pfeiler einer Säulenhalle oder an einer andern paſſenden Stelle befeſtigt war; die meiſten jedoch hatten Buden. An den Pfeilern derſelben waren Vüchertitel, Anzeigen neuer Schriften, welche die Buchhändler in Verlag genommen, auch ganze Gedichte, die die Verfaſſer ins Pu⸗ blikum bringen wollten, angeklebt. Litteraten und Schöngeiſter kamen daher häufig hier zu⸗ ſammen, um die Novitäten kennen zu lernen und ſich zu unterhalten.
Ein intereſſanter Schmuck der Straßen waren die vielen Läden der Kaufleute und Handwerker mit ihren mannigfaltigen Waaren. Die Handwerker hatten gewöhnlich in dem⸗ ſelben Local, wo ſie die gefertigten Waaren zum Verkauf ausſtellten, auch ihre Werkſtätten, entweder in dem Laden ſelbſt oder in Räumen hinter demſelben oder in Stuben des Ober⸗ ſtockes, zu welchen aus dem Laden eine Treppe hinauf führte. Die Läden der Handwerker ſowohl wie die der Kaufleute hatten nach der Straßenfront hin breite und glänzende Schau⸗


