fache, beſcheidene Leute tragen dieſen Ueberwurf über die Tunica aus grobem Tuch, ohne Kunſt möglichſt anſchließend an den Leib gezogen; aber man ſieht auch da vornehme Herrn in Togen vom feinſten Wollenzeug, die ſorgſam in Falten gelegt ſind und bis zu den Füßen reichen. Sie blähen bei Manchen ſich weit auf wie Segel. Wie ſorgfältig der Mann da jede Berührung mit Vorübergehenden meidet, damit ihm das glatthaarige, blendend weiße und in zierliche Falten gelegte Kleid nicht verderbt oder in Unordnung gebracht wird. Wenn der Redner Hortenſius noch lebte, würde ich glauben, er wäre es; denn er ſoll im Tragen der Toga ſo pedantiſch geweſen ſein, daß er einſt einen Collegen vor Gericht verklagte, weil er ihm durch Anſtoßen in einer engen Gaſſe die Falten der Toga verdorben hatte. Der dort geht weniger ſorgfältig einher; er hat den einen Zipfel des weiten Umwurfs nicht in ſchönem Faltenwulſt von der rechten Schulter über die Bruſt unter den linken Arm gezogen, ſondern läßt ihn nachläſſig von der rechten Schulter vorn herabhängen, daß er auf die Füße ſchlottert. Das ſieht ſchlaff und unordentlich aus und bleibt nicht ungetadelt. Auch ſeine Schuhe ſind ihm zu weit und zu locker gebunden und ſchlappen ihm bäuriſch an den Füßen. Uebrigens ſind nicht blos die, welche die weiße Toga tragen, römiſche Bürger; die Toga iſt unpractiſch, und darum haben ſeit Ende der Republik gar viele Römer der Bequenlichkeit halber ſtatt derſelben andre, zum Theil aus der Fremde ſtammende Ueberwürfe und Mäntel angenommen von verſchiedener Form und mannigfachen Farben.
Die Sclaven und die arbeitenden Claſſen tragen nur die Tunica, ein unſerm Hemde ganz ähnliches Kleid. So ſehen wir da gar Viele vorübergehen; die Einen haben gar keine Aermel an der Tunica, bei Andern gehen die Aermel bis zur Hälfte des Arms, aber faſt keinen ſieht man, der die Tunica nicht über die Hüften gegürtet hätte. Sclaven und niederes Volk treiben ſich in Menge umher, in verſchiedenen Geſchäften; die holen Waſſer am nahen Brunnen, Brote aus den Bäckerläden, Wein aus den Schenken, jene tragen Bündel von Brennholz, Küchengewächſe oder ſonſtige Bedürfniſſe für das Haus, die ſie auf den Märkten gekauft. Verkäufer und Hauſirer aller Art ſtreichen umher und rufen laut ſchreiend ihre Waare aus, hier ein Junge mit Salzfiſchen, da ein Verkäufer von kaltem Waſſer— er beſorgt auch gelegentlich eine Beſtellung, ein Liebesbriefchen— ein Koch preiſt ſeine auf einem kleinen Blechofen dampfenden Würſte an, ein Andrer gekochte Kichererbſen, eine Koſt für arme Leute; ein triefäugiger Alter aus der Transtiberina trägt Schwefel zum Verkauf umher, er hält's auch nicht unter ſeiner Würde, hier und da ein wenig zu betteln.
Doch wer kann das Volk, das da vorüberzieht und ſich herumtreibt, all ſortiren und namhaft machen? Von den fremden Völkern ſehen wir die Griechen am zahlreichſten ver⸗ treten. Seit dieſe ihre Freiheit verloren und ihr Land verarmt war, zogen ſie ſich ſchaaren⸗ weis nach Rom, um dort ihren Unterhalt zu finden, ihr Glück zu machen. Gewandt und zu allen Dingen geſchickt, die Träger der beliebten helleniſchen Bildung, aber auch ſchlau und ränkevoll und jeder Schmeichelei und Erniedrigung fähig, vermochten ſie jede Rolle zu ſpielen, überall ſich einzuniſten, zum Verdruß und Aerger der mit ihnen concurrirenden Claſſen der Römer.„Aus allen Städten kommen ſie“, klagt Juvenal,„alle ziehen ſie ein zum esqui⸗ liniſchen und viminaliſchen Hügel und ſetzen ſich feſt in den Häuſern der Großen, um da den Herrn zu ſpielen. Sage, was glaubſt du, daß dieſer Menſch da ſei? Er trägt jede Rolle in ſich, die du nur wünſcheſt, er iſt Grammatiker, Rhetor, Geometer, Maler, Bader, Seher, Seiltänzer, Arzt, Zauberer, Alles kann er.“ Einen Griechen von der wiſſenſchaftlichen Sorte ſehen wir da im Gefolge der reichen Dame, die ſich eben in ihrer Sänfte vorübertragen


