Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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ſaßen in einem traulichen Zirkel. Aber der Zirkel war auch das einzige trauliche, die Geſellſchaft war es nicht, ja ich möchte ſie kaum Geſellſchaft nennen, denn daß einige luſtige Aneedoten erzählt und be⸗ lacht werden, macht noch keine Verſammlung zur Geſellſchaft, und ich konnte mich mehrmals des Ge dankens nicht erwehren, das ſey eine Sammlung von Wachsfiguren, die man neugierigen Fremden vor⸗ zeige und die hier zum erſtenmal einen Berührungspunct fänden, den ihre Originale nie gehabt hätten.

Das Concerts) war mir mehr für das Auge als für das Ohr intereſſant; ein ſonderbarer Anblick! vor dem Orcheſter ſitzen auf 3 Seiten eines Vierecks die Damen, und hinter ihnen ſtehen eng⸗ gepreßt, 3, 4, 5 Mann hoch, die Studenten, deren wohl auf 300 da ſeyn mochten. Die Geſtalt der Schlegel hat viel Selbſtſtändigkeit, ſie ſcheint ſich ſehr zu erhalten und ſoll ſogar jetzt immer hübſcher werden ⁵⁵). Die Mereau hat äußerſt einnehmende, ſanfte Züge, an denen aber das Verblühen ſichtbar iſt, das ſie durch ſtarke Schminke dem Sinn aber nicht dem Urtheil verbirgtsc).

Die Gegend iſt ſehr originell aber auf mich hat ſie einen widrigen Eindruck gemacht; das ſchöne waldige Saalthal macht mit den nackten Bergen und Felſen einen ſo grellen Contraſt, daß eines die Würkung des andern aufhebt und ein Totaleindruck unmöglich wird, etwa ſo wie bey vielen halb humoriſtiſchen halb ſentimentalen Stellen von Jean Paul. Wie ganz anders iſt die Gegend von der Wart⸗ burg herab behandelt(wenn es mir erlaubt iſt, die Natur als einen Künſtler zu betrachten); da iſt auch Gröſe und auch Anmuth, aber wie herrlich verſchmolzen! Vorzüglicher iſt die Gegend von Kunitzs) herab, aber am herrlichſten die von Dornburg ss); dieſe iſt einzig, beſonders paſſiv betrachtet, denn von oben herab betrachtet hat ſie bey aller Schönheit doch etwas zu allgemeines und drückt ſich alſo nicht ſo tief ein als der Anblick von Dornburg ſelbſt. Ein Engländer, der das neue Schloß bewohnt, macht am

Gegner Goethes und der Romantiker, und inniger Freund der Herderſchen Familie und Wielands, den er für den größten Dichter der Deutſchen erklärte. Eine gerechte Würdigung des äußerlich netten und zierlichen Goethe nannte ihn ironiſch dencharmanten kleinen Merkel aber litterariſch groben, zwar ſelbſtgefälligen, aber ehrlichen und potitiſch den meiſten Gebildeten der Nation weit überlegenen Mannes unternimmt mit vielem Geſchick J. EckardtG. M. über Deutſchland zur Schiller⸗Goethe⸗Zeit.(1797 1806), S. 117; daſelbſt finden ſich viele ausführlichere, ſcharfe, überaus feſſelnde Charakte⸗ riſtiken von Leipzig, Weimar und Jena aus Merkels Feder und gerade von vielen der auch von Savigny geſchilderten Perſönlichkeiten. Eckard handelt über ihn auch in der Allg. Dtſch. Biogr. XXI. 433 ff. und veröffentlichte in den Grenz⸗ boten, zuerſt 1867. II. S. 289 hochintereſſante, nicht immer erfreuliche Briefe von Herder, Wieland, Böttiger u. a. an ihn. S. auch Haym, Herder II. 753 55. ³¹) Es war ſicherlich eines der von der Geſellſchaftzur Roſe am Sonnabend nach⸗ mittag in dieſem Gaſthauſe veranſtalteten Concerte, welche alle 14 Tage, wie der Ottingen⸗Wallerſteinſche Hofrat Kohler erzählt, Heinrich, Profeſſor der Geſchichte, entreprenirte und Kapellmeiſter Stamnitz, ein alter Violon-d'amour-Spieler, dirigirte. Sie waren von der Nobleſſe in Jena und von den Profeſſoren und Fräuleins ſtark beſucht, auch von Orcheſtermitgliedern aus Weimar; die Landsmannſchaften wollten damit nichts zu thun haben. S. Cl. Brentano, Geſ. Schr. VIII. 38 ff. ⁸²¹³) S. A. 73. Ihr und ihrer Tochter Porträt ſ. Waitz,Caroline im II. u. I. Band. ⁸⁸) Das alles konnte aber S.s eignen ſpäteren Schwager Clemens Brentano, der ſie im folgenden Sommer in Dresden kennen lernte, nicht hindern, ſich in die um 17 ½ (nach Jacoby vielleicht nur um 5) Jahre ältere, aber liebenswürdige und immer noch ſchöne, auch von Schiller und Goethe geſchätzte(ſ. Briefwechſel) Dichterin zu verlieben, ſie nach durchgeſetzter Scheidung von ihrem Gatten, Profeſſor der Rechte Mereau in Jena(ſ. Teichmann in der Allg. Dtſch. Biogr. XXI. 419.) 1803 zu heiraten und zwar bei Savigny ſelbſt in Marburg; der ganze für ihr Alter nicht direkt entſcheidende Eintrag im Kirchenbuch der luth. Gemeinde daſelbſt lautet: Proclamirt den 23. u. 24. p. Tr.; Copulirt den 29. November 1803: Herr Clemens Brentano aus Frankfurt a. M., pri⸗ vatiſierender Gelehrter und Frau Profeſſorin Mereau aus Jena. Er lebte ſehr glücklich in Marburg und zuletzt in Heidelberg mit ihr bis zu ihrem 1806 erfolgten Tode, der für ihn das ſchwerſte Unglück war. Sie war eine große, ſtatt⸗ liche Erſcheinung, und wie Brentano ſchreibt,mild und unendlich lebensfriſch, und wird auch von dem etwas galligen Fries (S. 167) 1805 alseine liebe herrliche Frau bezeichnet. Ihre Tochter aus erſter Ehe, von Brentano adoptiert, der auch in bedrängteſter Lage(Zimmer a. a. O. S. 184. 192. 193.) getreulich für ſie ſorgte, wurde ſpäter die Gattin des oben A. 14 erwähnten Profeſſors Ullmann in Heidelberg. S. Jacoby in der Allg. Dtſch. Biogr. XXI. 720 ff.; 9 Briefe Schillers an ſie (und einen von ihr an ihn) veröffentlichte R. Boxberger in Sehr u. Loepers ArchivDie Frau u. ſ. w., Gera, 1889, 2. Heft. ³:) Es iſt wohl die Kunitzburg auf dem Gleißberg gemeint; das Dorf Kunitz liegt im Thale dicht an der Saale. 88) Es liegt etwa 2 Meilen unterhalb Jena auf ſteilem Felſen über der Saale, mit drei Schlöſſern, deren älteſtes, zint Pfalz der