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Felſen hinauf verſchiedene Anlagen, mit vieler Achtung und Schonung deſſen, was in einer ſolchen Natur zu achten und zu ſchonen iſt.
Ich bin vier Tage in Jena geweſen und habe weder auf Straaſen noch in Collegien das geringſte Zeichen von Rohigkeit und Ungebildetheit bemerkt. So ſoll es erſt ſeit 1—2 Jahren geworden ſeyn und zwar durch— häufige Relegationen; als ich da war, waren gerade 2 ehemalige Marburger relegirt worden: v. Balemann aus Wezlar und Hofmann aus der Wetterau, der auch in Marburg im Winter 1797 relegirt ward. Nicht einmal auffallende Trachten, als da ſind Kanonen, Hüte ec. ſieht man im all⸗ gemeinen ⁵⁴). Alſo von auſen iſt das ſtudirende Publikum hier wie es ſeyn ſoll, und von innen? hier wäre das zuviel verlangt. Man findet im Ganzen viel Intereſſe für geiſtige Beſchäftigung um ihrer ſelbſt willen und das iſt ſchon viel. Daß dieſes auch im Ganzen mit wenig Gründlichkeit, vielem Hang zum äuſern Schein und einem gewiſſen Leichtſinn verbunden iſt, iſt natürlich. Bey dieſem Publikum muſte ein Mann von Fichte's glänzendem Talent Wunder thun und er that ſie, denn ſein Wink regierte die Studenten, brachte oder nahm einem andern Docenten Zuhörer, da man Fichte über jede Wiſſenſchaft und jeden Docenten fragte, und die Folge davon war, daß die meiſten ſich wenigſtens im äuſern an Fichte anſchloſſen und die Fichtianer ſpielten; ſelbſt Hufeland ſoll nicht ganz frey davon geweſen ſeyn. Das alles zeigt freylich das Loos des Docenten auf einer groſen Univerſität, wo die Zuhörer zugleich electriſirbar ſind(und wer wollte ſich nicht electriſirbare wünſchen?) nicht ſehr beneidenswerth und dem des Demagogen ähnlich, der von der Gunſt eines halbgebildeten Volks abhängt. Dennoch glaube ich, daß Fichte mehr Nutzen durch ſeine Vorleſungen geſtiftet hat als man ſich denkt; er hat bey vielen höhere Forderungen erregt oder geſtärkt; aber er hätte ſeine Demagogenrolle nicht ſpielen ſollen, er hätte ihr ſogar entgegenarbeiten ſollen ²0).— Kaum war er weg, als die Urtheile ſchon kälter und parteyloſer aus⸗ fielen und als ſchon viele die Möglichkeit dachten, daß Fichte Fehler haben könne; auch für die übrigen Docenten hat ſein Abſchied bedeutende Folgen gehabt*). Das Reſultat aus allem was ich hier geſehen und
ſächſiſchen Kaiſer und Sitz mehrerer Reichstage war; das ſüdlichſte wurde von Goethe nach des Herzogs Tod(1828) mehrere Monate lang bewohnt.— ⁵⁹) Seit 1789 etwa war nicht bloß durch dieſe Relegationen, ſondern auch durch den Einfluß von Paulus(der a. a. O. I. 98 noch über die Roheit des Studentenpöbels klagt), Reinhold, Griesbach, Döderlein, beſonders aber von Schiller und— anfangs wenigſtens— von Fichte allmählich ein beſſerer Geiſt unter den Studenten Jenas ſichtbar geworden; doch machten ſie noch 1792 eine förmliche secessio nach Nohra(ſ. Rob. und Rich. Keil, Geſchichte des jenaiſchen Studentenlebens, 1858, S. 245— 48 und 263— 83), und begingen 1795 gegen Fichte wüſte Ausſchreitungen(ſ. Fiſcher a. a. O. 1884, V. 279 ff.); auch Merkel wurde 1796 durch den rohen ſtudentiſchen Ton widerwärtig berührt(S. 55); ja noch 1798 ſühlte ſich der eben angekommene Steffens von dem vwüſten jenaiſchen Treiben ſo zurückgeſtoßen, daß er Jena wieder für mehrere Monate verließ(ſ. a. a. O. IV. 22— 27. 30.); gleichwohl war eine entſchiedene Wendung zum Beſſeren wahrzunehmen, ſ. Fiſcher V. 281— 83 u. Keil S. 287 u. 297.— ¹³) Durch geſchäftliches und diplomatiſches Ungeſchick verdarb es Fichte mit den Studentenorden, die ſich ihm zuliebe ſchon hatten auflöſen wollen, wurde von ihnen in roheſter Weiſe verfolgt und bedroht und zog deshalb für den Sommer 1795 nach Oßmannſtedt; über dieſe Vorgänge ſ. Fiſchera. a. O. V. 278— 83.— ¹¹) Die Veranlaſſung von Fichtes Abgang war der ſogen.„Atheismusſtreit“; Fichte hatte in dem von ihm und Niethammer(ſ.*S. 16) redigierten„Philoſ. Journal“ 1798 im 1. Heft eine Abhandlung von Forberg(„Ent⸗ wicklung des Begriffs der Religion“) und eine von ſich ſelber(„Über den Grund unſeres Glaubens an eine göttliche Welt⸗ regierung“) veröffentlicht, die in einem anonymen Flugblatt als atheiſtiſch denunziert wurden, worauf Kurſachſen das Heft konfiszierte und im Bund mit Hannover die weimariſche Regierung zum Einſchreiten gegen den auch der Demokratie ver⸗ dächtigen Fichte drängte. Darauf verteidigte ſich Fichte in einer„Appellation an das Publikum“ und in einer„Verant⸗ wortungsſchrift an die Regierung“, erklärte(unter Berufung auf die dem Atheismus wie ein Ei dem andern ähnlich ſehenden Philoſopheme Herders, der doch unbehelligt bleibe) in einem Briefe(vom 22. März 1799) an den Kurator der Univerſität Voigt, alſo auch an die Regierung, einen Verweis nicht hinzunehmen und drohte mit ſeinem Abgang. Doch mußte er, als die Regierung wohl die Entlaſſung, die er angeboten habe, annahm, einen zweiten, widerrufenden Brief von ihm aber zurückwies, zu Oſtern 1799 die Univerſität verlaſſen; ſ. Fichtes Leben von ſeinem Sohne I. 342— 72(im II. Band die Akten); beſonders klar und lichtvoll und mit einleuchtender Wägung und Verteilung der beiderſeitigen Schuld ſtellt den ganzen Streit dar Fiſcher V. S. 284— 303.— Schlimmere Folgen übrigens als ſie Savigny oben im Auge hat, kamen nach: der jähe Rückgang der Univerſität, deren Lehrkörper, da man allgemein in dem Vorgehen der Regierung einen Eingriff in die Lehr⸗


