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Voigts Phyſik hat in mir blos die Frage wieder aufgeregt: wie man Phyſik leſen müſſe? ohne mir eine Antwort darauf zu geben. Ich hatte ihm einen Brief zu übergeben, fand ihn recht artig und— gieng nicht wieder hin ⁵).
Paulus hat in ſeinen Geſichtszügen etwas höchſt beſtimmtes, das ihn ſehr intereſſant macht und auch ſein Vortrag trägt dieſen Character. Er genieſt uneingeſchränkte Achtung*⁶).
Ich habe noch wenige ſo einfältige Geſichter geſehen als das von Stahl iſt. Auch ſeinen Vor⸗ trag möchte ich ein eiliges Geſchwätz nennen. Phraſen wie dieſe:„jetzt wie machen wir das?“—„nun gut“ ꝛc. kommen häufig vor. Man hält ihn in Jena für einen gründlichen Mathematiker— Lehrer iſt er nicht 7⁰).
Feuerbach lehrt ſehr gründlich und gut, nur hat ſein Auſeres zu wenig. Man vernachlläſſigt das überhaupt zu ſehr, ohne zu bedenken, daß das der einzige Punct iſt, der mündliche Vorträge nützlich und in gewiſſen Fällen unentbehrlich macht. Feuerbach ſteht in genauer Verbindung mit Hufeland, der auch ſeine Studien geleitet hat*⁸).
Tennemann iſt ein äuſerſt anſpruchloſer, mittheilender Mann. Ich konnte keine ſeiner Vor— leſungen beſuchen— weil er keine hält. In Jena wird keine Geſchichte der Philoſophie zu Stande gebracht!*⁹)
Hufeland war ſo gütig mich in den Mittwochsclubb einzuführen, d. h. in eine Geſellſchaft, die den Mittwoch Abend in einem groſen Saale zuſammen ſpeiſt. An dieſer Tafelrunde ſah ich(auſer zwey Fremden) lauter Männer, deren Namen in der geiſtigen Ritterwelt ebenſo genannt ſind, als die Namen der Lanzellotte und der übrigen Tafelritter in der alten körperlichen Ritterwelt genannt wurden: Die beiden Hufeland, Schütz, Niethammer ⁵³⁰), Paulus, Göttling ¹¹), Loders²) und der Lettiſche Merkel ⁸³) verdienter Philolog(ſ. Burſian a. a. O. I. 514 ff.), mit Hufeland Leiter der angeſehenſten kritiſchen Zeitung Deutſch⸗ lands, der täglich erſcheinenden Allg. Lit. Ztg., die er zuletzt auf 1500 Mitarbeiter brachte(Biogr. von ſeinem Sohn I. S. VI.); ähnlich wie Savigny urteilt auch Jacobs über ihn, Perſonalien S. 22, und Merkel 78 ff.; an den unglücklichen häuslichen Verhältniſſen war ſeine(geſcheidte und gebildete, ſ. Fichte a. a. O. II. 95 ff. und Henke, Fries S. 72) Frau, geb. Danovius, ſchuld, was Merkel a. a. O. S. 77 andeutet. Sein Sohn und Biograph, gleichfalls Profeſſor(der Philoſophie), ging ſogar der zweiten ſeiner drei Frauen, der berühmten Schauſpielerin Händel⸗Schütz, zuliebe(deren vierter Mann er war) zur Bühne über, aber ohne beſonderen Beifall zu finden; ſ. Pauline Gotter an Schelling bei Plitt II. 246.— *⁵) J. H. Voigt, Prof. d. Math. u. Phyſ.(1751— 1823), ſ. Günther a. a. O. S. 212. Biogr. im Neuen Nekrol. d. Dtſch. Ilmenau 1824. S. 632—39; früher ebenfalls Lehrer am Gymnaſium in Gotha, wurde er auf Herzog Ernſts II.(ſ. A. 47) Verwendung als Profeſſor nach Jena berufen.— ⁵⁶) Heinr. Eberh. Gottl. Paulus(1761—1851), wie Schelling aus Leonberg gebürtig, war das bekannte Haupt des theologiſchen Rationalismus. Selbſtbiogr. 1839. u. Reichlin⸗Meldegg, P. u. ſ. Zt. 2 Bde. 1853.— 7⁷) K. D. M. Stahl, geb. zu Braunſchweig 1773, † 1833 als Profeſſor und Hofrat zu München; ſ. Günther a. a. O. S. 222, wo, wie immer, Biographiſches und Schriften nachgewieſen werden.— Paulus a. a. O. I. 352 nennt ihn einen trefflichen Mathematiker, und Fries a. a. O. S. 78 ſchreibt, er ſei der einzige Mathematiker, der Zuhörer habe.— ⁸) Anſelm v. Feuerbach, damals auch erſt 24 Jahre alt(aus Jena gebürtig, † 1833 zu Frankfurt a. M), ein genialer Kopf, der größte Kriminaliſt unſeres Jahrhunderts und Begründer einer neuen Strafrechtstheorie, der Ab⸗ ſchreckungstheorie; er war der Vater von 5 berühmten Söhnen und Großvater des gleichnamigen, erſt nach ſeinem Tode (1880) zu Ehren gekommenen großen Hiſtorienmalers. Biogr. von ſ. Sohn Ludwig v. F. 1852; ſ. auch Marquardſen in der Allg. Dtſch. Biogr. VI. 731— 45.— ⁹⁴) W. G. Tennemann, geb. 1761, † 1819 als Profeſſor der Philoſophie in Marburg, beſonders verdient durch ſeine Geſchichte der Philoſophie in 11 Bänden; ſ. Günther a. a. O. S. 220 und Strieder, Heſſ. Gel. G. XVI. 97 ff.— ³³⁵) Fr. Immanuel Niethammer(1766—1848), ſeit 1793 Profeſſor der Theo⸗ logie und Philoſophie in Jena, Freund Fichtes, erwarb ſich ſpäter in München um das bayriſche Schulweſen beſondere Verdienſte; ſ. Prantl in der Allg. Dtſch. Biogr. XXIII. 689 ff.— ¹¹) J. Fr. H. Göttling(1755—1809), tüchtiger Chemiker, Profeſſor in Jena, Vater des bekannten Philologen C. W. Göttling. S. Günther a. a. O. S. 210.— ¹²) Fr. Chr. v. Loder(1753—1832), Profeſſor der Medizin in Jena,„ein kleiner, körperlich wie geiſtig bewegter Mann, höchſt luſtiger geiſtreicher Geſellſchafter“(Düntzer, Briefe aus Knebels Nachlaß I. S. XIV), eine der bedeutendſten Er⸗ ſcheinungen jener Zeit, der auch nach außen die Univerſität am glänzendſten vertrat. S. Gurlt in der Allg. Dtſch. Biogr. XIX. S. 76— 79.— 3³) Garlieb Merkel(1769—1850), jetzt halb vergeſſener Publiziſt, faſt nur noch bekannt als


