Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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einem höhern Standpunct gefällt. Hufeland iſt ein Mann von univerſeller Bildung; auſer ſeinen Hauptwiſſenſchaften treibt er die Geſchichte des Tags und die Politik mit beſonderm Intereſſe und iſt mit der ſchönen Literatur ſehr vertraut,(auch mit ihrem Repräſentanten in Jena, A. W. Schlegel) auch hat er die Bildung des Weltmanns und des Geſellſchafters. Seine Zuhörer ſchätzen ihn ſehr hoch. Man wirft ihm Ruhmſucht vor; wenigſtens iſt dieſe wenn ſie vorhanden iſt nicht auffallend und nicht ſo, daß ſie ſeinem wiſſenſchaftlichen Werth Eintrag thut, wie z. B. Hugo's Eitelkeit 67). Seine Thätigkeit iſt groß und manichfaltig; er arbeitet zugleich als Lehrer, als Schriftſteller, als Directeur der Litteraturzeitung und als Mitglied des Schöppenſtuhls. Ich ſah bey ihm das Porträt von Kant, das dieſer ihm geſchenkt hat, und wovon der bekannte Kupferſtich vor dem Repertorium eine äuſerſt treue Copie iſt. 7*²) Hufeland iſt ein herrlicher Mann 6s).

Schelling ſieht ganz jung aus ⁶⁵). Mit Gleichgültigkeit und Stolz ſteht er auf dem Katheder und ſpricht als ob er etwas nicht ſehr bedeutendes ſchnell erzählte. Hier iſt das weſentliche ſeines Vor⸗ trags; es iſt ſchwer ihm zu folgen.

Kant begeht bey der Deduction der Kategorieen 3 Hauptfehler.

1) Er geht von der Logik aus, anſtatt von den Kategorieen.

2) Er erklärt nicht den innern Mechaniſmus der Kategorieen(Gegenſatz und Syntheſis).

3) Der Umſtand, daß der Mechaniſmus in allen derſelbe iſt, hätte ihn darauf führen müſſen, daß es eigentlich nur eine giebt, die der Relation, und daß es die übrigen durchaus nicht in dem ſelben Sinn wie dieſe ſeyn können, indem ſich ſowohl die mathematiſchen Kategorieen(Quantität und Qualität) als die der Modalität auf den Reflexionsact beziehen und folglich die der Rela⸗ tion vorausſetzen, durch die allein urſprünglich producirt wird.

Denkt euch mein Erſtaunen, als ich in Schlegels ÄAſthetik trat, und fünf Zuhörer fand; indeſſen ſoll ſich ihre Zahl zu manchen Zeiten bis auf zwölf belaufen haben ²*). Sein Auge hat viel idealiſches,

der Vorläufer und Bahnbrecher für die hiſtoriſche Rechtsſchule Savignys; warum er nicht als Gründer derſelben bezeichnet werden könne, ſetzt R. Schmid, Sohn des von Savigny hier geſchilderten Philoſophen, a. a. O. S. 148 ff. auseinander; Savigny hat als Gaſt eine Stunde Kolleg bei ihm gehört; hierauf beſchränkt ſich die Angabe bei Schmid S. 149, daß Savigny ſein Zuhörer geweſen, während er ſein Schüler allerdings durch das Studium ſeiner Schriften ward. Hugo pflegte ſpäter ſeinen Zuhörern den Platz zu bezeichnen, den S. damals innegehabt; ſ. Rudorff a. a. O. 14. Üüber ihn ſ. Mejerin der Allg. Dtſch. Biogr. XIII. 321 28. und beſondersBiographiſches 1885. S. 157.(über das Verhältnis Hugos zu Savigny ſ. S. 27 ff. 40, 44 46). Des obenerwähnten Runde Vortrag über Lehnsrecht war Savigny unerträglich langweilig(Rudorff daſ.). Über Runde(1741 1807), der 1771 84 auch am Carolinum in Caſſel lehrte, ſ. Pütter, Gött. Gel. Geſch. II. 1324, u. III. 68 70. ⁶⁷) Über Hugos Selbſtgefühl ſiehe Mejer, Biographiſches S. 52 u. 39. Anm. 67) Vor Schütz'(ſ. S. 15) Jenaiſchem Litteratur⸗Repertor. Bd. I. findet ſich Lips' Kupferſtich nach Collins Paſte v. Kant.) Lauer klingt, was er im April des folgenden Jahres an die Vettern ſchreibt, Brf. Nr. 13 und S. 18. ¹⁴⁶) Er war auch erſt 24 Jahre alt; höchſt bezeichnende, meiſt durchaus anerkennende oder begeiſterte Schilderungen ſeiner Perſönlichkeit, ſeines Auftretens und ſeines Vortrags ſiehe ſonſt noch bei Gries(S. 28) und Steffens(IV. 75 ff.), auch inSulpiz Boiſſerée 1862. I. 521., ſowie von Dorothea Veit(ſ. Haym, Rom. Sch. S. 595) und Merkel(S. 72); übrigens ſprach Schelling ſelbſt ſpäter in Berlin aus(ſ. Plitt l. 244), er habe damals noch nicht gewußt, daß die Hauptkunſt des Vortrags im Ankhalten beſtehe. Einen andern Ton als die obengenannten ſchlägt Fries an(bei Henke S. 75), wenn er im Winter 1800/01 ſchreibt: Schelling allein gilt(nämlich bei den Studenten, die die Frage, was iſt Wahrheit? allein zu entſcheiden haben). Aber wie? Bis vorigen Winter war ſein Hauptverdienſt die Unverſtändlichkeit, zwiſchen welcher ein paar pomphafte Sätze klingelten u. ſ. f, und Varnhagen in den Tagebüchern, herausg. von L. Aſſing, I. 372, der ſeinen Vortrag im Jahre 1841unangenehm und hölzern findet,ein bloßes Ableſen und Diktiren. Von Intereſſe iſt, was Schelling am 9. November 1841 aus ſeinem neuen Wirkungskreis Berlin an Dorfmüller ſchreibt:Unter den eingeſchriebenen Zuhörern befinden ſich ſelbſt die proceres Universitatis, ſowie die Söhne ſolcher, wie Savigny, Lichtenſtein, Steffens u. ſ. w., wobei mir rührend, daß dieſe beiden, die mich in Jena gehört, mich noch einmal im Alter hören(Plitt III. 173). Porträtbüſte Schellings ſ. abgebildet in Weſterm. Monatsh. 37, S. 24. ²⁰) Selbſt mit dieſem ſeinem Hauptkolleg kam A. W. Schlegelnicht gegen Schütz(ſ. S. 15) auf (ſ. Haym, Rom. Sch. 765), weshalb er im folgenden Jahre Jena verließ. Auch ſeinem Bruder Friedrich, der Herbſt 1799 gleichzeitig mit Tieck nach Jena kam und 1800 ſich habilitierte, ging's nicht beſſer(Fries S. 75 u. Haym S. 676). Über