Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Sopha trug und ſo in die peinlichſte Verlegenheit ſetzte. Er bot mir einen Brief nach Osmannſtädt an, den ich annahm weil ich ihn nicht abſchlagen konntes).

Wieland wohnt nicht in einem einfachen Landhaus, ſondern in einem Schloß, das ihn allein ohne das Guts) 22000 Thlr. koſten ſoll. Er ſelbſt war nicht da. und ich unterhielt mich unter⸗ deſſen mit ſeiner alten Jugendfreundin Laroche, die ihn beſucht; eine lebhafte Frau, zwar ſehr Schau ſpielerin und ſehr verſchieden von meinem Ideal einer Patriarchin, aber ſehr intereſſant, es war mir recht wohl bey ihr*). Endlich kam Wieland; ſchon ſein Äuſeres machte einen widrigen Eindruck auf mich, durch eine ſonderbare Reminiſcenz ich glaubte Feders) vor mir zu ſehen und dieſe Ähnlichkeit machte mir die Verſchiedenheit um ſo fühlbarer. Denke ſich, wer Feder geſehen hat, alle Liebe und Güte und Sanftheit ſeines Auges verwandelt in den ſcharfen ſtechenden Blick eines Mannes, der das kennt, was man(weder im höchſten, noch im niedrigſten, ſondern in einem mittleren Sinn) die Welt nennt, und der ihr ganz ruhig zuſieht ſo hat er die Hauptzüge von Wieland vor ſich ⁵⁹). Ich fühlte mich in ſeiner Gegenwart recht gepreßt und in meinem Vorſatz beſtärkt, nie wieder zu einem groſen Mann zu gehen ohne Addreſſe an den Menſchen, und am wenigſten wenn mir der Mann ſo fremd iſt 6c). Wieland ſprach über die Neufranken ungefähr ſo wie er darüber ſchreibt, z. B.:die Menſchen müſten erſt beſſer werden, dazu gehöre denn auch, daß ſie vernünftiger würden. Sein älteſter Sohn iſt Juriſt ⁶¹), die beiden andern ſind Oeconomen, für ſie hat Wieland das Gut gekauft,damit das Lehrgeld, was ſie be⸗ zahlen müſten, noch auf ſeinen Beutel käme ⁵²).

Einige Stunden hernach fuhr ich in das ſonderbare Thal von Jena ein.

¹³⁸) Vergl. die draſtiſche Schilderung B.s von Schelling bei Plitt I. 115. Biogr. von ſeinem Sohne K. W. Böttiger, 1837 u. v. Urlichs in d. Allg. Dtſch. Bgr. III. 205 ff.; K. A. Böttiger, geb. 1760, ein gelehrter, aber in unendlicher Viel geſchäftigkeit und dem ausgebreitetſten Verkehr ſich zerſplitternder Philolog(ſeine Verdienſte würdigt Burſian, a. a. O. I. 628), in deſſen Nachlaß ſich 20000 Briefe fanden(K. A. Böttiger, Literar. Zuſtände u. ſ. w. I. 1.), und deſſen zerſtreute Abhandlungen nach Schätzung ſeines Sohnes 50 Bände füllen würden, war von Herder zum Direktorat des Weimarer Gymnaſiums berufen worden; doch erwies ſich ſein Charakter als ſehr zweifelhaft(ſ. Haym, Herder II. 755 59 und beſonders Lindemann, Beitr. z. Charakt. K. A. B.s 1883. S. 48. 57. 60. ſowie Merkel a. a. O. S. 94. 11618), ſo daß ihn Herders, wie Schillers und Goethes(ſ. d. Briefw.) Abneigung und Mißachtung nicht unverdient traf. Er verließ Weimar 1804 und ging nach Dresden, wo er 1835 ſtarb. ⁵⁸⁶) Er hatte Schloß Oßmannſtedt erſt 2 Jahre zuvor einſchließlich des Gutes für 22 000 Thaler gekauft und gab es nach großen Aufwendungen und vielen Sorgen ohne Nutzen aber auch ohne Schaden 1803 für 30000 Thlr. wieder ab. S. Gruber, Biogr. Wielands IV. 160 81. 350 55. ³⁸*) Einige Jahre ſpäter ſollte ihre Enkelin, Kunigunde Brentano, Savignys Gattin werden. Es war das letztemal, daß Wieland mit Sophie Laroche zuſammentraf, welche damals mit ihrer Enkelin Sophie Brentano(die im folgenden Jahre bei Wieland ſtarb) zugleich ihren Sohn in Schönebeck beſuchte; diesmal hatte er nachdem er ihren Beſuch ſchon mehrfach abgewehrt(L. Aſſing, S. La Roche S. 291. 314) ſie wirklich eingeladen; die unentwegte Vertreterin der ſonſt allgemein überwundenen Sentimentalität war aber dem alten Herrn unbequem, und er ließ dies auch merken(ebenda S. 331 ff.). Sie ſelbſt hat dieſe ihre letzte Reiſe beſchrieben in ihrenSchattenriſſen abgeſchiedener Stunden; Bruchſtücke aus dieſen ſ. bei Gruber(1828) IV. 311 19 und Aſſing S. 316 330. Notiz nahmen von derſelben Schiller und Goethe, die in ihrem Briefwechſel in ergötzlicher Weiſe ihre Furcht vordem von Oßmannſtedt her drohenden Ungewitter äußern, das wirklich beide erreicht hat(ſ. Nr. 605. 6. 628. 29. 632. 33.), Herder(bei Haym II. 745. Aſſing S. 322), Böttiger(Lit. Zuſtd. I. 243 47), Merkel(a. a. O. S. 115) u. a. Das Porträt in Weſterm. Monatsb. 29, 553 zeigt ſie ſo, wie Goethe in ſeiner ſchönen Charakteriſtik ſie ſchildert:ein nettes Flügelhäubchen ſtand dem kleinen Kopfe und dem feinen Geſicht ſehr wohl.(S. Aſſing S. 174.) Goethes Briefe an ſie gab v. Loeper 1879 heraus. ¹⁸) Vielleicht J. G. H. Feder(1740 1821), Gegner Kants, Profeſſor der Philoſophie in Göttingen bis 1797; in ſeiner Selbſtbiogr.(hrsg. 1825 von ſeinem Sohne, der ihn einen treff⸗ lichen, gütigen Mann nennt) bezeichnet er ſich S. 235 alsnicht gerade ſchwächlich, mittlerer Größe und mager, was auch Wieland war. Da Savigny 1796 in Göttingen ſtudierte, auch Friedrich Creuzer Göttingen beſucht hatte(Aus dem Leben S. 30), beide ihn alſo kennen mochten, ſo könnte er gemeint ſein. ³⁴⁹) Zum Malen ſchildert ihn Merkel a. a. O. S. 88 ff.; vergl. auch S. 107 15 daſelbſt. ⁶⁰) Am 3. Juli 1799 hatte Savigny an Friedrich Creuzer geſchrieben:Der Merkur, der hier zurückfolgt, hat mich in der Verachtung gegen Wieland weiter gebracht; er erſcheint hier in Wahrheit als altes Weib. ³*) Ludwig W.(17771819,, bekannt als Nebenbuhler Kleiſts in der Bearbeitung des Stoffes vomZer⸗ brochenen Krug; ſ. Goedeke, Grundr. III. 1. 52; vergl. auch Gruber a. a. O. 358, Merkel S. 111, u. a. ³²) Ganz.