Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Der Herzog ⁴⁷) wendet ausnehmend viel auf die Bibliothek, die auf 60,000 Bände geſchäzt wird und beſonders an alten Drucken reich iſt(wiewohl das älteſte dieſer Bücher noch lange nicht ſo alt iſt als Homer ⁴⁸); unter ihre vorzüglichſte Schätze gehört das Gebetbuch Carls V., das ſich durch ſeine auſerordentlich ſchöne Schrift auszeichnet ⁴⁸), und eine deutſche Bibel vor Luther, deren Gemählde zwar zur Hälfte elend, zur andern Hälfte aber von Werth ſind). Die neuen Zimmer der Erbprinzeſſin muß man ſehen, um ſich zu überzeugen, wie ſehr ſich Pracht mit Geſchmack verträgt, und um z. B. die Wil helmshöher Zimmerverzierungen höchſt geſchmacklos zu finden.

Ich fuhr von Gotha in einem Nachmittag nach Weimar und konnte bey der Durchreiſe durch die eine Hälfte von Erfurt recht gut bemerken, daß ſie nicht ohne alle Menſchen iſt, ſogar auf den Straaſen zeigten ſich welche; die andere Hälfte iſt vernünftig. Auch Erfurt ſteht unter den Reſtanten).

28. 29. Jul.:(Weimar Jena). Weimar. Park. Böttiger. Wieland. Sophie von Laroche.

Es war Nacht, als ich in die heilige Stadt einzog und ich konnte erſt am andern Tag ſehen, wie häßlich ſie mit meinen Erwartungen contraſtirte, warum? weil ſie nie das Glück hatte abzubrennen welcher Einfall übrigens nicht mir, ſondern wahrſcheinlich urſprünglich dem Pauſanias gehört*²). Ich gieng nie aus, ohne mich zu verirren und ſo die Stadt in verſchiedenen Directionen ganz zu durch⸗ ſchneiden, ſo daß ich immer um einige Minuten ſpäter nach Hauſe kam als auf dem geraden Wege

Den Park will ich nicht durch Beſchreibung entweihen; nie hat ein Werk der bildenden Kunſt mit der Stärke auf mich gewürkt. Nur einige ſubjective Regeln für den der ihn genieſen will erlaube ich mir hierher zu ſetzen. Er genieſe ihn nicht auf einmal und um ihn zurück zu legen, ſondern mehr mals und zu verſchiedenen Tageszeiten und überlaſſe ſich ganz dem Zufall. Er verſäume nicht den Pfad zu ſuchen, der ihn an den ſchönen Ufern der Ilm hinunterführt in den zweiten Zaubergarten in Tieffurth, der der Herzogin Mutter gehört und dem erſten den Rang ſtreitig macht?*). Ich war nur anderthalb Tage da und ſchon ſo eingewohnt, ſo bekannt, ſo vertraut, als an andern Orten in Jahren nicht. Böttiger empfieng mich überaus höflich, in ſeinem Betragen war viel glänzende Freundlichkeit, (wozu ſeine ſtattliche Figur recht gut paßt) und wenig Natur; indeſſen gieng es mir doch noch beſſer als Schmid*), den er, ohne ihn je mündlich oder ſchriftlich geſprochen zu haben, umarmend auf das

S. Jacobs Verm. Schr. VII. S. 351 53. ¹*¹) Ernſt II. reg. 1772 1804; mathematiſch hochgebildet, auch aſtro⸗ nomiſcher Schriftſteller, Erbauer der Sternwarte und Veranſtalter der erſten Gradmeſſung in Deutſchland, war er zugleich ein trefflicher, überaus pflichtgetreuer Regent. S. Beck a. a. O. I. 407 28. ⁴⁸) Der etwas ſonderbaren Bemerkung liegt wohl der Gedanke zu Grunde, daß der uralte Homer doch dem modernen Denken und Empfinden näher ſtehe. ⁴⁰) S. über dasſelbe Jacobs und Ukert, Beitr. zur älteren Lit. II. 352; beide hier genannten Bücher ſind noch in Gotha vorhanden; die Hofbibliothek, 1788 auf 50 000 Bde. geſchätzt(Beck a. a. O. II. 443), umfaßt jetzt 200 000 Bde. ³⁶⁰) Der Codex, einſt im Beſitz des kunſtliebenden Pfalzgrafen Ottheinrich, der ihn ausmalen ließ, und zu der von Max von Bayern 1622 an den Papſt geſchenkten Heidelberger Bibliothek gehörig, gelangte durch einen Zufall nicht nach Rom, da ein bayeriſcher Bibliothekar ihn nach München gebracht hatte, von wo Guſtav Adolf ihn 1632 mit nach Gotha nahm.Die guten Bilder ſind ein allerdings bewundernswertes und wohl das bedeutendſte Werk des Malers Mathes Gerung aus Lauingen, der ſie(ausſchließlich der 17 Bilder der Apokalypſe) laut der in neueſter Zeit auſgefundenen Verträge von 1530 für 70 fl und ein Hofwinterkleid, Rock, Hoſe und Wams gemalt hat; ſ. Allg. Ztg. 1886, Nr. 86 und beſonders die Beſchreibung und Wür⸗ digung der Bilder von W. Lübke ebenda S. 1818 ff. u. 1834 ff. ⁵¹) Savigny hat aber weder einen Beſuch in Schnepfen⸗ thal(ſ. S. 8) noch einen in Erfurt in den folgenden Briefen erwähnt. ²³²) Er war daſelbſt nicht aufzufinden. sa) Weimar hatte gegen Ende des vorigen Jahrhunderts etwa 8000 E. in 800 Häuſern; der Park iſt im weſentlichen eine Schöpfung Goethes und beſonders des Herzogs ſelbſt, der zum Zweck ſeiner Parkſtudien ſelbſt große Reiſen in das Ausland machte und, nachdem Goethe ſich davon mehr zurückgezogen hatte, unterſtützt wurde von Bertuch, dem Fürſten Pückler⸗ Muskau, ſowie hervorragenden Gärtnern wie Reichert, Sckell, Petzold, ſ. Stahr a. a. O. I. 1155, Wahle in Weſterm.

Monatsh. 1889, Oct., Novbr. u. Dzbr.⸗Heft u. a. ³) S. u. S. 13. 9