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ſeine Gutheit und Kindlichkeit und Unſchuld, aber iſt nicht das viel oder wenig, was wir finden, relativ?“ — In Weimar hält ihn Herder, den er anbetet ⁴²).
Während ich da war, wurden mehrere Einfälle erzählt, für die er ſich ſehr intereſſirte, beſonders. für folgende, die auch an ſich aufbehalten zu werden verdienen:
1. Voltaire auf Freron.
Un jour Freron se promena,
un serpent vint et le piqua;
savés vous ce qui en arriva?
ce fut le serpent qui crèva ⁴³). 2. Mirabeau trat einſt auf um Maury zu widerlegen, und fieng an: vous avés entendu les- sophismes de l'Abbé Maury, je vais le confondre, je vais l'envelopper dans le Cercle vicieux (logiſcher Zirkel)— hier unterbrach ihn Maury: vous allés donc m'embrasser? ⁴⁴)
Richter wurde häufig von hohen Herrſchaften occupirt, beſonders dem Erbprinzen ¹⁵)— das führt mich auf den Hof. Dieſer lebt zwar nicht eigentlich in häuslicher Vereinigung, aber doch in einer ſehr löblichen Einfachheit; man ſieht hier nichts von dem Orientalismus, der an manchen Orten, wenn nicht in der Pracht, doch in der ſtrengen Zucht und Furcht erſcheint. Die Herzogin wohnt den Sommer über in einem ſchönen gothiſchen Hauſe, das ſie ſich nahe am Schloſſe gebaut hat, und zwar ganz allein ¹⁴⁶⁵).
50. Nerrlich 82 u. 107. Von Jean Pauls Beſuch in Heidelberg(1817) ſchreibt Creuzer an Görres:„Wäre er länger geblieben, ſo hätten weder er noch ſein Spitz(den viele für den Spitz im Hesperus hielten) eine Locke behalten“.— ⁴²) Jean Paul ſchreibt 1796 an Herder(„Aus Herders Nachlaß“ herausg. von Düntzer und G. Herder I. 271]):„Möge jedes Auge, das ſich Ihnen nähert, Sie ſo freudetrunken anſchauen wie meines, und möge immer in Ihrer Bruſt der Himmel bleiben, der ſich in der meinigen aufthat, als ich nach einem 15jährigen Wunſche endlich an Ihrem ſo lange geliebten Herzen hing“. S. auch ebenda S. 294 u. 315. Und Herder rühmte dagegen, einen Schatz, den er weder verdient noch erwartet, habe der Himmel ihm in Richter geſchenkt. Das Verhältnis beider blieb auch, abgeſehen von einer vorübergehenden Verſtimmung, das innigſte bis zu Herders Tode.— Jean Paul lebte von Oktober 1798 bis 1800 in Weimar und hatte nicht zum wenigſten wegen der kühlen Zurückhaltung, die Goethe und dadurch auch Schiller(Spazier IV. 10 ff.) ihm gegenüber beobachteten, ſich ſo innig gerade an Herder angeſchloſſen(daſ. 9. 20. 110. u. Haym, Herder Il. 642— 50). Urſprünglich ein feuriger Bewunderer Kants(Nerrlich S. 290), aber kein Freund der Übertreibungen„der kleinen Käntchen“, hatte Jean Paul mit Fichte ein leidliches Verhältnis, ergriff jedoch für Herder, der im April 1799, von Jean Pauls Beifall ermutigt, gegen Kant die bittere, verfehlte(Haym a. a. O. II. 651 ff.) und ihm ſelbſt ſofort ſcharfe Angriffe zuziehende(derſ., Rom. Schule 725 u. Herder II. 688 ff.)„Metakritik“ hatte ausgehen laſſen, lebhaft Partei und richtete ſogar ſelbſt in Herders Intereſſe und unter ſeinem Einfluß auch gegen den mit dieſem bitter verfeindeten Fichte die ſatiriſche ſog. Clavis Fichtiana, was ihm jedoch ſpäter herzlich leid that.(Spazier IV. 128—32).— ³³) Der Witz ſteht in den Oeuvres compl. de Voltaire p. Moland. 1877 ff. Bd. X. 568. Der Kritiker Fréron, † 1776, der in ſeiner Année littéraire Voltaire unermüdlich geißelte, aber von ihm endlich moraliſch tot gemacht wurde, erklärte übrigens in dieſem Blatt die Verſe Voltaires für ein Plagiat an einem Kirchenſchriftſteller(Tatian?).— ⁴⁴) Maury ſtieß, als einer der ſtreitbarſten Kämpen der Rechten, oft mit M. zuſammen; unter Napoleon Erzbiſchof von Paris, wurde er nach deſſen Sturz ſeiner Würden entkleidet und ſtarb 1817. Biogr. von Hergenröther, Würzburg 1879; die Anekdote iſt darin nicht erwähnt.— ⁶) Emil Auguſt, geb. 1772, reg. 1804—22. Er war ein ſchöner, gutmütiger und geiſtreicher Mann und wohlmeinender Regent, doch ein phantaſtiſch wunderlicher Sonderling, von überraſchendem, oft beißendem Witz, kein Reiter und Jäger, aber Dichter, Schriftſteller und Komponiſt, den der von ihm als Pedant bezeichnete Goethe für angenehm und widerwärtig zugleich erklärte(ſ. auch Bettina von Arnim, Die Günderode I. 52. 89— 93. 105 ff. 116—25. 133. 411).— Die Freundſchaft zwiſchen ihm und dem ihm in vielem kongenialen Jean Paul nahm übrigens 1810 ein jähes Ende; als dieſer nämlich für den Bräutigam einer Tochter Schlözers eine Gehalts⸗ zulage erbat, lehnte der Herzog ab und ſchrieb ihm drei komiſch grobe Briefe auf einmal, deren letzter mit den Worten ſchloß: „Wollen Sie ſich mauſig machen, ſo werden Sie gerupft, geſpießt, gebraten und Gott weiß, wer Sie zu freſſen bekommt. Ihr ziemlich ergebener Rockh“. S. Nerrlich 86—89.— Die Erbprinzeſſin, geb. Prinzeſſin von Mecklenburg⸗Schwerin, ſtarb ſchon 1801. Beck, Geſch. d. goth. Landes I. 428— 51.— ¹⁸) Charlotte, geb. Prinzeſſin von Meiningen; ſie war an dem Mangel an Eintracht ſchuld, da ſie in rückſichtsloſer, die Gefühle ihres Gatten nicht ſchonender Weiſe ſür die Revolution ſchwärmte.


