Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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RAÖAAR

Zeughaus mit den alten Waffen und Rüſtungen, und den engen Kerker worin Prinz Friedrich ²⁷) ein Jahr lang gefangen ſaß, und das Bett ²s) worin die fromme Fürſtin ſchlief.

Die Gegend iſt herrlich: erſt das nahe, waldige Gebirge, den breiten nakten Felſen in der Mitte, wild wie die Männer die hier hauſten und groß wie der, der einen gröſeren Kampf unternahm als ſie, und ihn ſiegreich vollendete an dieſe wilde Gegend ſchlieſen mehrere buſchigte Thäler, die den Üüber gang in die weite Ebene ſanft vermitteln. Ich konnte den gefahrvollen Weg um die Mauern der Burg nicht vollenden und muſte an der Seite, an welcher das Hauptgebände liegt, herabſteigen; ſo ent⸗ deckte ich zufällig die Seite, von welcher die Burg geſehen werden muß, die einzige von welcher ſie ſich würdig ausnimmt. Es ſcheint mir nicht recht, daß der Herzog ²⁸) die eine Hälfte des Schloßgebäudes hat niederreißen und neu bauen laſſen um da wohnen zu können; ſollte es indeß geſchehen, ſo mußte alles alte wegfallen und die Reſte der alten Zeit mußten blos im Innern aufbewahrt werden, denn ſo iſt es Flickwerk. Das neue Gebäude für ſich betrachtet iſt recht paſſend: modern, aber maſſiv und höchſt einfach.

26. 27. Julius.(Eiſenach⸗Weimar). Goethe. Schlichtegroll. Jacobs. Lenz. Jean Paul. Bibliothek. Hof. Erfurt.

Die Poſt hatte mich in Eiſenach ſo lange warten laſſen ³⁰), daß ich zu ſpät nach Schnepfenthal gekommen wäre, ich ging deswegen gar nicht hin und ſetzte es auf das Reſtantenverzeichniß, das noch meiner Rückreiſe den Reiz der Neuheit geben ſoll ³¹).

Gotha iſt eine ſchöne, freundliche, lebendige Stadt: der Friedenſtein über ihr giebt ihr ein recht vornehmes Anſehen. Auf ihm und noch mehr auf dem Seeberg iſt die Ausſicht weit, aber größtentheils unbedeutend ³²).

Im Schlichtegrollſchen Hauſe wurde ich ſehr liebevoll aufgenommen ³³); durch ein glückliches Misverſtändniß kam ich zuerſt zu dem alten Rath Schlichtegroll, einem Mann in dem ein langes Ge ſchäftsleben(er iſt über 70 Jahre alt) die Züge der reinſten Humanität nicht hat verwiſchen können; wenn ich wählen müſte, ich glaube ich gäbe ihm den Vorzug vor allen andern Gliedern dieſes Hauſes; glauben Sie wohl, daß er noch vor einiger Zeit Jean Pauls Schriften mit vielem Intereſſe hat kennen

Rhönefahrten, Ausg. v. 1877 I. 5. 113.**) Es war aber nicht Friedrich, wie noch in vielen Büchern zu leſen ſteht, ſondern ſein älterer Bruder Diezmann; vergl. Chron. Sampetr. ed. Stübel in: Geſchichtsquellen der Provinz Sachſen I. p. 117 Anno domini 1281 gravis guerra orta est inter seniorem Albertum(dem Unartigen) lantgravium et filium eius Theodericum in qua eciam gwerra Cristanus captus est qui se redemit Quo soluto et ipse iuvenis lantgravius captus est et traditus est patri suo qui per integrum annum detinuit eum in castro Wartpere donec quibusdam commilitonibus ex captivitate ereptus est. Vergl. auch Wegele, Friedrich der Freidige, S. 86. ²) Der Wiederherſteller und genauſte Kenner der Wartburg, Prof. Ritgen, erwähnte in ſeinem Werke über dieſelbe nur ein altes Bett, das ſog. Lutherbett; u. S. 83 als wirklich echt aus der Zeit Eliſabeths blos einen Schrank. Welche Bewandtnis es dagegen mit jenem Savigny gezeigten angeblichen Bette der h. Eliſabeth hatte, zeigt Thon, die Wartbg. 4. Aufl. 1826. S. 65. A.:Eliſabeths hölzernem Bette ſchrieb man die Wunderkraft zu, daß es in Zahnſtochern die heftigſten Zahnſchmerzen vertreibe. Seit Jahrhunderten ſind in ſolchen kleinen Teilen mehrere Betten von der Wart⸗ burg weggetragen worden, die man immer wieder zu erſetzen wußte. Gewiß hat der Geheimrat Thon ſelbſt, der Ober⸗ aufſeher der Wartburg war, den Unfug abgeſtellt. ²²) Karl Auguſt.Dieſe Gegend hat an Schönheit nicht ihresgleichen in Deutſchland hatte er geſagt bei ihrem Anblick(Stahr, Weimar u. Jena I. 155.), vergl auch den Preis der Wartburg v. Friedr. Schlegel in ſ. Europa 1. Stück S. 3, der nach Steffens, des Naturphiloſophen, Angabe(IV. 304) des Naturſinns ermangelte. ³⁰) Er fuhr mit eigenem Wagen, übler reiſte im ſelben Jahre daſelbſt Steffens auf einem kranken und dann einem ſtätigen Pferde. IV. 45 47). ³) S. jedoch u. b. Erfurt; in Schnepfenthal hatte 1784 dertreffliche Salzmann die heute noch beſtehende Erziehungs⸗ anſtalt mit Beihilfe Herzog Ernſts II. von Gotha errichtet, welche verhältnismäßig am meiſten das Ideal des Philanthropismus, der rationaliſtiſchen Pädagogik, verwirklichte. ²²) Auch J. Paul(ſ. u.) haßte die Gothaer Gegend.(Nerrlich, J. P. u. ſ. Zeitgen. S. 86). ³³) Gewiß auf Empfehlung Friedr. Creuzers, der im J. zuvor in Gotha Jacobs, Schlichtegr. u. a. kennen gelernt hatte.