7 anmuthige Thal einzog, in deſſen Mitte das Franciſkanerkloſter— auf einem ſteilen Weinberg über der Stadt, an dem eine Reihe alter Linden herunter zieht— eine ſehr romantiſche Würkung that. Auch die Stadt fand ich ganz anders als ich erwartete: anſtatt der engen Straaſen und alten Häuſer, breite reinliche Straaſen mit neuen, zum Theil ſchönen und groſen Häuſern; vor dem Schloß, das mehr groß (nicht im äſthetiſchen Sinn) als ſchön iſt, ſtehen einige Reihen von Linden, und auf dieſe folgt ein groſer Platz, an deſſen Ende die Fagade der neuen Domkirche ſehr gut ins Auge fällt. Die Kirche ſelbſt(ich ſah ſie nur von auſen) gefiel mir nicht: ſie iſt in Form eines Kreuzes gebaut, anf dem mehrere runde niedrige Thürme wie Warzen ausſehen, die man abbinden möchte.— Das Franeiſkanerkloſter hatte mir ſo gefallen, daß ich hinaufgehen muſte, aber— ich mag das nicht allein genieſen, kommt mit mir, ihr Lieben! wir gehen den gepflaſterten Fußſteig hinauf, freuen uns über die ehrwürdigen Linden, die ihn bald auf einer, bald auf beiden Seiten begleiten, und langen unvermerkt auf der Höhe an, die uns unſre Wallfahrt zu dieſem Tempel der Natur ſo reichlich belohnt. Rechts an uns der fruchtbare Hügel, auf dem die Leidensgeſchichte in mancherley groſen und kleinen Gruppen prangt— dann vor uns das freund— liche Grün einer flachen Wieſe, von der Fulda in krummen Linien durchſchnitten— und wie ſich das ſchöne Wieſenthal links in die Ferne zieht, zwiſchen Bäumen und Dörfern, und unſrer Phantaſie Raum giebt zu lieblichen Bildern vom Urſprung des Fluſſes den es uns herführt— und dann die hohen, eckigen Rhönberge und unter ihnen die zackigen Ruinen der Eberszwacke²⁰)— und nun das ſchöne Halbrund geſchloſſen von einem andern Hügel, mit einer ſtattlichen Probſtey bebaut— und das Ganze menſchlich belebt durch das ſchöne Fuld zu unſern Füſen und durch die zierlichen Häuſer und Dörfer und Probſteyen rechts und links!— mit einer widrigen Empfindung hörte ich plötzlich hinter mir den Geſang der Mönche; warum verſtimmt uns das, da uns eine alte Burg, ein altes Kloſter ſelbſt in einer lachenden Gegend willkommen ſind und da doch beide Ruinen(die religiöſen und die architectoniſchen) auf Ein Mittelalter hindeuten? darum, weil dieſe die ganze hiſtoriſche Figur in uns hervorrufen, an der nun auch und vornämlich die ſchlichte Kräftigkeit hervortritt und uns erfreut— anſtatt daß jene uns nur noch das häßliche Gerippe zeigen, ohne das Leben und die Schönheit, die ihm die Muskeln geben.—
25. Julius.(Hünefeld⸗Eiſenach). Berka. Eiſenach. Wartburg.
Wie lieblich iſt der erſte Blick nach Thüringen, von den Höhen vor Berka, und mit welchen Hoffnungen erfüllt er das Herz des Wanderers!
Eine halbe Stunde vor Eiſenach erſcheint uns eine groſe Natur; zu beiden Seiten hohe, ſteile Berge und Felſen, mit Buchen und Kiefern bewachſen, und plötzlich vor uns der wilde, ſteile Berg der die Wartburg trägt. Die Burg ſelbſt erſcheint von dieſer Seite kleinlich und ſchlecht, die verfallenen Gebäude des Eingangs ſtehen in keinem Verhältnis mit ihrer Umgebung, beſonders wenn man weiß: das iſt Wartburg!
Das erſte was mir in Eiſenach bey einem flüchtigen Blick auf die Straaſe auffiel, war die ſchöne Bildung der Weiber und Mädchen, die ſie durch ihre häßliche Mantelkleidung vergebens zu ent⸗ ſtellen ſuchen.
Ich ging durch das Röſiſche Hölzchen(eine artige Anlage, die einem hieſigen Kaufmann gehört) nach der Wartburg; ein artiges Mädchen war meine Cicerone und zeigte mir die heiligen Reſte der
Zeiten, die nicht mehr ſind. Sein Zimmer, und die Kanzel, auf der Er ſtand und ſprach— und das auch was S. ſelber unten bei Erzählung ſeines Beſuches bei Wieland ſagt.— ²³) So nennen die Umwohner die groß⸗
artigen Ruinen der Ebersburg, ſ. Landau in Gottſchalcks Ritterburgen Deutſchlds. XI. S. 24—48; Zwackel iſt ein im Fuldiſchen ſehr übliches Wort für Zweiſpitz, Zweizack, Gabel. Vergl. Vilmar Idiot. S. 474; vergl. auch Dingelſtedt in den


