Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Das eigentliche Hauptziel von Savignys Studienreiſe und den Mittelpunkt ſeines Intereſſes bilden trotz der längeren Dauer ſeines Aufenthalts in Leipzig doch Weimar und noch mehr Jena. Lockte einer ſeits Weimar, beſonders ſeitdem auch noch Schiller dahin übergeſiedelt war²²), als die Hochburg der klaſſiſchen deutſchen Poeſie, ſo daß Jean Paul ſagen konnte:zunächſt will man in die nächſte Stadt, dann nach Weimar, dann nach Italien, ſo erſcheint Jena gerade in jenem Jahre als die Stätte der höchſten Entwickelung des philoſophiſchen deutſchen Geiſtes, als die Wiege der Syſteme dreier epoche⸗ machenden Denker, Fichtes, Schellings und Hegels ²³), und als der Sitz der eben entſtehenden kritiſch⸗ romantiſchen Dichterſchule, beide Orte zuſammen aber als ein hohes, herrliches in der Perſon Goethes gipfelndes Ganzes, in dem Wiſſenſchaft und Poeſie das höchſte Leben gewonnen hatten und von dem jedes hervorragende Talent ſich auf das lebhafteſte angezogen fühlen mußte. Es konnte alſo nicht fehlen, daß der in der wichtigſten Entwickelungsperiode ſtehende Savigny mit ſeinem jugendlich lebendigen, jeder Anregung zugänglichen Gemüte eine Fülle der mächtigſten und dauerndſten Eindrücke von dort mitnahm. Auffallend kann es vielleicht erſcheinen, daß in den Reiſebriefen wenig oder gar nicht von Goethe ²²²), Schiller und der herzoglichen Familie ſowie deren häuslichen Verhältniſſen die Rede iſt, doch wem wären die nicht ſattſam bekannt geweſen? ²⁵) Wenn dagegen von gleichzeitigen hochwichtigen politiſchen Ereigniſſen, von den Feldzügen in Italien, der Schweiz und Aegypten, von den Vorgängen in Frankreich, Neapel u. ſ. w. in ihnen ſo wenig Notiz genommen wird, als wenn dies alles auf dem Monde ſich vollzöge, ſo kann dies bei dem ausſchließlich litterariſchen Intereſſe jener Tage, in denen der Geiſt alles galt und die Materie nichts, niemanden wunder nehmen.

Wenden wir uns nunmehr den Reiſebriefen ſelber zu.Heute fahre ich noch nach Meerholz, ſchreibt er noch am 23. Juli an Friedrich Creuzer,von da morgen bis Fuld es folgen Weiſungen über nachzuſendende Briefe.Und nun noch ein herzliches Lebewohl, ihr Theuren! möge mich der Himmel euch wiederfinden laſſen ſo wie ihr jetzt ſeid(nämlich ſo gut gegen mich geſinnt) und doch anders (nämlich im Stand der h. Ehe); nochmals lebt alle wohl! S.

1.

24. Julius.(Meerholz⸗Hünefeld). Fulda.

Hier ſitz' ich in meinem reinlichen Stübchen in Hünefeld und denk' an Euch, ihr Guten, deren Andenken mich überall begleitet.

Ich kam zuerſt durch das einfach ſchöne Kinzigthal, dann durch abwechſelnde unbedeutende Gegenden bis vor Fuld. Ich war begierig, die einförmige ſteife Gegend und das enge finſtere Mönch ſtädtchen zu ſehen, das mir meine Phantaſie vorgebildet hatte, und erſtaunte nicht wenig, als ich in das meint, ſondern von Herder, aber nicht aus der griech. Anthologie überſetzt(wie Sauter nach Heyne angiebt), ſondern einer Üüberſetzung aus dem Indiſchen nachgedichtet, betiteltAbſchied des Einſiedlers. S. Suphan, Herd. W. 23. 416 u. 477 und Düntzer, Herd. W. VI. 14. 25 ff. 200 undCharl. von Stein II. 22. Leonhard Creuzer, der jene in Frankfurt an Frau v. Heyden, geb. v. Mettingh, Karolinens genauſte Freundin(Schweſter der bei Stark ungenau Frau v. Mething genannten Dame, die zuletzt jene Briefe aufbewahrte, welche nach deren Tode vernichtet wurden), übergab, nahm dieſe in Empfang und durfte ſie behalten. ²2¹²) Es geſchah allerdings erſt im Dezember 1799. ¹*²²) Er erſchien freilich erſt 1801 in Jena. ²³) Weit frühere Beziehungen Savignys zu Goethe als ſie Strehlke(Goethes Br. II. 141) nachweiſt, der auch einen Beſuch S.s im Goethe'ſchen Hauſe im J. 1823 erwähnt, ergeben ſich aus einem Brief von Cl. Brentano an den Buchhändler und ſpäteren Pfarrer Zimmer d. d. Caſſel 29. Nobr. 1807(in H. Zimmer, J. G. Zimmer u. d. Romantiker, Frankft. 1888. S. 176). Cl. teilt mitdaß ich mit Arnim nach Weimar gereiſt bin, wo ſich Savigny mit Familie, und Bettina und Mellina befanden; dort ſind wir täglich bei Goethe und er bei uns geweſen, und haben uns gegenſeitig lieb gehabt; auch iſt die Stelle wichtig für die Streitfrage bei Wendeler a. a. O. S. 403. ²⁸) S.