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agier oportet d. h. von Literatur“; und am 7. Juni 1799 ſchreibt er an Leonhard:„Das Zweite, wofür ich Ihnen auch nur ſagen kann, wieviel es mir werth iſt, iſt die Erfüllung eines meiner heißeſten Wünſche, die Bereitwilligkeit in eine philoſophiſche Correſpondenz zu treten“; mit einer der nächſten Poſten will er einen Anfang ſenden; am 21. Juni kommt dieſer an und iſt erhalten(8 SS.). Von den Freunden erhielt er dann ſelbſt viele philoſophiſche Schriftſtücke auf die Reiſe nachgeſandt. Nur die Einſeitigkeit, mit der alles Neue, um ſich durchzuringen, anfangs auftreten muß, ließ ſpäter den Führer der hiſtoriſchen Rechtsſchule auf philoſophiſche Durchdringung ſeines Syſtems Verzicht leiſten, obgleich er von jeher— was in jenem philoſophiſchſten aller Zeitalter auch nicht wunder nimmt— einen lebhaften Drang dazu empfand ¹).
Von Intereſſe ſind in dieſen 13 Briefen namentlich die wiederholte Parteinahme für„den edlen Fichte“(der damals gerade in Konflikt mit der Weimariſchen Regierung gekommen war) und gegen deſſen Gegner Schmid in Jena, Ausfälle gegen den antifranzöſiſchen Gentz— damals iſt Savigny noch Kosmopolit — und den Hiſtoriker Poſſelt, die Ankündigung der größeren Reiſe und des Reiſeplans, litterariſche Bemer⸗ kungen über Herders Metakritik und Jean Pauls Siebenkäs, eine ſehr abſprechende Außerung über Wieland (ſ. u.), ſeine Verehrung für Goethe, ein vorſichtiges Urteil über Schlegels Lucinde und endlich ganz beſonders eine Anfrage über die Verhältniſſe einer Frau von Günderode in Hlanau); er will nicht eröffnen, wes⸗ halb er ſich nach ihr erkundige. Die Tochter dieſer Frau, Karoline, geb. 1780, ein ſchönes, reichbegabtes Mädchen, Dichterin unter dem Namen Tian, hatte er in Frankfurt kennen gelernt ²), hatte auch nach einer handſchriftlich mir vorliegenden Notiz jemandes, der die Verhältniſſe genau kannte, einen tiefen Eindruck auf ſie gemacht und ſelbſt eine vielleicht mehr als flüchtige Neigung zu ihr gefaßt ²¹).
ſ. Huſemann in der Allg. Deutſche Biogr. IV. 445), Carriére(ſ. u. S.s Brf. Nr. 9), Weinrich u. a.; auch von Leonhard Creuzer waren ſchon„Skeptiſche Betrachtungen über die Freiheit des Willens“ erſchienen, die von keinem Geringeren als Fichte nicht ungünſtig(ſ. u.) rezenſiert wurden.— ¹⁸) Vergl. Enn eccerus a. a. O. S. 50. 51. und R. Schmid in der Deutſchen Viertelj. Schr. 1862. S. 149 u. ö.— ²⁰¹) S. Meuſebach bei Wendeler, Briefw. Meuſebachs mit den Brüdern Grimm S. 404: „Savigny, Creuzer und die Günderode, das waren alles Vertraute untereinander; auch Savigny hat die Günderode vorher geliebt.“ Karoline iſt auch gewiß gemeint, wenn er etwas gereizt in einem der mir vorliegenden Briefe an Leonhard ſchreibt: „Worauf bezieht ſich das, was Leonhardi ſchreibt? Hatten Sie ihm etwas darüber geſchrieben und kennen Sie vielleicht die G.? ich weiß nicht, ob ich über dieſes Mädchen dem Gerücht glauben ſoll, nach welchem ſie kokett oder prüd oder ein ſtarker männlicher Geiſt ſein müßte— oder ihren blauen Augen, in denen viel ſanfte Weiblichkeit wohnt. Ich glaube nicht, daß ſie für L. taugt und ich weiß nach dieſem Brief überhaupt nicht, was für ihn taugen könnte“.— 2¹) 5 Jahre ſpäter entſpann ſich zwiſchen ihr und Friedrich Creuzer, der 1799 trotz des Abratens ſeiner Freunde die 13 Jahre ältere Wittwe des in Marburg verſtorbenen Profeſſors Leske geheiratet hatte und in kinderloſer Ehe mit ihr lebte, ein bei dem Wider⸗ ſtreben ſeiner Gattin gegen eine Scheidung ausſichtsloſes Liebesverhältnis, nach deſſen Löſung durch Creuzer die Verzweifelte am 26. Juli 1806 ſich ſelbſt bei Winkel a. Rh. erdolchte. Dieſer Ereigniſſe thut Savigny in den dieſer Zeit angehörenden Briefen an Creuzer aus Zartgefühl keine Erwähnung, wie auch Creuzer in ſeiner Selbſtbiographie ſie übergeht.— Vergl. das freilich nicht als geſchichtlich zu nehmende Buch ihrer Freundin Bettina Arnim„Die Günderode“ 2 Bde. 1840(eine dithyrambiſche Schilderung Karolinens ſ. I. 91) und verſchiedene Stellen ihres„Goethes Brieſw. mit e. Kinde“, ſowie Erſch u. Gruber, Encyelop. Teil 97. und den kleinen Artilel von Holland in d. Allg. Dtſch. Biogr.; ihre Dichtungen ſind— nach Sauter(ſ. u.) zwar nicht vollſtändig— herausg. v. Fr. Götz, Mannheim 1857(„Tian“); ihr Porträt— nach Stark das einzige getreue— findet ſich in ihren 1858 ebenda erſchienenen„Geliebten Schatten“; ein anderes iſt dem Aufſatz v. Sauter über die G. in Weſterm. Mon. H.(23, 254— 60) beigegeben. Eine authentiſche Darſtellung des unglück⸗ lichen Verhältniſſes giebt gegenüber manchen unrichtigen, auf einen Brief von H. Voß ſich ſtützenden Ausführungen ſſolche auch noch b. Sauter 1868) ein Artikel der Tochter Leonhard Creuzers, Frau Profeſſor Grebe, im„Frankfurter Konver⸗ ſationsblatt“(Beiblatt zur Poſtzeitung) 1862. Nr. 164—66; auch wird daſelbſt Näheres mitgeteilt über Creuzers zweite Frau, die nicht„ein hübſches Landmädchen“ war(Sauter u. a.), ſondern die Witwe des Privatdozenten Dr. Weber, welche erſt am 14. September 1889 zu Heidelberg geſtorben iſt.— Karolinens Brieſe an Creuzer ſind verbrannt, diejenigen Creuzers an ſie aber— entgegen der Angabe v. Stark a. a. O. S. 40. A.— noch vorhanden und zur Herausgabe vorbereitet. Nach Ausweis derſelben ſind die meiſten Gedichte Karolinens vernichtet. Auch ihre Grabſchrift zu Winkel iſt nicht von ihr, wie Stark


