Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Belehrung über die rechtliche Seite mancher Gegenſtände ſeines Studiums ¹⁰), ſo hat andererſeits auch Savigny den gelehrten Rat oder die Auskunft des Philologen öfter in anſpruch genommen.

Durch einen beſtändigen mündlichen und ſchriftlichen Gedankenaustauſch, durch zeitweiſes Zu⸗ ſammenwohnen in Marburg, durch öftere gemeinſame Wanderungen an Rhein und Lahn wurde zwiſchen dem phantaſievollenRomantiker unter den Philologen, der ſelbſt wenn auch mit Unrecht ¹¹) myſtiſch⸗katholiſierender Tendenzen von Voß u. a. beſchuldigt ward, und dem Schwager der Romantiker Arnim, Clemens und Bettina Brentano, deſſen Gattin einer ſtrengkatholiſchen Familie angehörte und der ſeine Kinder katholiſch werden ließ ¹²), der feſteſte Freundſchaftsbund geknüpft, der erſt mit Creuzers Tod(16. Februar 1858) endete. Der Briefwechſel, den beide nach ihrer Trennung führten, blieb dann auch andauernd ſehr rege, und in der erwähnten Schrift hat Enneccerus, dem überhaupt etwa 110 meiſt an die Vettern Creuzer und an die Familie Bang gerichtete Briefe Savignys vorgelegen haben, neben 5 an Bang und 1 an Boſtell ¹³) gerichteten, auch 6 von Savigny an Creuzer veröffentlicht, die den Jahren 1804 40 angehören; das höchſte Intereſſe unter dieſen 12 erregt der letzte, der(daſ. S. 70 73) für Savignys tolerante religiöſe Anſchauungen bezeichnend iſt. Außer jenen é liegen mir nun noch 134 weitere Briefe von ſeiner Hand vor, die Prof. Enneccerus nicht eingeſehen hat und von denen 74 an Friedrich, 45 an Leonhard, 15 endlich an beide zuſammen gerichtet ſind. Ihr Inhalt iſt geeignet das Bild des großen Mannes entweder weiter auszuführen oder anderweit Bekanntes zu beſtätigen. Dieſe 140 Briefe verteilen ſich über die Jahre 1798 bis 1838; die an Friedrich Creuzer hören ſchon mit dem Jahre 1836 auf; wohin die übrigen gekommen ſind, habe ich nicht ermitteln können; in dem hand⸗ ſchriftlichen Nachlaß Creuzers, der ſich auf der Hof⸗ und Staatsbibliothek zu Carlsruhe befindet, ſind, wie mir von da mitgeteilt wurde, keine Briefe von Savigny vorhanden; daß der Briefwechſel über das Jahr 1838 hinausging, iſt ſicher anzunehmen, da das enge Verhältnis der drei Freunde bis zum Tode der beiden Vettern beſtand ¹⁴).

Sämtliche Briefe ſind mit ſchönen, klaren, feſten und ſtets ſich gleichbleibenden Zügen ge ſchrieben und mit verſchwindend wenigen Ausnahmen ſorgfältig datiert. überall zeigt ſich ſchon in den auch für ſein lebhaftes Naturgefühl zeugenden Briefen der erſten Jahre(1798 1800) eine ſtiliſtiſche Gewandtheit, eine Lebendigkeit der manchmal auch witzigen oder ironiſch gefärbten Darſtellung, eine Klarheit des Ausdrucks, verbunden mit feiner Beobachtungsgabe, Schärfe der Charakteriſierung und Sicherheit des Urteils, die die künftige Größe des jugendlichen Verfaſſers ahnen laſſen, und durch alle brieflichen Äußerungen jener 40 Jahre geht ein ſo tiefes Gefühl für Freundſchaft, eine ſo herzliche Menſchenliebe, eine ſo hohe Begeiſterung und neidloſe, freudige Anerkennung für alles Schöne und Edle, eine ſolche Abneigung gegen alles Niedrige und Gemeine, daß man ihn von Herzen lieben muß. ¹⁵)

Namentlich lebhaft ward die Korreſpondenz in den Jahren 1799 und 1800 geführt, da in dieſer Zeit Savigny etwa ein Jahr lang(Juli 1799 Auguſt 1800) auf der oben erwähnten Studienreiſe nach Sachſen und Böhmen abweſend war; nach derſelben tritt eine Pauſe im brieflichen Verkehre ein, da bis 1803 die drei Freunde in Marburg zuſammen lebten und ſogar wohnten, zu beſonderer Freude

S. 24; ſ. auch S. 17. ¹⁰) Aus d. Leben u. ſ. w. S. 151; u. S. 28:wo ſollte ich endigen, wenn ich S.s Verdienſte um mich würdigen wollte? S. auch S. 27 u. 29. ¹¹) S. Wilh. Grimm bei Stengel J. 69. u.Aus d. Leben u. ſ. w. S. 55. ¹¹) Sein Sohn Karl Friedrich, der als preuß. Bundestagsgeſandter am 14. Juni 1866 den Austritt Preußens aus dem deutſchen Bund erklärte, war nach ſ. Austritt aus dem Staatsdienſt ſogar einer der Führer des klerikalen Cen⸗ trums; er hatte ſtrengkatholiſche Anſtalten ſelbſt in Rom und Neapel beſucht; doch wurde eine Tochter S.s, nachdem es ihr freigeſtellt worden, proteſtantiſch,was der Mutter ſicher unlieb war; Jakob Grimm bei Stengel I. 94.*) Studien⸗ freund Brentanos; ſiehe Enneccerus a. a. O. S. 56 u. Savignys Brf. Nr. 8. ¹¹) Noch im Jahre 1855 trat(nach einer Mitteilung Creuzers an Ullmann; ſiehe Stark a. a. O. Note 13) Savigny unerwartet bei Creuzer ein, um ſofort in ein theologiſches Geſpräch ſich mit ihm zu vertiefen. ¹³⁴) Sein Porträt iſt dem Aufſatz über Savigny von Bluntſchli in Weſtermanns Monatsheften 46, 321 beigegeben; übrigens war er ſchwer zu treffen; ſ. J. u. W. Grimm 1 2