Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Es iſt danach nicht auffallend, wenn Savigny auch ſpäter dauernde Beziehungen zu unſerer engeren Heimat unterhielt; neben dem Profeſſor der Rechte Weis, ſeinem Lehrer, dem er zeitlebens die höchſte Pietät bewahrt hat, ſtanden ihm beſonders nahe der Pfarrer H. Chr. Bang zu Goßfelden (1774 1851), Sohn des tüchtigen Philologen Pfarrers J. Chr. Bang ebenda, des Freundes v. Wytten⸗ bach ³), ferner die Brüder Grimm), früher noch der bekannte Theolog und Pädagog Fr. H. Ch. Schwarz (1766 geb., 1837 als Profeſſor zu Heidelberg) und endlich die beiden untereinander wieder auf das innigſte befreundeten Vettern Leonhard Creuzer(geb. 1768 zu Marburg, 1844 ebenda als Konſiſtorialrat und Profeſſor⁵) und der drei Jahre jüngere berühmte Philolog Friedrich Creuzer, der, 1771 zu Marburg geboren, 1858 als Profeſſor emeritus zu Heidelberg ſtarb. Mit den beiden zuletztgenannten und Bang hat dann Savigny auch eine dauernde briefliche Verbindung unterhalten, und Profeſſor Enneccerus in Marburg hat zuerſt im Anhang zu der Ausarbeitung ſeiner i. J. 1879 beim Savigny-Jubiläum ge⸗ haltenen Feſtrede, in der er mit wohlthuender Wärme die edle Geſtalt Savignys in ihrer ganzen wiſſen⸗ ſchaftlichen Bedeutung auch dem nichtjuriſtiſchen Leſer naherückt, 12 teilweiſe überaus feſſelnde und charakteriſtiſche briefliche Auslaſſungen Savignys an dieſe heſſiſchen Freunde veröffentlichté), während in der obengenannten Darſtellung ſeines Lebens von ſeinem berühmten Schüler Rudorff dieſer Beziehungen keine Erwähnung geſchieht.

Daß namentlich Friedrich Creuzer und der acht Jahre jüngere Savigny während ihres Zuſammenlebens in Marburg ſich ſo innig für das ganze Leben aneinander ſchloſſen, beruhte zunächſt auf der Gleichartigkeit ihrer Charaktere; darf man doch einen wie den anderen mit vollſtem Recht als eine anima candida bezeichnen, wie Creuzer von Wyttenbach genannt wird); waren doch beide tiefe und innige, ſinnige Naturen, ſelbſtlos und aufopfernd, von mildem und tolerantem, beſcheidenem) Sinn und wahrhaft vornehmer Denkungsart, abhold zwar nicht jedem wiſſenſchaftlichen Streit, den Savigny(in einem Briefe v. 14. März 1800) vielmehr den wahren Weg zur Wahrheit nennt, wohl aber dem lauten, den Gegner herabſetzenden Gezänke; es beruhte ferner auf der hohen Begeiſterung beider für das klaſſiſche Altertum, deſſen erziehenden Ein⸗ fluß auf die folgenden Geſchlechter beide erkannten und verwerteten, in dem beide lebten und webten und von dem aus Savigny die juriſtiſche Wiſſenſchaft reformiert hat; auch der Juriſt war philologiſch völlig durchgebildet, beherrſchte ebenfalls die lateiniſche Sprache vollſtändig, war ein Meiſter der Interpretation und von dem umfaſſendſten Wiſſen und allſeitigem Intereſſe⁰). Verdankte Creuzer dem Freunde vielfache

S. 140.) Der ältere Bang(17361803) war der Mutterbruder und Lehrer Friedrich Creuzers und unterrichtete auch S. im Griechiſchen; über ihn wie über den jüngeren ſ. Fr. Creuzer, Aus dem Leben eines alten Profeſſors S. 1416. Enneccerus in d. ſofort z. erwähnenden Schr. S. 10. A. 8. u. Stengel, die Beziehungen der Brüder Grimm zu Heſſen 1886 II. 150.(ſ. J. Grimm, Verm. Schr. I. 113 ff. bſds. 115).) Die auch ſonſt hinlänglich bekannte innige Freundſchaft Savignys mit den Brüdern Grimm, wie diejenige mit Bang, tritt auch beſonders hervor aus den 38 Briefen, welche die Brüder an den letzteren geſchrieben haben(veröffentlicht von Prof. E. Stengel zu Marburg I. 24123.), in deren jedem beinahe Savigny genannt iſt und worin auch längere briefliche Mitteilungen desſelben an die Brüder an

Bang weitergeſchrieben werden. Dieſe Briefe, 1814 beginnend, reichen nur bis zum Jan. 1839.) S. über ihn den Artikel von Juſti in d. Allgemeinen Kirchenztg. 1844 Sp. 1057 61. ⁰⁹⁰) Erſchienen 1879, Marburg, Elwert, 77 SS.)) Aus dem Leben u. ſ. w. S. 54 A.*) Nicht viele dürften wohl Burſian zuſtimmen, der

(in ſ. Geſch. d. klaſſ. Philol. I. 563) in Creuzers Selbſtbiographiewohlgefällige Selbſtbeſpiegelung findet, da im Gegen⸗ teil überall die tiefe Beſcheidenheit des Mannes hervortritt; dieGeſchwätzigkeit des Alters kann man ihm eher zugeben. B. Stark in der gehaltreichen Ausarbeitung einer Rektoratsrede,Fr. Creuzer, ſ. Bildungsgang u. ſ. wiſſ. wie akad. Bedeutg. Progr. v. Heidelberg 1874, wiederabgedr. in ſ.Vorträgen u. Aufſ. hersg. v. Kinkel 1880, S. 37, findet ihn allzu beſcheiden u. W. Menzel in ſ.Denkw. Bielefeld 1877 erzählt S. 197 von ſeinem erſten Beſuch bei Creuzer:Er war äußerſt lebhaft und geiſtreich und man mußte ihn liebgewinnen. Ich fand bei ihm nicht den geringſten Profeſſoren⸗ hochmuth, ſondern die anmuthigſte Natürlichkeit und die ſeltenſte Beſcheidenheit. Von Intereſſe ſind auch die allerdings nur auf die kleine Selbſtbiogr. Cr.s(im 16. Band derZeitgenoſſen S. 2 47; auch in Vahlens Autobiogr. 1882 II. 81134) ſich bezie⸗ henden Urteile J. Grimms und Savignys b. Stengel I. S. 78 u. 80.) Vergl. W. Humboldt bei Rudorff a. a. O.