Aufsatz 
Friedrich Karl von Savignys Sächsische Studienreise 1799 und 1800
Entstehung
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Friedrich Karl von Javignys Jächſiſche Studienreiſe

1799 und 1800.

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ls am 21. Februar 1879 die juriſtiſche Welt allerorten den hundertjährigen Geburtstag Fr. K. von Savignys feierte, da durfte man auch beſonders in unſerem fränkiſchen Heimatlande, namentlich in unſerer Provinz, mit Stolz der Beziehungen gedenken, in denen der große Rechtslehrer und ſeine Familie zu derſelben geſtanden hatten. War dieſer doch der Urenkel des Fürſtlich Naſſauiſchen Präſidenten L. J. von Savigny zu Weilburg, des furchtloſen litterariſchen Bekämpfers von Ludwig XIV. und ſeinen Reunionen ¹), deſſen Vater, Paul von Savigny, von den Grafen von Leiningen⸗Weſterburg aus der lothringiſchen Heimat des alten Geſchlechts 1630 als achtjähriger Knabe der proteſtantiſchen Religion wegen nach Deutſchland mitgenommen worden war und in dem Leiningenſchen Lehen Caleſtadt Grundbeſitz auf deutſchem Boden erworben hatte; war er doch ferner der Enkel des Gräflich Naſſau⸗Saarbrückenſchen Rates Ludwig von Savigny, der, vermählt mit der Tochter des Heſſen⸗Hanauiſchen Kanzlers von Crantz das ſtattliche Gut Trages(Trachenhus) bei Hanau erwarb, das noch heute der Hauptſitz der Familie iſt; war doch endlich Friedrich Karl ſelbſt und ebenſo ſeine Gattin, Kunigunde Brentano, Schweſter von Clemens und Bettina, in Frankfurt a. M. geboren und erwachſen, wo ſein Vater, Chr. Karl Ludwig von Savigny, von der deutſchen Reichsritterſchaft in ihren Verband aufgenommen, als Geheimer Rat des Fürſten von Naſſau⸗Uſingen dieſen ſowie mehrere andere deutſche Fürſten auf dem oberrheiniſchen Kreis⸗ tage als Geſandter vertrat. Und nachdem Friedrich Karl als 12jähriger Knabe den Vater, mit 13 Jahren die Mutter, und vorher ſchon ſämtliche zwölf Geſchwiſter verloren hatte, fand er eine Heimat in Wetzlar bei ſeinem Vormund, Aſſeſſor am Kammergericht von Neurath, und bezog dann, 16 Jahr alt geworden, die Hochſchule in Marburg; hier hat er mit Ausnahme eines einzigen Semeſters, das er in Göttingen verbrachte²), und des Sommerſemeſters 1797, in dem er zu Trages ſeine ſtark angegriffene Geſundheit wieder herſtellte, ſeine ganze Studentenzeit verlebt, hat nach einer über ein Jahr dauernden Studienreiſe, von der unten beſonders die Rede ſein wird, im Jahre 1800 promoviert, hier hat er unmittelbar darauf auch ſeine glänzende Laufbahn als akademiſcher Lehrer begonnen und bis 1803, zuletzt als außerordentlicher Profeſſor, gewirkt.

¹) S. Schliephake⸗Menzel, Geſch. v. Naſſau VII. 5375. Näheres über ihn auch von K. Schwartz in den Annal. d. Naſſ. Geſch.⸗Vereins IX. 372 ff., wo auch die Aufſchrift ſeines in der Kapelle des Kirchhofs in Weilburg ſtehenden Grabſteins mitgeteilt wird; Proben aus jener politiſchen Schriftla dissolution de la réunion, in der die Grundlage für jede Kenntnis S.s bildenden Abhandlung v. Rudorff, Fr. C. v. S.(Sonderabdruck aus der Zeitſchrift für Rechtsgeſchichte II. 1.) Weimar 1862, S. 8 u. 9., der auch die übrigen Angaben über S.s Familienverhältniſſe entnommen ſind.) Er wohnte da im Winter 1796/7 Weender Str. Nr. 8(Kaufm. Dreyer). S. O. Mejer, Culturgeſch. Bilder aus Göningen 1889.