Aufsatz 
Zur Erklärung des Homer und Horaz / von Heinrich Stöpler
Entstehung
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Über Hor. Carm. 4, 7, 2124.

Den Tod mit dem Exile, dem politiſchen Tode, zu vergleichen und ihn als ewiges Exil zu bezeichnen, lag und liegt dem Dichter nahe. Carm. 2, 3, 27. Versatur urna serius ocius Sors exitura et nos in aeternum ExXSsilium impositura cumbae. Den Vergleich aber bis auf die einzelnen legislativen Akte bei der Verbannung auszu- dehnen, kommt wohl eher dem Juriſten zu als dem Dichter. Und doch hat es Horaz gethan: Cum semel occideris et de splendida Minos Fecerit arbitria,. Non, Torquate, genus, non te facundia, non te Restituet pietas. Warum? Weil er glaubte, zu dem Sachwalter Torquatus(vgl. Epiſt. 1, 5, 8 ff. und 1, 5, 31), um auf ihn zu wirken, dem sermo forensis gemäß reden zu mülfſen. Doch betrachten wir das Einzelne. Der Menſch erliegt, bevor er den Schauplatz feiner politiſchen, reſp. feiner Lebensthätigkeit verläßt, den politiſchen Feinden, der Krankheit oder Gewaltthat. Vom Erliegen wird in beiden Fällen dafſelbe Wort gebraucht: occidere.

Leiblicher Tod. Politifcher Tod. Carm. 4, 7, 21 Cum semel occideris. Cicero ſchreibt aus dem Exil über fein Exil ad Quin- Carm. 1, 24, 9 Multis ille bonis flebilis occidit. tum fratrem 1, 4, 4: Si levare potest communem casum Carm. 1, 28, 7 Occidit et Pelopis genitor. misericordia hominum, scilicet incredibile quiddam adse- queris; sin plane occidimus me miserum! ego

omnibus meis exitio fuero.

Intereſfant dadurch, daß der entgegengeſfetzte Zuſtand des politiſchen Einfluffes als«Wohlbehaltenheit»,«Gefund- heity bezeichnet wird, iſt Cic. ad fam. 4, 3, 2: Qua re meminisse debes eos, qui autoritatem et consilium tuum non sint secuti, sua stultitia occidisse, cum tua prudentia salvi esse potuissent.

Den endgültigen Abſchluß des politiſchen wie des leiblichen Lebens indellen bildete erſt das Urtheil, das über die Betreffenden geſprochen werden mußte.

Cicero, um bei diefem Beiſpiele zu bleiben, nennt feine Verbannung in der Regel einen (freiwilligen) discessus, kein exilium, weil nach feiner Meinung ein gültiges Urtheil fehlte. Vgl. Ialm zu pro Milone 36 Quid? ego, judices, cum maercutibus vobis urbe cessi, judiciumne timui?

Nicht anders iſt es im Todtenreiche nach der Anſicht der Alten. Hier urtheilen bei Horaz Minos und Aceacus(Carm. 2, 13, 22), nicht nach ſtrengen Rechtsnormen, ſondern nach der aequitas entſcheidend..

Daher wagt er gegenüber dem pedantiſchen Anwalte nicht von judicia zu ſprechen, während er doch fonſt ſagt:

Carm. 2, 13, 22: Et judicantem vidimus Aeacum. Carm. 3, 3, 19: Ilion, Ilion Fatalis incestusque judex

Et mulier peregrina vertit, 3*