Aufsatz 
Zur Erklärung des Homer und Horaz / von Heinrich Stöpler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17 8

Lustratam Rhodopen, ut mihi devio Ripas et vacuum nemus Mirari libet. Ahnlich Verg. Aen. 2, 31 Pars stupet innuptae donum exitiale Minervae Et molem mirantur equi. Zum Fragelatz nach mirari mag man vergleichen Prop. 4, 9, 1 Mirabar, quidnam misissent mane Camenae, Ante meum stantes sole rubente torum. Verg. Buc. 1, 36 Mirabar, quid maesta deos, Amarylli, vocares, Cui pendere sua patereris in arbore poma.

Die Situation aber iſt, wie ſie Dillenburger ſchildert: Qui(Maecenas) quum nesciret, quid hoc potissimum die, Matronalibus, caelebs Horatius cenam instituisset, domum intrans sacros ibi apparatus mirari se vultu exprimit. Jam hoc carmine cogitandum est excipere Horatium laete amicum quidque sit rei explicare. Das Ganze als eine Fiktion anzufehen mit Orelli-Baiter, iſt wohl nicht nöthig. Horaz konnte recht wohl ſchon im Voraus die die Situation zeichnende Ode gefertigt haben. Er war eben feiner Sache ſicher, es mußte den Maecenas überraſchen.

Zu Hor. Carm. 1, 7.

Daß unfre Ode die Antwort auf einen Brief des Plancus iſt, der ſich damals im Lager befund, darin ſtimme ich mit Schenkl(Zeitlchr. f. d. Oſtr. Gymn. 23, 9) völlig überein, jedoch nur darin. In diefem Briefe, fo fcheint es mir, hat Plancus ihm mitgetheilt, er fühle ſich in feiner Stellung unglücklich und beneide ihn um den Aufenthalt in dem herrlichen Tibur, der ihn ſo zufrieden ſtimme. Horaz erwidert:

Daraus, daß ich in meinen Gedichten Tibur preife, darfſt du nicht ſchließen, daß es ein Ort fei, der mich und jeden befriedigen müffe.

Betrachte nur, welche Städte die andern Dichter beſingen. Die einen werden Rhodus loben oder Mitylene oder Ephefus, Korinth, Theben, Delphi, Tempe.

Laudare vom dichterifchen Preifen zu verſtehen, dazu nõthigt wohl die offenbare Gleich- fetzung mit carmine celebrare(Strophe 2) und dicet(Strophe 3). Anders ſteht es Epist. 1, 11, 6 Epist. 1, 11, 21. Ob claram hier als chelles» oder als«berühmtes» zu falfen ſei, iſt nicht leicht zu entscheiden. Für letztere Bedeutung ſcheint z. B. zu ſprechen Catull. 4, 8 Rhodumque nobilem, doch fällt dagegen in die Waglſchale, daß offenbar hier Rhodus und Mitylene genannt lind in Beziehung auf Tibur als Orte von außerordentlicher Naturſchönheit. Vgl. auch die von Lambin hierzu angeführte Stelle Pind. Ol. 7, 100 ff. Reifferfcheid im Breslauer Lektionskatalog 1879/80 p. 4 will mit Mitloherlich hierin eine Anſpielung auf ein freiwilliges Exil erblicken, in das Plancus zu gehen entſchloffen war. Daß eine Nöthigung bei Horaz einer Verbindung beider Ortlich- keiten dieſe Bedeutung zu kwinletecn nicht vorliegt, erſieht man aus

Epist. 1, 11, 17 Incolumi Rhodos et Mitylene pulchra facit, quod Paenula solstitio.

Horaz fährt fort:

Athen wird von manchen Dichtern unaufhörlich verherrlicht und iſt von jeher verherr- licht worden. Auch Argos und Mycenä findet ſeine Sänger.

Carmine celebrare dichteriſch verherrlichen» wie

Carm. 1, 12, 1 Quem virum aut heroa lyra vel acri Tibia sumis celebrare, Clio?