— 16—
Iſt unfer Gedicht die Einladung zu dem Feſte, von dem es handelt? Nein, denn nach den Worten des Dichters(miraris) kennt Maecenas beim Empfange des Gedichtes ſchon die Zurüſtungen zum Feſte.
Maecenas, fagt Witſcherlich, habe dem Dichter fein Erſtaunen über die Einladung und die in ihr erwähnten Zurüſtungen, hauptfächlich aber über die Wahl des Tages brieflich mit- getheilt. Unſer Gedicht fei die Antwort hierauf.
Dagegen z. B. Nauck: UÜbrigens iſt aus Allem erſichtlich, daß nicht der abwefende zum Feſtmahl, fondern der bereits erſchienene und über die Zurüſtungen ſtaunende Macrenas zum Trinken eingeladen wird. Ebenfo Dillenburger in ſeiner trefflichen Ausgabe u. a
Es ſtimmen aber Mitſcherlich einerfeits und die Letztgenannten andrerſeits überein in der Erklärung von Docte sermones utriusque linguae. Hören wir darüber Dillenburger: Admodum festiva alloquendi ratio:«quid mihi sit caelibi cum matronalibus, tu, quanquam peritissimus es rerum sacrarum et Latinarum et Graecarum, tota ista doctrina non assequeris». Sermones enim litterae ipsae sunt. cf. Cic. de off. 1, 1, 1. Mart. 10, 76, 6 amicus lingua doctus utraque. Suet. Claud. 42 Cuidam barbaro Graece et Latine disserenti, tum utroque, inquit, sermone nostro sis paratus. Wäre diefe Erklärung richtig, fo würde die Annahme von Mitſcherlich als die weit- aus natürlichere entſchieden vorzuziehen lein.
Beweifen aber die drei Beiſpiele Dillenburger's etwas für die Bedeutung von sermones? Die erſten béiden gar nichts, da ſie das Wort gar nicht enthalten, das dritte etwas, was für die Erklärung Dillenburger's ohne Bedeutung iſt, nämlich, daß sermo ſo viel iſt als«Converſation, Fähigkeit, ſich zu unterhalten?.
Doch wollten wir felbſt, was wir nicht thun, für jene Stellen die Bedeutung zugeben, welche Dillenburger annimmt: iſt denn die Literatur» in folchem Grade Fundgrube für creligiöfe Gebräuche und Sitten», daß der eine Ausdruck ohne Weiteres für den andern an unſerer Stelle gefetzt werden konnte? Aber auch die aus Horaz
Carm. 3, 21, 10 Non ille, quanquam Socraticis madet Sermonibus, te negleget horridus und Epist. 2, 2, 60 Carmine tu gaudes, hic delectatur iambis, Ille Bioneis sermonibus et sale nigro von Schüteæ für unfre Stelle angenommene Bedeutung«Sprüche» können, wir als genügend nicht bezeichnen. Denn wie follte alle in ihnen niedergelegte Lebensweisheit beitragen zur Kenntniß des Kalenders und feiner Feſte?
Sermones bedeutet an unfrer Stelle vielmehr, wenn ich recht fehe, Geſpräch» mit be- fonderer Beziehung auf die einzelnen Ausdrückes und«Wendungen». Der ganze Ausdruck aber,«der du dich lateinifch und griechifch gleich gewandt auszudrücken verſtehſt» foll, denke ich, nur den feinen Weltmann bezeichnen, der immer ein paffendes Wort hat, nie in Verlegen- heit geräth. Hier aber widerfährt es felbſt diefem, daß er miratur, d. h. vor Staunen ganz ſtarr iſt. Denn mirari gebraucht Horaz auch fonſt geradezu gleich stupere oder wenigſtens dielem ſehr nahe kommend:
Carm. 3, 25, 9— 14 Non secus in jugis Edonis stupet Euhias, Iebrum prospiciens et nive candidam Thracen ac pede barbaro


