Aufsatz 
Zur Erklärung des Homer und Horaz / von Heinrich Stöpler
Entstehung
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B. Zu Horaz.

UÜber Hor. GCarm. 1, 1.

J. F. C. Campe hat in den N. Jahrb. f. Ph. u. P. 101, p. 125 142 das Wichtigere, was zur Erklärung und Kritik unfrer Ode vorliegt, überſichtlich zufammengeſtellt und in befon- nener Weilſe beurtheilt. Im Anſchluſfe daran hat er dann eine im Einzelnen oft neue Deutung der Bilder verfucht, in denen uns Horaz die verſchiedenen Beſtrebungen der Menſchen vorführt. Ich vermag leiner Beurtheilung der früheren Leiſtungen im Ganzen beizuſtimmen, bin aber meinerfeits doch zu einer von feiner Deutúng einigermaßen abweichenden Erklärung der Bilder gekommen...

Die Menſchen, ſo verſtehe ich Horaz, fühlen alle vorzugsweife in einer Richtung ſich getrieben. Von dieſen einfeitigen Neigungen werden lie beherrſcht und geleitet. Der eine iſt. auf den Sieg im Weltkampf erpicht, der andre träumt nur von Ebrenſtellen der endlich nur von der Jagld.

I. Diefe einfeitigen Neigungen erſcheinen dem Dichter genau betrachtet alle als thöricht und eitel..

Denn alle meint er, wenn er auch an Beiſpielen, um den Leſer felbſt diefe Wahrneh- mung machen zu laflen, hierfür V. 3 10 nur drei in ironiſcher Übertreibung vorführt, an welchen ſchon an und für ſich das, was er zeigen wollte, am meiſten in die Augen ſpringt. Diefe drei Beiſpiele ſind auch in gewiſſer Weiſe erſchöpfend: ſie repräfentiren das angeblich dem Idealen gewidmete, das politiſche, das bürgerliche Leben. Die Anordnung enthält eine Steige- gerung, infofern das niedrigſte Streben zuletzt ſteht. Die Darſtellung verweilt mehr bei dem erſten Beiſpiele, um den falſchen Nimbus zu zerſtören, der jenes Streben in Vieler Augen um- ſchweben mochte.

II. Solche Neigungen, geht der Gedanke weiter, peherrfchen alle den Menfchen völlig und machen ihn ſtumpf und unempfänglich für andere Lebensrichtungen.

Dielen Gedanken ſchließt der Dichter auch äußerlich durch das nachdrücklich vorge- ſtellte gaudentem an das Vorhergende sunt, quos juvat an. Er läßt den an ein eintönig mühevolles und kümmerliches Leben gewöhnten Kleinbauern gleich eines Cröfus Schätze(Atta- licis condicionibus) ausſchlagen, weil ihm für das damit verbundene aufregende Treiben der innere Beruf fehlt(pavidus nauta).

Umgekehrt vermag der geldgierige reiche Kaufherr nicht in ruhiger Beſchaulichkeit in einfachen Verhältniflen fein Leben zu verbringen, was ihm doch einſt felbſt fo erwünfcht ſchien. Es treibt ihn wieder hinaus zu der Jagd nach dem Glücke lindocilis pauperiem pati). Auf der einen Seite alfo die, welche Ruhe um jeden Preis haben wollen; auf der andern die Ruhelofen. Dieſer Gegenſatz umfaßt die ganze Menſchheit. So genügen hier zwei Beiſpiele.

III. Indem aber der Menſch, fährt Horaz fort, feiner Neigung fröhnt, kehrt er fich an kein fremdes Urtheil...

Hierfür finden wir drei Beiſpiele. Zuerſt nennt er den Schlemmer, der einen Theil des zur Arbeit beſtimmten Tages verbringt, indem er edle Weine zecht und ſich dem dolce far niente hingiebt, bald im Schatten eines Baumes gelagert, bald am murmelnden Quell.

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