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vertrauend, in welcher sie diese anwenden wollen, begehren und hoffen; die anderen versehn mit langer Erfahrung, sich der Vergangenheit anschliessend, denken zurück und seufzen. Beides ist einseitig und kann zumal in aufgeregten Zeiten die Aufgabe einer wahren Schulbildung nicht erschöpfen, noch den Bedürfnissen genügen. Es muss vielmehr die Jugend als Vertreterin der Zukunft und das Alter als Vertreter der Vergangenheit zu gegenseitiger Verständigung streben, damit weder die Erin- nerungen noch die Hoffnungen des menschlichen Geschlechtes verloren gehen. Die Mittel aber dieser Verständigung, wie der Kenner auch ohne weitläuftige Erörterung gleich zugestehen wird, sind die Religion, die Geschichte und die classische Litera- tur. Denn die Religion trägt zu den Hoffnungen der besten Zukunft hinauf gegründet auf die prophetische Vergangenheit. Die Geschichte stellt in fortschreitender Ent- wickluang immer den Sieg der Wahrheit über die Lüge dar. Die Literatur, die classische Literatur, in allen ihren Zweigen von der Poesie durchdrungen, ist eben- so die Lyrik der Hoffuung als das Epos der Vergangenheit.
Also mögen auch immerhin jetzt die wissenschaftlichen Bestrebungen sich ändern, mögen die am besten gedeihen und am lautesten und höchsten gepriesen werden, welche früher ungekannt waren, oder welche am meisten eintragen, des Lebens Annehmlichkeiten befördern, auf Verkehr, Handel und Wandel gerichtet sind, während andere Zweige der Wissenschaft und Literatur, vordem in hohen Ehren und gesucht, sich jetzt mit dem stillen Beifall einer kleinen Zahl von Eingeweihten be- gnügen. Mag man noch so klar und gewiss erkennen, dass unsere Zeit schon längst im Uebergang aus dem Alten zu dem Neuen begriffen, in die Stunde der Entschei- dung gekommen ist, dass wer das Alte fest halten wollte, einen vielleicht achtungs- werthen, aber gewiss vergeblichen Kampf begönne. Und vergebliches zu beginnen, kann die Aufgabe auch nicht des Schulmannes seyn. Er muss ohnehin vergebliches genug thun. Seine Aufgabe ist vielmehr das Alte mit dem Neuen zu vermitteln, die Vergangenheit mit der Zukunft zu versöhnen. Mag demnach sich alles und jedes Verhältniss verändern; soll es zum Bessern seyn, so muss das Christenthum wieder, nur desto mehr und einzige Grundlage unserer Beamten werden. Die Sprachbildung aber wird sich in neuem Glanze erheben müssen in einer Zeit, wo das Wort trium- phirt. Damit dieses zum Heile des Vaterlandes siegreich sey, nicht zum Verderben, ist es von höchster Wichtigkeit, damit die Rede nicht leer von gutem Gehalte, wie so oft, die Menge fortreisse, die immer sich von wenigen leiten lässt, darum muss die Rede auf der Unterlage der Wahrheit stehend gleich dem Janus in der Geschichte Vergangenheit und in die sich darin abspiegelnde Zukunft schauen. So lange diese


