— 9—
mit den häufig angeführten Beispielen in der Wirklichkeit so verhalten, wie man sagt, immerhin bleibt es etwas sehr missliches auf die Ausnahmen die Regel zu gründen, zumal wenn das ganze zukünftige Lebensglück eines Menschen davon abhängt. Wer diesem unsichern Zufall das Wohl seines Sohnes nicht aussetzen will, der beobachte und prüfe bei Zeiten, ob dieser die angedeuteten Zeichen zu einer Befä- higung zu den Studien an sich trage. Ist dies aber der Fall, dann lasse er auch die rechten Mittel anwenden.
Welche wir für die einzig rechten Mittel zum Studiren halten, habe ich so oft schon angeführt und ausgeführt, dass ich Sie nicht nochmals damit vielleicht langweilen will, und unsere Meinung hat sich darüber nicht geändert. Aber die Zeit hat sich geändert, sollte diese nicht vielleicht auch andere Mittel zur Bildung ihrer künftigen Beamten erheischen? Möglich. Es ist jaschon mancher gebildete Kaufmann ein besserer Staatsminister gewesen als sein gelehrter Vorgänger, ein gewandter Krieger ein glücklicherer Unterhändler als ein steifer Jurist, ein kenntnissreicher Gutsbesitzer stand vielleicht mit mehr und gutem Erfolge Kirchen- und Schulen vor als ein philosophischer Vorstand. Es handelt sich aber jetzt nicht von den Umstän- den, welche einen und den andern zu hohen Stellen drängen, sondern von den Schul- und Unterrichtsmitteln, wodurch ordnungsmässig die verschiedenen Beamten heran- gebildet werden. Da gibt es allerdings verschiedene Wege und verschiedene Stufen. Ein Forstmann muss nicht nothwendig das Gymnasium besuchen und kann doch ein guter Forstmann werden, wenn er auch nicht die griechischen Namen seiner Botanik zu rechtfertigen versteht. Auf ähnliche Weise ist's mit dem Apotheker. Am Ende auch mit dem Arzte, wenn gleich dessen Wissenschaft einen höhern Grad von all- gemeiner, wissenschaftlicher oder philosophischer Bildung voraussetzt. Und um ganz meine Herzensmeinung zu sagen, es scheint mir auch der Jurist, wenn er nicht Universitätslehrer werden oder einmal andere in seiner Wissenschaft prüfen will, die Gymnasialstudien nicht bis auf den Grad üben zu müssen, als es von dem Theo- logen und noch mehr von dem Philologen erforderlich ist wegen den damit verwand- ten Zweigen. Unterscheidet man also nur den Zweck, welchen einer vor Augen hat, so lassen sich die Mittel, welche das Gymnasium bietet, sehr leicht mit der Gegen- Wart vereinen.
Ja ich möchte behaupten, dass es gerade jetzt keine anderen Mittel gibt und geben kann, wodurch die Jugendbildung des zukünftigen Beamtenstandes mit dem praktischen Leben ausgeglichen würde. Denn die denkenden und fühlenden Menschen
theilen sich in zwei Arten. Die einen reich an Fülle der Kraft, auf die Zukunft 2


