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seyn in einer Zeit, wo nicht mehr die Selbstbestimmung in den Stu-— dienjahren, sondern die gewaltigen Verhältnisse ihre Wirksamkeit bedingen wird?
„Denn grosse Begebenheiten, zu deren Bewältigung aussergewöhnliche Kräfte gesucht und in Anspruch genommen werden, bilden sich selbst die ihnen gewachsenen Männer.“ Und solche Begebenheiten sind jetzt nicht mehr eine Erinnerung der Alten und eine geschichtliche Ueberlieferung für die Jüngern, son- dern wir sind mitten in sie hineingestürzt. Heftig ist die Reibung, welchie aus dem Steine den Funken geschlagen, der zur Flamme auflodert, die leuchtet, aber auch verzehren kann. Wer weiss das, wer entscheidet? Ein geistig und sittlich vielleicht Unbedeutender vermag wohl die Flocke herunterzuwerfen, welche zur Lawine wird, vermag wohl die Schleusse zu öffnen, gewiss aber leitet nicht derselbe den Strom. Andere Kräfte und Gewalten machen ihm ein Bett oder vielmehr er sich selbst. „Nicht durch gewaltsames Rückdämmen, wenn das möglich wäre, machte man den Andrang der Wellen unschädlich oder gar heilbringend.“ Das jetzt handelnde Ge- schlecht kann nur zusehn, dass es nicht mit fortgeschwemmt werde.„Dass es zwischen angemessenen Grenzen die Richtung auf ein gutes Ziel verfolge, das ist sein Werk, welchem jede Seclenkraft sich zuwenden muss, das grosse Werk, zu dessen Gelingen sich die Wünsche der Guten und Verständigen vereinigen.“ Unsere Gelehrten sind es wahrlich nicht, welche mit ihrer Gelehrsamkeit die Fluthen auf- halten werden. Im Gegentheil die Doctrinär, unglückliche Zöglinge unserer auf Un- glauben oder unwahrer Unterlage gegründeten und darum kranken Wissenschaften, ich sage es frei heraus, die sind es vielmehr, wodurch das Unheil heraufgeschwo- ren wird, welches dann der gemeine Eigennutz ausbeutet. Denn die Wissenschaft, sagt der edle Zajotti, wenn von der Wahrheit und dem Bande der Gesellschaft abge- lösst, ist alles Werthes beraubt; wie abgelös't vom Glauben, ohne Würde.
Was ist's also, das unserer Zukunft Noth thut? Als das erste und das letzte finden wir, dass sich jetzt nur solche den Wissenschaften ergeben sollten, welche dazu den Beruf haben. Dies ist zu jeder Zeit wünschenswerth gewesen, die gegen- wärtige aber fordert es unabweisbar als nothwendig. Diese Behauptung bedarf nach eben Angedeutetem keines weitern Beweises. Aber woran den Beruf von oben als wahr und gewiss erkennen? ist die grosse Frage, die sich einer so schwer und selten recht zu beantworten weiss.
Freilich achtet der Erzieher schon auf die Spiele der Kinder und sucht in des Knaben Beschäftigung die Zukunft des Mannes zu lesen. Allein dies geschieht nicht


