Aufsatz 
Vortrag, welcher für die Progressionsfeierlichkeit Ostern 1848 bestimmt, aber in Ermanglung eines Raumes dazu nicht gehalten wurde
Entstehung
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welcher für die Progressionsfeierlichkeit Ostern 1848 bestimmt, aber in Ermangelung eines Raumes dazu nicht gehalten war.

Wovon soll ich heute reden mit der Erwartung auch gehört zu werden? Aller- dings haben Sie, Hochgeehrteste Herrn! mich gewöhnt auf ein gütiges Ohr rechnen zu dürfen, wenn ich mit dem Unbedeutenden und Kleinen aus dem Schulleben kam, das sich gegen das Grosse des öffentlichen Lebens nicht behaupten konnte. Würden Sie aber auch heute mich hören, da offenbar und unwiderleglich die neue Zeit an- bricht und mit aller Macht Aller Gemüther ergriffen hat, wenn ich irgend etwas ohne Beziehung auf eine solche Gegenwart vortragen wollte? Hiesse dies nicht verlangen, man solle das Lallen eines Kindes im Sturmesbrausen hören? Und den- noch ist das Leben der Schule von dem des Staates zu verschieden, als dass Sie, Hochgeehrte! eine Rede über die Tagesereignisse und ihre Gestaltung auf unserer Schulfeierlichkeit haben wollten. Der Schule höchste Feste sind immer stiller Art und vertragen sich nicht mit dem Geräusche des äussern Lebens. Freilich schlägt in dem rechtschaffenen Schulmann ein Herz für Gemeinwohl. Er freut sich des Guten, wo dies dem Vaterlande auf dem Wege des Rechts und der Wahrheit zu Tage gefördert wird, er leidet mit blutendem Herzen, wo er diesen Weg verlassen sieht und darum Unglück ahndet. Gleichgültigkeit müsste empören. Allein der Kampfplatz für die Schule ist so sehr ein anderer als der auf Volksversammlungen, dass Sie eine politische Rede hier bei einer Schulfeierlichkeit geradezu missbilligen würden.

Welches aber, das ist die Frage, die sich uns aufdrängt, welches ist das wünschenswerthe Benehmen der studirenden Jugend, worauf sollen die Studien unserer künftigen Beamten und Gelehrten gerichtet