6. März. Die Vokation für Herrn Oberlehrer Rohse wird übersendet.
16. März. Die Vokation für Herrn Dr. Dreyer wird übersendet.
21. März. Das Schulgeld für den Monat April ist von den neu eintretenden, jedoch nicht von den am 10. April abgehenden Schülern zu erheben.
III. Chronik der Schule.
Das Schuljahr begann am Donnerstag den 12. April 1888, 8 Uhr morgens, und wird am Mittwoch den 10. April 1889 geschlossen werden.
Zu Michaelis 1888 schied aus dem Lehrerkollegium der bisherige 4. Oberlehrer Herr Dangel, welcher, von Sr. Majestät dem Könige zum Königl. Realgymnasialdirektor ernannt, die Leitung des Königl. Realgymnasiums in Tilsit am 1. Oktober 1888 übernahm. Herr Dangel, ein ehemaliger Schüler der Anstalt, war seit 8 Jahren am Städt. Realgymnasium und zwar 1 Jahr lang als Oberlehrer thätig und besass in vollstem Masse die Achtung seiner Kollegen und die Liebe seiner Schüler. Mit den innigsten Wünschen für sein ferneres Wohl- ergehen und für eine an Freuden und Erfolgen reiche gesegnete Thätigkeit geleiteten wir den mit schaffensfreudiger Manneskraft ausgestatteten Kollegen in das neue schwierigere Amt.
Seine Stelle konnte nicht sogleich besetzt werden; den ÜUnterricht im Deutschen in I übernahm Herr Rosikat, im Englischen Herr Gerschmann, die übrigen Stunden wurden im wesentlichen dem Kandidaten des höheren Schulamts Herrn Saltzmann übertragen, welcher bis zum Schlusse des Schuljahrs mit hingebendem Eifer an der Schule wirkte. Die defipitive Besetzung der Stelle erfolgt zu Ostern d. J.: Herr Rohse, unterm 26. Februar zum Oberlehrer befördert, rückt in die 4. Oberlehrerstelle auf, die ordentl. Lehrer Herr Geffroy, Rosikat, Boenig, Gerschmann in die bezw. 1., 2., 3., 4. ordentliche Lehrerstelle. Für die 5. ordentl. Lehrerstelle ist von dem Magistrat der Lehrer an der höheren Töchterschule in Tilsit Herr Dr. Dreyer berufen und von dem Königl. Provinzialschulkollegium bestätigt worden.
Der 1. Oberlehrer Herr Fritsch wurde unterm 8. Oktober 1888 von dem Herrn Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten zum Professor ernannt.
Während des Schuljahrs waren als Probekandidaten an dem R.-G. beschäftigt: von Ostern 1888— 1889 Herr Dr. Hartwich, von Michaelis 1888 ab Herr Dr. Lehmann.
Am 11. Juni wurde der ordentl. Lehrer Herr Gerschmann zu einer 8wöchentlichen am 19. Juni der ordentl. Lehrer Herr Boenig zu einer 6wöchentlichen militärischen UÜbung einberufen. Da die UÜbungszeit beider Herren zum Teil in die Zeit der grossen Ferien fiel, war der erstere 4 Wochen, Herr Boenig nur 10 Tage zu vertreten. Diese Vertretung übernahm zum Teil der Direktor und das Lehrerkollegium, zum grössten Teil der Schulamtskandidat Herr Beller und der Schulamtskandidat Herr Kalau von Hofe gegen eine vom Magistrat bereit- willigst bewilligte entsprechende Remuneration.
Im übrigen war der Unterricht selten unterbrochen: an einzelnen Tagen durch Krankheit der Lehrer, Einberufung einzelner als Schöffe oder zu militärischen Dienstleistungen. Nur Herr Kantor Richter war infolge anhaltender Kränklichkeit genötigt, den Gesangunterricht im Winter öfters auf längere Zeit auszusetzen; seine Vertretung übernahm zum Teil Herr Ober- lehrer Michelis.
Der Gesundheitszustand der Schüler war ein im ganzen guter. Doch forderte die Typhusepidemie im Frühjahr 1888 auch von unserer Schule ein Opfer. Am 17. Mai erlag der Primaner Joachim von Spies dieser bösen Krankheit. Derselbe war Ostern 1887 als Abiturient des Realprogymnasiums zu Culm in die Prima eingetreten und hatte sich durch sein offenes, biederes Wesen bald die Liebe seiner Lehrer und Mitschüler erworben. Sein unermüdlicher Fleiss und die peinliche Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung seiner Pflichten berechtigten die Eltern zu


