Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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Almesloe starb im Mai 1760.¹) Friedrich ernannte, da der Vorschlag des Kapitels auf Brunetti fiel, den Prälaten des Doms Grafen Mauriz v. Strachwitz zum Weihbischof, dergestalt,dass derselbe nunmehro ohne Zeitverlust bei des entwichenen Bischofs dermaligen Abwesenheit zum Besten Unserer getreuen katholischen Unterthanen Schlesiens alles dasjenige, was ihm, denen kanonischen und in Schlesien hergebrachten geistlichen Rechten nach, zu seiner Konsekration in partibus Legitimation und sonstiger Qualifikation zu denen ihm qua suffraganeo obliegenden Funktionen erforderlich ist, bei dem römischen Stuhl und sonst nachzusuchen und auszuwirken bhat. Der Papst ernannte Strachwitz zum Bischof von Tiberias in partibus infidelium und versah ihn für die Zeit der Abwesenheit mit qualitatibus iurisdictionis extraordinariis in casibus reservatis. ²)

So war für den geregelten Gang der geistlichen Funktionen gesorgt, da der Weih- bischof mit Genehmigung des Papstesdie cura ordinis reservata für den ordentlichen Bischof ausüben kann. Ein Bedürfnis zur Rückberufung von Schaffgotsch war also auch im Frieden nicht vorhanden.

Dennoch sprach dieser sich am 18. Februar 1763 noch sehr hoffnungsfreudig über seine Aussichten aus. Er äusserte seinen Kummer, dass er sich mit Wallisch eingelassen habe. Er sei aber jetzt mit diesem zerfallen.) Am 20. Februar schrieb Schaffgotsch dem Könige vom Schloss Johannisberg aus ein demütiges Gesuch, ihn wieder in den vollen Besitz seines bischöflichen Regimentes einzusetzen.¹) Durch unglückliche Umstände des Jahres 1757 sei er in sein Unglück gestürzt. Während der fünf folgenden Jahre habe er nichts gethan, was Vorwurf verdiene. La conduite que je monerai le reste de de mes jours sera accompagnée d'une fidélité aussi exacte et à toute épreuve, qu'elle pourra me servir de moyen à effacer tout ce que j'ai à me reprocher.Erschrecken Sie nur nicht, die Sache wird, glaube ich, bald erledigt sein; vielleicht genügt es schon, wenn Sie mit dem Sekretär sprechen, sagte stets derjenige, der im Auftrage der drei Staatsinquisitoren der Republik Venedig einen Staatsverbrecher verhaftete. Natürlich erschrak der also Angeredete trotz dieses ständigen Trostspruches. Ebenso wird diese beständige Versicherung der Treue des ständig Treulosen gewirkt haben. Am 1. März richtete Schaffgotsch ein Schreiben an Schlabrendorff, in dem er den Minister ersuchte, der Wiederhersteller und grossmütige Protektor eines verunglückten Breslauer Bischofs und dadurch ein wahrer Gönner der Schaffgottschischen Familie zu werden. Gleichzeitig überreichte er difficile est saturam non scribere einen Vorschlag zur Errichtung eines bischöflichen Seminars, um die schlesische Geistlichkeit patriotisch zu machen. Freiherr von Hohnhaus, der diesen Brief überbrachte, teilte das Anerbieten des Bischofs mit, dem Minister nach seiner Rückkehr in das Bistum 1000 Dukaten und jährlich an Pension auf Lebenszeit 1000 Dukaten zu zahlen. Am 9. März 1863 teilte Marquis D'Argens Friedrich dem Grossen zwei Briefe von Schaffgotsch mit, der sich an den ver- trauten Freund Friedrichs wandte mit der Bitte, den Brief mit vermittelnden Worten an den König zu senden.)

1) Schlabrendorfts Empfehlung von Almesloe, XVIII, 21. Vorschlag, dem Kapitel das General- vikariat zu übertragen, XVIII, 52, Dez. 1758. Vergl. XVIII, 57, XVIII, 637. Dem Kapitel wurde gestattet, einen Vikar tamquam delegatus zu ernennen, Januar 1759. Am 11. Februar 1759 wurde Almesloe frei-. gegeben, der nun die geistlichen Ordinationen und Weihungen ausübte, XVIII, 70. Vergl. die Bedenken Mejers über die Stellung desselben a. a. O. II, S. 350.

2) Nach kanonischem Rechte soll die Ernennung des Weihbischofs durch den Papst auf Vor- schlag des Bischofs erfolgen. Vergl. Zorn a. a. O., S. 307. Eigentlich sollte das Kapitel drei Vorschläge dem Könige unterbreiten, XVIII, 87. Das Kapitel schlug Brunetti vor, XVIII, 88, den der König (s. o. S. 26) ablehnte, XVIII. 90. Auf Vorschlag von Schlabrendorff, XVIII, 91, wurde Strachwitz zum Weihbischof nominiert, XVIII, 92, Juni 1797. Der Papst überging vermutlich die Nomination und ernannte Strachwitz zum Weihbischof, XVIII, 97.

3) Vergl. Fechner a. a. O. S. 166.

4) XVIII, 103.

5) Marquis D'Argens an Friedrich 9. März 1763. Oeuvres de Frédéric, XIX, S. 383.