Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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selbst die Stifte durch unerschwingliche Abgaben und werde die ihm zugehörigen Waldungen völlig ruinieren, wenn ihm nicht der Holzverkauf untersagt werde. Der König billigte die Vorschläge und verfügte, dass die bischöflichen Forstbeamten durch besonderen Eid zur forst- mässigen Wirtschaft verpflichtet würden. Auf die besondere Bitte von Schaffgotsch genehmigte der König, dass ein besonderer bischöflicher Deputierter zur Wirtschaftskommission zugelassen werde, während er die gewünschte Entbindung von der Eidespflicht ablehnte.) Am 25. Juni fand die erste Untersuchung der eingesetzten Kommission statt. Obwohl die Anwesenheit des bischöflichen Deputierten manchem den Mund verschlossen haben mag und der Bischof selbst die Mönche bedrohte und einschüchterte, traten doch ganz besonders belastende Dinge hervor. Der Bischof schrieb an den König, er könne sich kaum öffentlich mehr in Breslau zeigen. Man spreche bereits von seiner Verhaftung, seiner Absetzung. Ein Mitglied der Kommission, Kriegsrat von Platen, hatte durch Querfragen über seine ganze Lebensweise Vernehmungen angestellt. Massow im Bunde mit Bastiani wolle ihn stürzen.) Der König empfand die Blosstellung des Bischofs als eine ungeschickte Handhabung seiner Verfügungen. Er tadelte Massow sehr energisch, der sich zu verteidigen suchte.) Schaffgotsch verleumdete Massow weiter, dass er die Untersuchung in derselben Weise fortführe. Massow habe diejenigen bischöf- lichen Beamten, welche allein den Verwaltungsbericht hätten geben können, weggeschickt. Der Minister fühlte sich durch den wiederholten Tadel des Königs gekränkt und bat um Entlassung und Untersuchung seiner Thätigkeit. Der König genehmigte dieselbe und ernannte am 26. Sep- tember Ernst Wilhelm von Schlabrendorff zum Nachfolger. ¹)

Schaffgotsch versprach dem Könige die Verwaltung besser zu regeln und geordneter zu führen.) Schon aus den Resultaten dieser Untersuchung ersieht man, wie wenig Schaffgotsch seine Lebensweise, seit er Bischof geworden, geändert hatte. Im Jahre 1750 schrieb der Bischof an den Papst, dass er, wenn von ihm im Jenseits keine andere Rechenschaft gefordert werde, als über einen glänzenden Hofstaat, über zahlreiche Diener und Pferde, über prachtvolle Aus- schmückung des Palastes, so wäre er sicher, geradeswegs in das Paradies zu kommen, ohne eine Viertelstunde in den reinigenden Flammen des Fegefeuers verweilen zu dürfen. Er lebe wie ein Eremit.) Dieser Eremit schuldete im Jahre 1758 allein 314 Thaler für Weine, die Effekten dieses Einsiedlers ergaben eine Summe von 11500 Thalern und seine Schulden betrugen im Jahre 1757 38428 Thaler.7) Seine Lebensweise gab mehr als einmal zu den ernstesten Konflikten Anlass.8) Der französische Gesandte Comte de Broglie, der sich bei seiner Reise nach Polen in Breslau aufhielt, bewunderte die Art, mit der der König in Anwesenheit des Bischofs über die Religion sprach. Einmal rief er dem Fürstbischof über den Tisch zu:Rien ne lui plaisait mieux que de donner à P'occasion quelque chiquenaude aux fanatiques.²) Ge- wiss konnte der König den Bischof nicht für fanatisch halten, den er selbst ermahnen musste,

1) Massows Bericht vom 19. April 1755. Die Aufsicht über die Verwaltung der Klöster unterstand thatsächlich den Kammern unter der österreichischen Regierung. Vergl. Grünhagen, Geschichte Schlesiens, Bd. II, 342. Kabinetschreiben an Massow, XIII, 648, Schreiben von Schaffgotsch XIII, 650; cf. 653.

2) XIII, 670, 6. Juli 1755.

3) XIII, 672, 673, 677.

4) XIII, 678, 682. Entlassungsgesuch Massows, 683, durch die Ungnade des Königs uyd Alter sowie Unwohlsein begründet. XIII, 689, 21. August 1755. Der König genehmigte es, nahm Aber nur auf die angegriffene Gesundheit des Ministers in seinem Schreiben Bezug; Kriegsrat von Platen wurde nach Königsberg versetzt; cf. XIII, 721. 724, 2. Januar 1756.

5) XIII, 684. Antwort des Königs XIII, 685.

6) Theiner II, 61.

7) Nach den im Breslauer Archiv befindlichen Akten. Vergl. Fechner Z. f. Pr. G. XX, S. 140.

8) Vergl. Fechner ebenda S. 121 124.

9) Comte de Broglie an Marquis de St. Contest, 17. Sept. 1752. De Broglie, Le secret du roi Paris, 1878, S. 40.

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