Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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führten auf Bericht Massows zu einem scharfen Verweis seitens des Königs.¹) Bezüglich dieses Passus im Breve konnte Schaffgotsch, der demütig um Verzeihung bat, sich insofern recht- fertigen, als er dasselbe dem Könige vor der Publikation eingesandt hatte. Uberdies bemerkte der Papst, dass er von den unglücklichen Verhältnissen in den Bullen für alle Länder gesprochen hätte. 2) Der König liess beide Angelegenheiten auf sich beruhen und befahl nur auf des Bischofs Schritte zu achten, sowie die päpstlichen Bullen zum Placet vor der Publikation in beglaubigten Abschriften vorzulegen.

Eine wirkliche Anderung in dem Verhältnis des Bischofs zum Könige trat nicht ein. Es ward ihm gestattet, die Abtissin im Kloster auf dem Sande unter den drei vom Kloster Erwählten auszusuchen und zu ernennen. ¹) Die Verhandlungen über die Verlegung des Gottes- dienstes an den dispensierten Feiertagen auf den folgenden Sonntag wurden durch Schaffgotsch geführt. Der Papst erteilte dazu nicht die Genehmigung. So blieb es bei der von Schaffgotsch vorgeschlagenen Beschränkung, dass an den dispensierten Feiertagen der Gottesdienst bis 8 Uhr morgens beendet sein müsste.4) Wiederholt verfügte der König, dass er in allen Beziehungen den status quo des Jahres 1740 aufrecht erhalten wolle.)

Einen neuen Verweis zog sich der Bischof zu, als er Bastiani in einem Prozess um Ge- währung der Einkünfte, die dem Abbé als Kanonikus zustanden, an den Papst als Appellations- instanz weisen wollte. Er hoffte durch diesen Prozess, zu dem er selbst Bastiani angetrieben, diesen zu Grunde zu richten. Das Urteil der Breslauer Oberamtsregierung fiel aber zu Gunsten Bastianis aus. An den Papst berichtete er über diese Dinge, als ob er von Bastiani völlig an die Wand gedrückt wäre. Er selbst entzog Bastiani den grössten Teil seiner Einkünfte. Dieser erhielt in allen wesentlichen Punkten Recht. Dennoch wies der König diesen an, die Streitig- keiten auszugleichen und den ersten Schritt zur Versöhnung zu thun. Auch Schaffgotsch erhielt die Weisung, auf jeden Fall neuen Skandal mit Bastiani zu vermeiden und die äusseren Formen diesem gegenüber zu wahren. Bastiani wiederrief mit feiner Ironie die Be- schuldigungen, die er gegen Schaffgotsch ausgesprochen, aber er erhielt die ihm im Prozess zugesprochenen Revenüen und alle seine Rechtsame, auch die, die ihm der Bischof abge- sprochen hatte. 6)

Wenn es ihm hier nicht glückte, seinen langjährigen Feind trotz aller Chicanen zu stürzen, so hatte er mehr Glück bei einem ähnlichen Unternehmen gegen den Minister Massow, der ihm jedenfalls seit jener Siegelungsaffaire verhasst war.) Massow beantragte nach dem Rechte, das bereits die österreichische Regierung gehabt, die Einkünfte und Verwaltung der geistlichen Güter durch eine besondere Kommission zu untersuchen. Der Bischof bedrücke

1) Bericht Massows. XIII. 534, April 1754. Schreiben von Schaffgotsch, XIII, 535, über die Wendungen des päpstlichen Breve, XIII, 536; cf. 537. Die Kabinetschreiben an Schaffgotsch, XIII, 538, 539, 545, 551. 574. Schreiben von Schaffgotsch an den König, 541.

2) Vergl. das Schreiben des Bischofs an den Papst, 3. Mai 1754, Theiner II, 114. Antwort des Papstes, XIII, 574.

3) 23. Mai 1754, XIII, 564.

4) XIII, 6, 22, 624, 627, Januar 1755; cf. XIII, 659.

5) XIII, 593, 596. Die Wallfahrten ausser Landes wurden verboten. Dagegen gestattete der König, dass die Pfarrämter durch Vikarien verwaltet werden dürften, falls die eigentlichen Inhaber Dispens haben, cf. XIII, 619, 621; cf. XIII, 635, 636.Das Jahr 1740 bleibt Normaljahr für die Parochien, XIII, 638, März 1755.

6) Erlass an Schaffgotsch, XIII, 610, 30. November 1754.Auch wollen Wir hoffen, dieselbe (E. Lbd.) werden hinfüro von dergleichen zu offenbarer Kränkung unserer Gerechtsame abzielenden Tentaminibus gänzlich abstrahieren. Vergl. XIII, 660. Schreiben an Bastiani, dem der König Recht giebt. Vergl. die Vermittelung des Nuntius am sächsisch-polnischen Hofe, XIII, 664, und die Zurück- weisung, XIII, 667, Juni 1755. Die Aufforderung zur Aussöhnung, XIII, 722, 723, 30. Dezember 1755. Vergl. die ausführliche Behandlung bei Fechner, Streitigkeiten Bastianis mit Schaffgotsch, Z. f. Pr. Gesch., 17, 465 ff.

XIII r 7) Von Chicanen, die er durch Massow erduldet, berichtet er auch dem Könige im April 1755, 649.