18
Wir haben keine Veranlassung, eine Mohrenwäsche vorzunehmen und die Person Bastianis zu verherrlichen. Man kann als gewiss annehmen, dass dieser Sohn eines Schneiders, der der Vertraute des Königs wurde und mit geringen Unterbrechungen blieb, den Wahlspruch des alten Hofphiliosophen mit Fürsten ς τπᷣQ᷑ℛτα l⁴ ,ꝛr ooræ zu verkehren, anerkannt und angewandt habe. In den zahlreichen Aperçus, welche die meist ungünstig ihn beurteilenden Memoiren von ihm berichten, zeigt Bastiani jene eigenartige Mischung von Männerstolz und höfischer Entsagung, welche der Umgebung Friedrichs überhaupt eigen war. ¹) Aber bei den Vorwürfen, die ein Mann wie Schaffgotsch gegen Sittenreinheit, Unbestechlichkeit und Frömmigkeit des königlichen Günst- lings erhebt, muss man an die Gracchos de seditione querentes denken! Das Gewissen des Bischofs beunruhigten nicht die Fehler, deren man Bastiani mit oder ohne Grund beschuldigte, sondern die unerschütterliche Gunst, in der der Abbé beim Könige stand, und die felsenfeste Treue gegen den König, die allen Einflüsterungen von oben und unten zum Trotz auf den Vorteil des königlichen Herrn bedacht war.²) Eine solche Person war unbequem, mochte sie in Rom oder in Berlin Ansehen geniessen. Da war denn dem Bischofe kein Kunstgriff zu kleinlich, keine Lüge zu gross, wenn es darauf ankam, den verdienten Mann anzuschwärzen und zu verdächtigen.
Schon im Januar 1748 hatte Schaffgotsch Bastiani beim päpstlichen Nuntius in Breslau verklagt.*) Als Münchow dem Bischofe Vorwürfe über die Vorschläge machte, welche er über die Besetzung der erledigten Beneficien in Rom eingereicht hatte, schrieb er im Beisein des Ministers einen Brief an den Papst, in dem er diesen bat, das erledigte Kanonikat nicht seinem Bruder, sondern Bastiani zu verſeihen.¹4) Gleichzeitig schrieb er an Archinto, nachdem er mit dem Brustton der UÜberzeugung den schlechten Lebenswandel, die Irreligiosität und die Habsucht Bastianis verurteilt hatte:„Es wäre ein Unglück, wenn dieser Mensch ins Kapitel einträte.
1) Die Angaben über Bastiani sind voll von Widersprüchen. Wahr ist jedenfalls, dass er Venetianer war und der Sohn eines Schneiders. Ebenso gilt er allen als ein ehemaliger Mönch, der aus dem Klosterleben ausgetreten ist. Vrgl. Fechner Z. f. Pr. G. u. L. Band XVII. 467 ff. auf Grund der vom Domkapitel entworfenen. im Breslauer Archiv befindlichen species facti. Nach derselben ist Bastiani durch Sinzendorf im Jahre 1742 als Abbé nach Schlesien gebracht. Dagegen meint Fechner, dass die von Menzel, Neuere Geschichte der Deutschen V, 471, erzählte Geschichte Glauben verdiene, dass Bastiani durch preussische Werber nach Breslau gekommen und unter Vermittelung von Friedrich später vom Militär befreit wäre. Nach Thiébauld, Mes souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin III, S. 44, ist Bastiani von den Werbern Friedrich Wilhelms I. vom Altar geschleppt und dann später durch Friedrich als Kronprinzen vom Soldaten zum Abbé gemacht. Dagegen steht in der Nouv. Biogr. Univ., Paris 1853, von Bastiani, dass dieser in Frankfurt a. Main in das preussische Militär getreten und später Sekretär des Bischofs von Breslau wurde. Als Quelle wird Chaudon et Delaudine, Dict. historique genannt, in dem ich indessen keinen Artikel über Bastiani fand. Schlabrendorff, Bericht an Finkenstein, September 1758, XVIII, 39, nennt ihn nur„eines Schneiders Sohn aus Venedig und aus dem Kloster desertierten Mönch“, was also mit der species facti, die das Domkapitel verfasst hat, übereinstimmt. Gegen den Eintritt Bastianis in das preussische Militär spricht die Thatsache, dass der König Friedrich Bastiani gar nicht kannte, als dieser wegen verdächtiger Korrespondenz auf Antrag Münchows im Januar 1745 nach Berlin geschickt, wurde. Auch Podewils Bericht vom 30. Januar 1750, X, 626, erwähnt nur, dass er Venetianer sei, in Breslau an der Tafel und im Hause von Sinzendorff gelebt hätte. Demnach ist die ganze Geschichte von Bastianis Eintritt in das preussische Militär, den auch neuerdings Fischer in seinem lesenswerten Aufsatze über Friedrich den Grossen(Dezemberheft Deutsche Rundschau 1888) als Thatsache erzählt, Erfindung.— Sehr ungünstig über Bastiani ist das Urteil von Schlabrendorff, dem schlesischen Minister seit 1755, cf. XVIII, 39, ebenso der sonst massvolle Weihbischof von Strachwitz, 19. Dez. 1764, XVIII, 214. Sehr parteiisch und ohne Gewicht Thiébauld III, 38. Als aalglatten Höfling schildert ihn de Catt in seinen Memoiren(s. o. S. 28 Anm. 6) S. 8. Besser erscheint er bei Büsching, Le charactère de Frédéric le Grand, Bern 1788, I, 95. Besonders gelobt wird sein Charakter von einem Freunde des ver- storbenen Professors Garve, der mit ihm in Breslau oft zusammenkam. Vergl. Woltmann, Geschichte und Politik Zeitschrift 1800, I, 238. Theiner schreibt über Bastiani cum ira et studio.
. 2) Bericht Bastianis vom 22. Juni 1748. Der Staatssekretär sagt zu ihm bei einer Audienz: Mais on dit que vous êtes tout roi et on ajoute mèême trop.
3) Schreiben von Schaffgotsch an Archinto 2. April 1748, I, 358.
4) Bericht Münchows vom 29. März 1748 XIII, 163.


