Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
Einzelbild herunterladen

16

konsekriert. Schaffgotsch teilte dem Könige das päpstliche Schreiben sogleich mit und versicherte Treue und Ergebenheit. ¹) Friedrich schrieb dem Bischof seine Glückwünsche zur Ernennung. Am 31. März sprach dieser dafür seinen Dank aus.²) Je reconnais fort bien, schrieb der Bischof, que c'est à V. M. seul que je dois tout mon bonheur, et que sans Sa protection et Ses bonnes grâces, dont Elle m'a comblé jusqu'à ce moment, je n'aurais jamais pu y aspirer, bien moins en- core y parvenir. Aussi en conserverai-je une reconnaissance éternelle, en me distinguant par une fidélité la plus exacte et plus parfaite dévotion pour la personne de V. Majesté, accompag- nant tout ceci d'une conduite aussi réglée et exemplaire, que ni V. M. ni le pape se trouveront jamais dans le cas de regretter le choix fait en ma personne pour cet évéché.

Formell hat der Papst bei diesen Verhandlungen mehr erreicht als der König. In dem ganzen Verhalten Friedrichs offenbart sich das Zugeständnis, dass in den geistlichen An- gelegenheiten Schlesiens der König sich nicht als summus episcopus ansieht. Denn er duldete die Untersuchung über Schaffgotsch durch den päpstlichen Kommissar, sowie die Ernennung von Schaffgotsch zum Bischof ohne Berücksichtigung der vorausgegangenen königlichen Nomi- nation. Dennoch sah Friedrich dies nur für einen Akt der Nachgiebigkeit und Höflichkeit dem Papste gegenüber im besonderen Falle an. Bezeichnend für diese Auffassung sind seine Worte an Bastiani) über die Zustimmung Roms zum Nominationsrechte: Et comme il est au-dessous de ma dignité de solliciter en suppliant une chose, dont je puis en tout cas me passer, il me paraft inutile etc. Sachlich gewann der König ebenso sehr durch die guten Be- ziehungen zur Kurie, wie durch die Ernennung eines Bischofs, der nach seinem bisherigen Verhalten noch weniger orthodox, noch mehr Preussen und ihm selbst zugethan zu sein schien, als es der Vorgänger gewesen. Der Papst selbst versprach nur solche Geistliche zu konfirmieren, die dem Könige genehm wären. Er ermahnte die Geistlichen zur Treue für den Herrscher.) Ja, er sprach sein Bedauern über den Protest seines Vorgängers gegen die preussische Königs- würde aus und brauchte selbst zuerst diesen Titel.) Auch ésterreich gegenüber konnte dies Einvernehmen von Preussen und der Kurie vorteilhaft gegen Beschwerden über die Verletzung des status quo der katholischen Religion in Schlesien, wie er im Breslauer und Dresdner Frieden verbürgt war, verwertet werden. So heisst es in einer Denkschrift vom Mai 1750:Der römische Hof, der von allem dem, was in Schlesien vorgeht, durch Freunde und Feinde voll- kommen informieret ist, hat bei verschiedenen Gelegenheiten seine besondere danknehmige Zu- friedenheit über die von des Königs Majestät seinen Glaubensgenossen in Schlesien gegönnte Protektion in den obligeantesten Ausdrücken zu erkennen gegeben, und da demselben doch wohl die Qualität eines iudicis competentis über die Frage, was den statum religionis afficiere oder nicht, wenigstens zu Wien nicht disputieret werden wird, so glaubt man diesseits, dass man

1) Theiner I, 367. Den Eid leistete Schaffgotsch in Berlin am 13. Januar 1749. Vergl. XIII, 262. Zunächst leistete er denselben als Lehnsmann wegen des Fürstentums Grottkau. Er gelobt aber auch alles zu thun, was die Fürsten zu Grottkau und Bischöfe zu Breslau zu thun schuldig und pflichtig gewesen. Uber das Sn Kömige angeordnete Festhalten des in Wien bei Huldigungen üblichen Ceremoniells XIII, 222.

, 165.

3) Erlass an Bastiani vom 30. Juli 1748, XIII, 229.

4) In dem politischen Testamente vom 27. August 1751 XIII, 421 sagt Friedrich über die Beziehungen zum Papste:je taché d'entretenir bonne Amitié avec le Pape afein de Gagnér par La les Catolique et de leur taire Comprendre que La politique des princes et La Meme quand Meme la Religion dont ils portent le nom est diferente. 1

5) Vergl. Schreiben des Papstes an Schaffgotsch v. 11. Mai 1748. Doc. 80, Theiner II, 24, cf. Doc. 83, 3. März 1748 an Archinto, 27. April 1748, Doc. 77. Uber den Protest Clemens' XI. im Jahre 1701 Droysen, Preussische Politik 4, 1 S. 240. Vergl. Bericht des Gesandten Klinggraeffen vom 1. September 1742, X, 194comme les princes protestants ne notifiaient, jamais à Rome leur avénement à la dignité royale, le pape ne Töuyan selon l'6tiquette les reconnaitre en d'autre dignité qu'en celle, ces puissances (Dänemark, Peglan) avaient été lors de la réformation. Vergl. Laspeyres a. a. O. S. 359, Anm. 14 und Zorn a. a. O. S. 164, Anm. 3. Vergl. aber zu den dort angeführten Stellen XIII, 303, 304, 25. Februar, 3. März 1750.