Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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in den Besitz der Revenüen auch dieses Teiles und wurde dort für die Verwaltung anerkannt. Später erklärte man in Wien dem preussischen Gesandten, dass man die Person des Bischofs für unannehmbar halte und in der Nomination eine Verletzung des status quo der katholischen Religion sähe, der in den letzten Friedensschlüssen verbürgt ware. Friedrich antwortete auf diesen Bericht, dass nach den Verträgen der Wiener Hof nur fordern könne, dass der Bischof rechtgläubig im Sinne Roms sei. Ubrigens sei zwischen der Direktion der Wahlen durch einen Kommissar, wie sie in Osterreich bestehe, und der Nomination von Geistlichen, wie er sie an- gewandt habe, kein Unterschied. Mes nominations sont franches et ouvertes et les siennes sont tacites, mais qu'au fond nos opérations produisent le mèême effet. ¹)

Schaffgotsch hatte durch Sendung seines Kanzlers von Mutius nach Wien erzielt, dass man in Wien die Verwaltung des Temporellen durch den Bischof duldete, indem man es als Sache des Domkapitels betrachtete, ob es die Verwaltung des Temporellen demselben überliesse. Der König war mit diesem Ergebnis zufrieden. Im Dezember berichtete dann Podewils, dass der Wiener Hof seine Stellung in der Bischofsfrage von der Haltung der Kurie abhäugig mache. ²) Natürlich sah man aber den Verhandlungen in Rom nicht müssig zu, sondern, wie man in Wien nach dem Dresdener Frieden überhaupt einen Kriegmit Federn und Chikanen führte, bot man alle Mittel auf, um den Papst zu einer Ablehnung der preussischen For- derungen zu überreden. Man schwärzte den Bischof in Rom an und drückte sein Miss- vergnügen über die Lobsprüche aus, die der Papst dem preussischen Könige gespendet hatte,) Man beauftragte die Geschäftsträger an der Kurie die Unterhandlungen zu kreuzen oder wenigstens sie bis zum Abschluss des allgemeinen Friedens hinzuziehen.

Die erste Unterredung Coltrolinis mit dem Papste fand erst Mitte November des Jahres 1747 statt. Der Papst forderte die Widerlegung von drei besonders schweren Beschul- digungen, die man gegen Schaffgotsch erhoben hatte. Man hatte erzählt, dass derselbe ein Krucifix in ein Glas gethan, dieses mit Wein gefüllt und gesagt habe de devoir s'énivrer à l'exemple de ses compagnons. Ferner sei Schaffgotsch während einer Prozession in einer neuen mit skandalösen Figuren bemalten Karosse ausgefahren. Auch hatte man behauptet, dass Schaffgotsch trotzt seiner Eigenschaft als Geistlicher in der Kleidung und mit den Insignien eines Freimaurers gegangen sei. Coltrolini bittet in seinem Berichte an den König um die Widerlegung wenigstens eines dieser Vorwürfe. Uber weitere Bedingungen hatte der Papst sich nicht ausgesprochen, vermutlich weil er die Beschwerden, die das Kapitel ihm einsandte, noch nicht erhalten hatte.4) Am 16. November traf Abbé Bastiani in Rom ein. Am 25. No- vember stellte Coltrolini ihn dem Papste vor und dieser überreichte die oben erwähnten Briefe von Schaffgotsch und dem Kapitel vom 20. Oktober sowie Bittgesuche von schlesischen Geist- lichen zu Gunsten des Bischofs. Coltrolini glaubte, dass der Papst sich an die Nuntien in Wien und Dresden wegen Information wenden wolle. In der dritten Audienz,⁵) die Coltrolini allein hatte, erbat der Papst ein glaubwürdiges Zeugnis für die Besserung in der Lebensweise des Bischofs. Coltrolini erbat sich dasselbe von seinem Herrn, dem Kurfürsten von der Pfalz.

Am 27. November hatte Bastiani allein eine Audienz beim Papst, weil er Coltrolini nicht rechtzeitig von derselben benachrichtigen konnte. Der Papst erklärte jetzt, dass er einen Kommissar nach Breslau zu senden gedenke, um das Leben des Bischofs prüfen zu lassen.

1) Erlass an Podewils, 25. November 1747, XIII, 81.

2) Schreiben von Schaffgotsch vom 8. November 1747, XIII, 68. Schreiben an Schaffgotsch vom 18. November, XIII, 74. Bericht von Podewils vom 6. Dezember, XIII, 85. Droysen, Gesch. der Preuss. Politik, 5, 3, 418, irrt jedenfalls, wenn er meint, dass der neue Fürstbischof selbst nach Wien gegangen sei, um sich pflichtmässig vorzustellen. 3

3) Bericht Coltrolinis vom 23. Dezember 1747, XIII, 98, Cf. XIII, 153 und Bastianis Bericht XIII, 157.

*4 Coltrolinis Bericht, XIII, 75. 5) XIII, 80 und 82.