Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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Der König könne in Bezug auf Schaffgotsch nicht mehr zurück. Er würde ihm mit oder ohne päpstliche Genehmigung die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten des Bistums auf jeden Fall lassen.

Bei einem Eingehen auf seine Wünsche stellt der König besondere Begünstigungen in Aussicht. Denselben bestimmten Ton zeigen die Erlasse des Königs vom 2. und 9. Dezember. Die Kurie trage allein für die zahllosen Ubelstände die Verantwortung, welche den Katholiken aus der Weigerung des Papstes erwachsen würden. Je suis fermement résolu de soutenir ma nomination, quoiqu'il en puisse arriver, et de n'admettre en Silésie aucun autre évêque, sous quelque nom ou prétexte que ce soit. Ebenso heisst es im Prlass vom 9. Dezember: ¹) Wenn der Papst bei seiner Weigerung beharren sollte, les affaires de la Catholicité dans mes états iront, comme elles pourront. So fest hier auch der Entschluss des Königs erscheint, er spricht nie Drohungen gegen die Katholiken selbst. Nur den Mangel eines Bischofs zur Erledigung der geistlichen Angelegenheiten der Diöcese bezeichnet Friedrich als die Folge, welche aus dem Scheitern der Verhandlungen entstehen würde.

Mag immerhin diese Sprache des Königs in Rom nicht ihren Eindruck verfehlt haben, mehr noch musste dort die allgemeine Lage und die immer wachsende Erkenntnis von der Toleranz des protestantischen Königs gegen seine katholischen Unterthanen wirken. So waren es die Jesuiten Schlesiens und der Jesuitengeneral Retz, welche durchaus die Sache des Königs beim Papste verfochten. Der päpstliche Nuntius Franciscus Stoppani verliess zur Zeit der Kaiserwahl Frankfurt a. M. im Oktober 1745, erbittert auf die katholischen Kurfürsten, voll Dank für die entgegenkommende Behandlung seitens des preussischen Reichstagsgesandten Pollman. Der Papst sagte darüber zu Bastiani, dass der preussische König ihm gegenüber sich hierbei besser benommen hätte, als irgend ein katholischer Fürst.2) So wünschte man auch durch den König die Zulassung eines Vertreters des Papstes beim Aachener Kongress zu erlangen.3) Auch hoffte man die Rechte auf die Lehnshoheit über Parma und Piacenza, die man im Wiener Vertrage(1735) an Osterreich abgetreten hatte, durch Befürwortung Friedrichs wiederzuerhalten.*) Schon aus diesem Grunde war der Papst und die Mehrheit seiner Umgebung während des ganzen österreichischen Erbfolgekrieges auf Seite der Gegner von Maria Theresia, so dass alle österreichischen Intriguen gegen die Ernennung von Schaffgotsch hier wirkungslos abprallten.

Den grössten Eindruck machten auf den Papst die Toleranz und die Gnadenbeweise, welche Friedrich aus eigenem Antriebe den Katholiken Berlins zukommen liess. Der König gestattete nicht nur den Bau einer katholischen Kirche in seiner Hauptstadt,so gross sie solche immer haben wollen oder können, mit einem oder mehreren Türmen, gross und kleinen Glocken, sondern gewährte auch einen geeigneten Platz ohne Entgelt und Baumaterialien. Er gab ausser- dem die Erlaubnis zum Bau eines Spitales und Waisenhauses für Katholiken. Zur Feier der Grundsteinlegung der Sanct Hedwigskirche prägte man eine Medaille mit dem Bildnis des Königs und der Inschrift: Fautori suo Religio Catholica Romana.) Der Papst selbst forderte zu Sammlungen für den Kirchenbau auf. In einer Kongregation der Kardinäle am 20. No- vember 1747 sagte er von Friedrich: Princeps autem qui modo imperium super eos

1) XIII, 24, 82, 87. XIII, 82 weist darauf, dass gegen das Nominationsrecht auf Grund des deutschen Konkordates kein Einwand erhoben werden könne, da Schlesien ohne Zusammenhang mit dem Reiche gewesen sei. Die Wahlen in Osterreich seien in Gegenwart von Kommissarien vollzogen worden und lediglich eine Formalität gewesen. Vergl. M. Lehmann, Staat und Kirche von Schlesien vor der preussischen Besitzergreifung, histor. Zeitschrift, Bd. 50, S. 222. Gruenhagen, Geschichte Schlesiens II, 338. Ausschliesslich die Hofgunst entschied abgesehen von zwei Fällen von 1596 1740 die Wahl der Bischöfe.

2) Bericht Polman's X, 665, 26. Oktober 1745, Bericht Bastianis, 17. Februar 1747, XIII, 143.

3) Bericht Bastianis, 24. Februar 1748, XIII, 147; damals hatte nur der päpstliche Kammer- auditor Andeutungen gemacht, vergl. Bericht vom 9. März 1748, XIII, 154.

4) XIII, 154. Uber die Erkaltung der Beziehungen von Osterreich zum Papste: Arneth, Maria Theresia IV. 55 ff. Moritz Brosch: Geschichte des Kirchenstaates, S. 100 und 103.

5) Vergl. Theiner, I, 276 ff, und X, 772, 22. November 1746 und Dr. C. Brecht, die Sanct Hedwigs- kirche in Berlinische Bauwerke zu Tafel 5.