Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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Für die Verhandlungen mit Rom über die Konfirmation von Schaffgotsch war es von Bedeutung, dass der König seit kurzer Zeit seinen eigenen Geschäftsträger bei der Kurie accreditiert hatte. Die erste Instruktion, welche dieser erhielt, betraf die Bischofsangelegenheit. Der König hatte genügend erfahren, wie schwer man sich durch Vermittelung fremder Staaten über die wahre Meinung des päpstlichen Hofes unterrichten könne. Kardinal Sinzendorf, der päpstliche Nuntius in Frankfurt Franziscus Stoppani, der sächsische Hof und der ergebene Freund desselben, Kardinal Alexander Albani, der französische Staatsminister, Kardinal Tencin, der Vertraute des päpstlichen Staatssekretärs Abt Nicolini, der Nuntius am Wiener Hofe hatten seit dem Jahre 1744 von Zeit zu Zeit versprochen, für Schaffgotsch einzutreten. Alle Ver- handlungen hatten keinen Erfolg gehabt. Schon Sinzendorf hatte im Jahre 1742 auf die grosse Schwierigkeit hingewiesen, von Rom etwas zu erlangen, ohne dort zu sein.¹) In Rom selbst erkannte man die schwierige Lage des Preussenkönigs sehr gut. Ein angesehener römischer Senator Graf Nils Bielke erbot sich bereits im Juni 1747 gegen Gewährung einer geistlichen Pfründe die Vermittelung der preussischen Unterhandlungen mit der Kurie zu übernehmen. Er schreibt u. a. darüber an seinen Freund, den angesehenen Leiter der auswärtigen Politik Schwedens, Graf K. Tessin, der 1747 Oberhofmarschall der schwedischen Kronprinzessin Louise Ulrike, einer Schwester Friedrichs wurde: ²) L'affaire de Prusse, de la quelle je me suis donné la liberté de vous supplier me tient infiniment plus à coeur, et devait ce me semble n'être pas tout à fait indifférente à S. M. Prussienne: surtout s'il Lui platt de réfléchir qu'en m'honorant de sa protection et de quelque marque de Sa confiance, Elle n'aurait plus besoin de traiter avec cette cour-ci par maintiens lesquels aujourd'hui aux nombres de Ses Alliés peuvent par la suite selon les vicissitudes humaines ne l'être plus; et lesquels certainement tächeront même au plus fort de leurs alliances communes de ne point donner la moindre atteinte à leurs intéréts en Cour de Rome pour y soutenir ceux de S. M. P. Je vous eus marqué par ma précédente, qu'actuellement depuis plus de deux ans ils traitent ici une affaire, qui re- garde S. M. P. C'est pour la Coadjutorie de l'Evéêché de Breslow: On n'y a encore rien décidé ici, et selon toutes les apparences on n'y décidera rien avant d'avoir porté S. M. P. à- prendre un Seigneur ecclésiastique de la nation de l'Allié, qui traite l'affaire ici pour le Coadju- teur du Susdit Evéêché. Si le roi de Prusse aurait une personne de confiance ici dont le rang

Vergl. des Känigs Prlass an Podewils vom 21. Januar 1748. Politische Korrespondenz VI, S. 11. Im Juni 1748 erbot Friedrich sich sogar ihm eine grössere Summe(1000 Gulden) zu zahlen Ebenda VI, S. 48. Ubrigens besorgte der Wiener Nuntius stets die Korrespondenz an den Papst. von der der König nichts erfahren sollte. Er war ein durchaus materieller Mensch. Friedrich teilt über ihn am 23. Febr. 1748, Polit. Korresp. VI, folgende Anekdote mit: pour toute bibliothèque il a des cervelas, lesquels il tient sous clef dans son bureau pour s'en régaler lIui même.

1) Ber. Sinzendorfs v. 22. August 1742, X, 185.

2) Durch Herrn Dr. Fritz Arnheim erfuhr ich, dass die Briefe Bielkes an Tessin einiges über Beziehungen der Kurie mit Preussen enthalten. Durch freundliche Vermittelung desselben erhielt ich die Abschrift von sieben Briefen aus den Jahren 1745 1757; die handschriftlich in Tessinska Samlingen Stockholmer Riksarkiv aufbewahrt sind. Herr Dr. Westrin hat die Güte gehabt, die Abschriften durch- zusehen, wofür ich ihm besonderen Dank ausspreche. Uber Bielke selbst vergl. Biografiskt Lexikon ofver namnkunniga Svenskaman, Upsala 1836 I, 293 u. 294. Bielke war ein katholischer Renegat, von Geburt ein Schwede, seit 1735 in Rom und bei Clemens XII. in hohem Ansehen. Er wurde 1735 päpst- licher Kammerherr und seit 1737 römischer Senator. In dem Briefe vom 14. Juni 1747 bittet er Tessin, sich bei der Kronprinzessin von Schweden zu verwenden, dass diese ihn zum preussischen Geschäftsträger bei der Kurie ihrem Bruder, dem preussischen Könige, empfehle. Er giebt an, als römischer Senator wöchentlich zwei Audienzen beim Papste und Staatssekretär zu haben. Als Lohn erbittet er eine geist- liche Pfründe. Am 15. Juli 1747 aus diesem Briefe ist die oben angeführte Stelle erneuert er sein Gesuch. Am 17. Februar 1748 zieht er dann dasselbe zurück, indem er Tessin und der Kronprinzessin seinen Dank für die Bemühungen beim Sreussischen Könige für ihn ausspricht. Bastiani(Ber. v. 2. Dez. 1747, XIII, 83) rühmt die Unterstützung, die er durch Bielke erfährt.Il est grand vénérateur de V. M., fidèle et dévot serviteur de Md la princesse royale de Suède. XIII, 99. Ubrigens ergeben die Briefe Friedrichs des Grossen(Polit. Korrespondenz 1747, 1748) nichts über die Vermittelung dieser Angelegen- heit. Die mangelhafte Orthographie der Briefe Bielkes habe ich verbessert.