Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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Einfluss von Schaffgotsch, wie man erwarten sollte, geführt, sondern eher zu grösserer Begehr- lichkeit. War man doch so weit gegangen, dass man geflissentlich den Königstitel für Friedrich vermied, um auf den Papst, der damals diesen Titel noch nicht anerkannte, einen günstigen Eindruck zu machen. ¹)

In einem Schreiben vom 20. Oktober bat Schaffgotsch selbst den Papst um die Ver- leihung der Bulle. Weder durch Bitte, Gesuch noch geheime Zumutung von seiner Seite sei er Koadjutor und Bischof geworden. Die Zudringlichkeit des ersten Ministers Schlesiens habe ihn genötigt, die Verwaltung der Einkünfte des Bistums zu übernehmen. Grosse Nachteile könnten der Kirche durch den Unwillen des Königs zustossen. Im Falle der Zustimmung des Papstes dürfe man auf die besondere Gunst des Königs rechnen. Gleichzeitig legte er ein Sündenbekenntnis bei und bat um Verzeihung und Absolution. Trotz der hohen kirch- lichen Würden und der Priesterweihe habe er ein zügelloses Leben geführt; auch die Besitz- nahme der weltlichen Macht des Bischofs sei eine Sünde. Mit vollem, festem, kindlichem Ge- horsam verspricht er jetat und für immer sich dem Stellvertreter Christi zu unterwerfen. Theiner nennt dies Geständnis edel und rührend und scheint an eine Gesinnungsänderung geglaubt zu haben. Wie wenig Wahrheit diese Briefe enthalten, ergiebt bereits die bisherige Darstellung. ²)

Während diese beiden Briefe mit dem offiziellen Schreiben des Kapitels durch den Unterhändler von Schaffgotsch nach Rom gebracht wurden,³) sandte dieser selbst ein drittes Schreiben an den Papst am selbigen Tage. Er erbot sich in demselben einem päpstlichen Kommissarius gegenüber an einem beliebigen Orte von Deutschland Rechenschaft über alles abzulegen. Von diesem Vorschlage erfuhren weder der König noch seine Unterbändler.

Um seiner Sache mehr Nachdruck zu verschaffen, erbot sich Schaffgotsch bereits in den ersten Tagen des Monats Oktober, den früheren preussischen Gesandten am sächsischen Hofe Karl Cagnony nebst dem Abbé Bastiani nach Rom mit einer guten Summe Geldes zu senden.¹) Der König gab die Sendung von Cagnony nicht zu, weil dieser in königlichem Dienste wäre.) Desto mehr empfahl er den Abbé Bastiani. Dieser begab sich am 6. Oktober nach Potsdam, um sich vom Könige selbst Instruktionen zu holen. Da erklärte sich Schaffgotsch plötzlich gegen die Sendung dieses Mannes, welchen er nur aus Gefälligkeit für Cagnony hätte schicken wollen. Er erbot sich zur Sendung eines Geistlichen, den er als einen homme troͤs intrigant empfahl. Vielleicht hatte ihn die Reise Bastianis zum Könige darüber aufgeklärt, dass er in ihm kein blindes Werkzeug haben könne. Er hielt es für gefährlich, dem gewandten Abbé Gelegenheit zu bieten, sich die besondere Gunst des Königs zu erwerben.) Dieser bestand aber darauf, dass gerade Bastiani gesandt würde, und der Bischof gab endlich nach. Bastiani ging mit zahlreichen Bittgesuchen, den Schreiben des Kapitels und von Schaffgotsch von Breslau am 23. Oktober fort.

In Wien hatte Bastiani bei der Reise eine einstündige Konferenz über die Bischofs- angelegenheit mit dem päpstlichen Nuntius am dortigen Hofe Fabricius Serbelloni, der von dehalrgofdon durch Geld gewonnen wurde. Er gab denn auch Bastiani Empfehlungen nach Rom mit.)

1) Bastianis Bericht 6. Januar 1748, XIII, 116. In dem Briefe des Kapitels vom 16. Dezember (Urkd. 20) findet sich allerdings weder das Prädikat königlich noch der Ausdruck König, dafür summus princeps und Dominans.

2) Die Briefe bei Theiner I, 309.

3) Nach dem Zeugnis des Papstes, Theiner I, 317. Dass Bastiani dies dritte Schreiben nicht kannte, geht aus dem Berichte von Bastiani XIII, 83 hervor.

4) Münchows Bericht vom 3. Oktober XIII, 14. Antwort des Königs 9. Oktober XIII, 26 und 12. Oktober XIII, 34.

5) Vergl. Lehmann XIII, Seite 24 Anm. 1.

6) Schreiben von Schaffgotsch XIII, 42, 15. Oktober Bericht Münchows 18. Oktober 1747 XIII, 46.

7) Der Nuntius war mit der Haltung des Wiener Hofes unzufrieden. Schreiben von Schaffgotsch vom 8. Nov. 1747 XIII, 68. L'Italien veut ètre flatté et payé. Das erstere müsse der König thun.