Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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jungen Domherrn zuwandte.¹) Das genügte, um diesem den Groll des österreichisch gesinnten Domkapitels zuzuziehen. Durch seinen Eintritt in den Freimaurerorden und durch seine lockere Lebensweise führte er den Geistlichen einen reichhaltigen Stoff zu, um zu klagen und zu eifern. Man darf annehmen, dass dieselben 7 Jahre hindurch sorgfältig jede Gebärde ihres Opfers ausgespäht, jedes Wort ausgelegt und alle Geschichten, die ihnen von dienst- beflissenen Lakaien zugetragen wurden, sorgfältig dem Papste und ihren Gesinnungsgenossen berichtet haben.

Diesen Mann von zweifelhaftem Rufe hatte Priedrich dazu ausersehen, Koadjutor des Kardinals Sinzendorf und nach dem Tode desselben Fürstbischof von Breslau zu werden. Man kann unbedingt zugeben, dass Friedrich, der Menschenkenner, von dem sittlichen Ernste des jungen Grafen keine hohe Meinung gehabt haben kann. Seine Schwester Louise Ulrike schreibt an ihre Mutter, als sie den Tod Sinzendorfs gehört: Je(ne) crois pas qu'on canonisera le premier ni qu'on chantera des Tedeum de bon coeur pour le dernier(Schaffgotsch) qui est bien le plus indigne prélat que je connaisse.²) Der streng religiöse Sinn, welcher dieser Schwester des grossen Königs innewohnte, stellte sicherlich an einen Geistlichen die höchsten Anforderungen. Indessen zeigt die Ausserung, wie man in Hofkreisen über den Lebenswandel jenes Mannes gedacht hat. Wir dürfen vermuten, dass der Köuig diesen Mann trotz alledem nicht für völlig unwürdig hielt.

Dem Könige, welcher in einer geheimen Instruktion für den Erzieher des dereinstigen Thronerben so warm die Notwendigkeit betonte,) dem jugendlichen Gemüte Achtung für den katholischen Glauben einzuflössen, der in seinem Testamente auf das gute Verhältnis der Katholiken zum Könige Gewicht legte,¹) diesem Könige gebot die Politik, sich nicht durch die Ernennung eines Unwürdigen die Abneigung seiner katholischen Unterthanen, berechtigte Vorwürfe seitens der Kurie und des Wiener Hofes zuzuziehen. Wenn ihm einerseits die hohe Abkunft aus schlesischem Adel, die Bildung und der freie Geist von Schaffgotsch, sowie der Glaube an Treue und Dankbarkeit von einem Mann, der ihm allein einen so hohen Rang verdanken würde, die Wahl von Schaffgotsch vorteilhaft für seine Interessen erscheinen liessen, so glaubte er andererseits, dass derselbe mit dem grösseren Lebenszwecke an sittlicher Reife wachsen werde. Nicht mit Unrecht, wenn auch vielleicht mit Ubertreibung, meinte der König,?) dass wenn die Lebensweise des jungen Schaffgotsch Anlass zur Exkommunicierung geben würde, in Schlesien nach Recht und Billigkeit mindestens 300 Mönche verbrannt werden müssten, qui mèônent une vie infiniment plus scandaleuse. Ein Beweis aber, dass der König in der That einen ordentlichen und vorwurfsfreien Lebenswandel von Schaffgotsch wünschte, liegt in den Versicherungen, die derselbe wiederholt über seine Besserung und Einkehr gab.) Der König selbst schrieb an Schaffgotsch nach seiner endgiltigen Bestätigung zum Bischofe: Vous êtes à la tête d'un clergé, auquel vous devez donner l'exemple de la décence, du zèle, de l'exactitude, de la charité et des autres vertus essentielles à un homme de votre état.

1) Vergl. Moehrs a. a. O., S. 20 ff.

2) Herr Dr. Fritz Arnheim hat diese Bemerkung in den Briefen der schwedischen Kron- prinzessin(Gustavianska Papperen, vol. VIII, Handschriften Upsala, Universitätsbibliothek) gefunden und mir übermittelt.

3) Aus der Instruktion für den Erzieher des Prinzen Friedrich Wilhelm, XIII, 379. 1751.

4) Testament politique XIII, 421. 1751.

5) Kabinetschreiben an den Kardinal Tencin, Juni 1744, vom Könige selbst diktiert, X, 533, vergl. Moehrs. S. 23. Vergl. die Instruktion an Coltrolini, vom 7. Oktober 1747, X, 24: je n'exigeais rien qui fút contraire à ses principes ni à sa pratique, puisqu'il y avait une infinité d'exemples qu'elle y a accordé les bulles aux prélats dont les moeurs étaient sans comparaison plus déréglées qu'on n'en reprochait, quoique sans preuve, au prince de Schaffgotsch.

6) Schreiben von Schaffgotsch an den König, Nov. 1746, X, 768: je réglerai mes moeurs, afin qu'elles accordent avec mon état ecclésiastique et le charactère d' évêèque u. s. w. Schreiben von Schaff- gotsch an den König, Januar 1447, X, 792: De mon côté, Sire, je continuerai de vivre dans ma retraite et solitude en menant une vie ecclésiastique et exemplaire, dont votre M. aura lieu d'être satisfait.